Erkundung der Bluthöhlen und Suche nach der Silbernen

Buch: Feldbericht zum 17. Ches 1387

Autor:Kathaphaia
Verfasst:1387 TZ
  
Form:kleines Buch
Umfang:40 Seiten
Sprache:Chondath
Anspruch:mässig anspruchsvoll
Zugang:nicht offen zugänglich

Dieser Expeditionsbericht fasst die Ereignisse vom 17. Ches 1387 zusammen, als eine Gruppe aus Llorkh und Lautwasser in den Krater bei Orlbar tief hinabstieß. Der Bericht ist sicherlich gefärbt durch die Perspektive der Autorin, besticht aber durch eine gewisse schonungslose Nüchternheit bei der Schilderung des Fiaskos.

1.  Vorspiel und Abstieg

Die Erkundung war eine gemeinsame Unternehmung von Llorkh und Lautwasser. Beteiligt waren für:

  • Llorkh: Arkanistin Akkiz, Arkanistin Kathaphaia, Arkanistin Sabia Eisglanz, Nachtklinge Qava Merinova
  • Lautwasser: Abt des Azuth Worlan DuRog, Arkanist Firali Ruri, Teufelspaktierer Aelthas Drachenschwinge, Klerikerin Laflanna Tialasar, Barde Ilaethas Carothil, Arkanistin Jahra Windspiel, Klerikerin Aaris Sternenkind, Viktor von Greifenstein,
  • sowie: Savarin Falkner, Sevilias Telar, Waldläufer Falk, Waldelfe Caelavin.

Ziel der Erkundung war das Auffinden der in Orlbar leidend eingesperrten Silbernen Drachin sowie die Suche nach Hinweisen für ihre Befreiung. Direktive des Souveräns von Llorkh war die Unterstützung der Unternehmung durch den Arkanen Zirkel nach Ansehung aller Unwägbarkeiten und möglichen Gewinne und Verluste.

Die Vertreter der Parteien sammelten sich. Entgegen der durch Sevilias Telar der Kathaphaia zugesicherten Erteilung des Worts vor Aufbruch der Expedition, wurde der Abstieg ohne eine einführende Rede begonnen. Worte der Warnung, der Zielführung und der gegenseitigen Vergewisserung wurden nicht gesprochen.

Der Abstieg war von Kämpfen gezeichnet, die jedoch die Übermacht der Gruppe nicht gefährden konnten. Durch den alten Schrein der Chauntea, die Höhlen darunter und die Feuertunnel ging es zielstrebig in die blutigen Höhlen hinab.

2.  Ankunft in den Bluthöhlen

Die Gruppe erreichte ohne Ausfälle den Abstieg in die Bluthöhlen. Ich erinnerte Sevilias Telar an die Gefahren und versuchte an diesem Punkt noch einmal zu einer besonnen Absprache zu gelangen. Angreifende Spaltenbestien der schwächsten Art vereitelten dies. Die Dinge waren bereits im Laufen. Wie es Sevilias Telar bekannt gewesen war, erwarteten uns die Spaltenbestien.

Die Tunnel waren von reinweißem Licht erhellt und alle Arkanwirker bemerkten eine heftige Migräne, die jedoch die Konzentration der Geschulten nicht ernsthaft gefährden konnte. Die Wände, wie aus Porzellan gefügt, zeigten Anzeichen von Klauen und Krallen. Die ersten Gegner kündigten sich mit einem entfremdeten Krächzen, gleich dem metallischen Widerhall von echsischen Lauten, an. Die Pseudo-Bestien waren der erste Kampf. Doch es wirkte, als wären sie absichtsvoll nur zur Vernichtung gegen uns gesandt. Um uns zu erproben und die Stärke einzuschätzen.

3.  Die Bestien verteidigen den Brutstock

Als man den Gang zum Abgrund der Lichter und dem weißen Brutstock gesichert hatte, gaben die echten Spaltenbestien lauten Alarm, auch wenn wir wissen, dass sie sehr wohl in einem einzigen, kollektiven Gedanken leben. Eine wesentliche Stärkere Kampfkraft verteidigte den weißen Brutstock und zwang uns in die Defensive vorerst. Aus dem tiefen Schacht vor uns kamen Klauen empor. Man konnte sie hören. Der Feind formierte sich rasch. Wie es nach allem Wissen zu erwarten war, wurden wir alsdann in die Zange genommen. Kreaturen kamen von den Feuerhöhlen hinter uns herab. Der Feind denkt wie eine Person und er wusste von unserer drohenden Ankunft. So war die Falle beschieden. Fluch Dir, Sevilias Telar. Dein gedankenloser Hochmut hat uns das Kommende beschehrt. Warum warst Du so eitel Dich jeder Verantwortung frei zu sprechen? Warum gabst Du nicht zu, ohne Plan hinabzugehen? Warum sind wir gefolgt? Ernüchternd klingt auch dieser Satz nach. – Aus dem harten Folgekampf floh eine der Bestien fort und wir blieben angeschlagen, aber soweit guter Dinge zurück.

4.  Bergung eines der Brut

In der Kampfpause drangen wir auf Anraten der Vertreter Llorkhs zum Brutstock hin durch. Dort geschah im Wesentlichen zweierlei: die Bergung eines Eis aus weißem, bernsteinartigen Kristall sowie ein Versuch der Kontaktaufnahme zur Drachin durch Jahra Windspiels Gesang. Die Arkanistin des Einhornbundes brachte Reaktionen zutage. Kristalle barsten und gaben unmenschliche Schreie frei. Mentale, telepathische Schreie eines seelenlosen Hungers. Hunger nach Göttlichkeit, nach Essenz, Kraft. Jahra Windspiel rief die Drachin beim Namen an: Yrizdralisz, in der Hoffnung, ihren freien Geist zu erreichen. Die Anrufung brachte keine Ergebnisse, die nicht schon ehedem bekannt gewesen wären. Eine Druckwelle warf uns Versammelte am Brutstock fast in den bodenlosen Schlund. Gemeinsam mit Sevilias Telar und Caelavin brachte ich eines der Eier zur späteren Analyse zur Nachhut am Tunneleingang und übergab es Worlan DuRog.

5.  Getrennte Gruppen – Wolke der Fremdkontrolle

Während die Gruppe um Jahra Windspiel und Laflanna Tialasar am Brutsock weiter um Erkenntnis rang, blieb ich bei der Nachut. Da überkam mich ein mir allzu bekannter Eindruck. Es war die Präsenz der Fremdkontrolle, wie ich sie aus jahrelanger Schulung der Kontramagie her kenne. Eine heimtückische Präsenz versuchte wie eine Nebelwolke langsam über die Expedition zu gleiten und die Bewusstseine zu übernehmen. Eine düstere Verhexung, die aus dem Abgrund empor kroch und den geistig Schwachen den unstillbaren Durst nach Blut und Macht bringen wollte. Ich versammelte wen ich nahebei fand im Schutzkreis außerhalb der toten Magie und wir sahen uns in arger Defensive. Elfe Caelavin erlag dem Einfluss und beschoss uns mit ihrem Bogen. Eine Gedankenleere verschaffte ihr Erlösung, bevor sie von den anderen Gefährten zu Boden geschossen werden musste. Der Einfluss der Fremdkontrolle wanderte dann zur zweiten Gruppe, beim Brutstock, hin. Doch wir konnten sie warnen, so dass letztlich der Schaden durch die Beherrschung gering war.

6.  Unterhandel mit der Spaltenbestie

Als sich alle wieder versammelt hatten, trat eine ausgewachsene Spaltenbestie über die Brücke des Abgrunds und verlangte die Vorleserin zu sprechen. Ich trat auf die Brücke und führte kurzen Unterhandel. Die Bestie fragte mich, ob ich die Gruppe herbringen würde. Es war eine zweischneidige Frage, denn die Vorleserin war neutral zu dieser Zeit. Brachte ich die Fremden um sie dem Nexus zuzuführen? Oder brachte ich sie, um die Drachin zu befreien? Beide Optionen wären eine Parteinahme gewesen. Ich wich aus und konfrontierte die Bestie mit dem Offensichtlichen: man war gekommen um die Silberne zu befreien. Die Bestie gab unmissverständlich kund, dass die Drachin die Mutter der Bestien war. Hier gab es mit Verhandlung nichts zu gewinnen. Ich zog mich zurück und wahrte die Neutralität zwischen Paktbinder und Spaltenbestien bis zu diesem Zeitpunkt, wie ich denke. Die Situation nahm deutliche Tendenz zu erneuter Konfrontation.

7.  Aelthas bricht aus der Reihe – Beratschlagungen

Als der Kampf mit dem Gewaltigen offenbar war, trat Aelthas Drachenschwinge vor. Ein Paktierer mit Teufeln, wenn man den Hinweisen glaubt, die ich bezeugen konnte. Zuerst schien es, als sei er besessen oder beherrscht, wie er auf die Spaltenbestie zu trat und sich selbst anbot. Die Gefährten versuchten ihn zurückzuringen. Eine wirkungslose Kontermagie durch Sabia Eisglanz schien langsam offenbar werden, dass Aelthas freiwillig handelte. Der Törichte wollte sich selbst zum Wohle der Anderen preisgeben. In den Nexus hinein. Es mag Verblendung gewesen sein, doch vielleicht auch nur der Wille einen von vielen undeutlichen Wegen endlich einzuschlagen. Er nahm eine klare Antwort mit in den Tod. Hätte er sich besonnen erklärt, als Gelegenheit war, hätte sein Heldenmut vielleicht sogar Zustimmung und Achtung gefunden. Doch im drängenden, hitzigen Ringen um das Überleben aller, erschien er als Wahnsinniger. Man bemühte sich krampfhaft, ihn zurückzuhalten. Und die Spaltenbestie ergötzte sich herrlich an der Szenerie.

Während die Kräftigen mit Aelthas rungen, versuchten die Belesenen sich eine kluge Art des Handelns zu überlegen, so wie es den Beratschlagenden gebührt. Bisher waren die neuen Erkenntnisse vage gewesen: „Durch mich zu mir – Erreicht mich durch mich“. Solche und ähnliche Wendungen hatte die Drachin der Jahra Windspiel preisgegeben, wovon noch weiter unten die Rede sein wird. All dies hatte man schon zuvor erfahren. Das Rätsel lag auf der Hand, doch die Antworten waren zu vage. Wie Kollegin Akkiz anmerkte, konnte man nun jedoch annehmen, dass es eine Kraft gab, die der Drachin es schlicht verbat deutlicher zu werden. Wir mussten diese Erkenntnisgrenze hinnehmen.

Wir begannen notgedrungen zu spekulieren, auch wenn es lächerlich war. All dies hätte vorher geschehen sollen. Die möglichen Konsequenzen aus der Offenbarung der Drachin waren zu vage und zu tückisch: „Durch mich, zu mir“

  • Sollte man der Bestie folgen, die ein Kind der Drachin war, wie es Laflanna anbrachte, oder bedeutete der Spruch, dass der Tod die Erlösung für die Drachin sei?
  • War die Drachin Orlbar selbst und sollte man hinabsteigen in den dunklen Schacht, wie es Falk beigab?
  • Musste man die Kristalle als Portale verstehen, als den Weg zu ihr, wie es Jahra Windspiel glaubte?
  • Musste man sich der Drachin selbst bedienen um sie freizusetzen, so wie es Ilaethas sagte?
  • Sollte man sich in den Nexus geben, mit dem Willen alles zum guten zu wenden, wie ich selbst zu bedenken gab?

Die Erwägungen kamen zu einem jähen Ende, als erneut Krächzen aufkam und sich Bestien näherten. Das Geschacher um den unwilligen Aelthas hatte die Grenzen des Zeitgewinns erreicht. Er berief sich auf seine Paktkräfte und – vielleicht wollte er es gar nicht, denn er war im Bereich der Wilden Magie – erhob ein Skelett auf der Brücke. Dies wurde als Angriff gedeutet. Die Bestien kamen heran.

8.  Des Gemetzels erster Akt: Kampf entbrennt – Aelthas' Tod

Aelthas eröffnete den Kampf gegen die ausgewachsene Bestie und er wurde zerrissen. Es begann ein Vorgeschmack auf das kommende Blutvergießen. Doch man blieb beharrlich. Ilaethas Korethil gab einen interessanten Hinweis, den Lautwasser meines Erachtens bisher verschwiegen hatte: er wollte einen Weg in „die Höhle“ suchen, in denen auch die Kultisten Zugang haben sollten. Ein Hinweis aus der Traumreise? Es ist Ungewiss. Doch seine Bemerkung rückte die Antwort auf das Rätsel der Drachin in den Bereich eines Übergangsritus. Gab es einen Weg im engeren Sinne, der zu einem Ort führen würde, wo die Drachin ruhte? Im Schmelztiegel der Sphären und Taschenglobulen nicht abwegig.

Während und nach dem Kampf versuchten wir uns weiter in Beratschlagung und taten dies auch, als eine dem Zirkel bekannte, besondere Spaltenbestie auftauchte. Tsamaris.

9.  Tsamaris' Erscheinen – Weitere Beratschlagung

Es gab einige deutliche Hinweise darauf, um welche Wesenheit es sich handelte, als plötzlich eine kleine Spaltenbestie auftauchte und mit normaler Stimme, nicht mir Telepathie, zu reden begann. Es war die Stimme einer Ilythiiri, die einst sogar Gast im Hause gewesen war. Eine Chaosforscherin, deren Umwandlung zur Spaltenbestie ich einst selbst bezeugen konnte, damals am Krater. Xaztra Arab'sek? und der Scherge Xun waren ebenfalls zugegen gewesen. Eben jene Tsamaris sprach nun zu uns und wir versuchten weiter das Rätsel zu lösen. Alles kreiste um das „Durch mich, zu mir“. Dieser simple Satz blockierte all unser Denken im Chaos ringsum. „Erreicht es durch mich“, und damit meinte die Drachin das Verhindern des „Grünen Paradises“. Die Verheissung einiger Individuen am Krater. Und als Bestätigung anderer Erkenntnisse erwiederte Tsamaris, dass es das Paradies nicht gibt. Nur Evolution und Hunger nach Macht. – Ein konsequenter Beweis für die Animositäten zwischen Paktbinder und Spaltenbestien. Auch bestätigte Tsamaris meine Bemerkung, wonach im Nexus schiere Macht gesammelt wird, wie in einem sich aufblähenden Wanst. Doch all das waren wenig zielführende Erkenntnisse. Auch war es widersprüchlich, da Laflanna Tialasar, Jahra Windspiel und ich scheinbar von völlig anderen Deutungen der Kultisten und der Spaltenbestien ausgingen.

  • Sie sagten, die Drachin wolle sich vor den Kultisten schützen und die Spaltenbestien wären ihr eine Art Schutz. Die Kultisten beabsichtigten sich ihrer zu bedienen, um das Grüne Paradis zu errichten. Die Kristalle entstünden durch die Drachin hindurch.
  • Ich weiß jedoch auch, dass Teile der Kultisten die Befreiung der Drachin als höchst erstrebenswert ansehen und den Krater befrieden wollen. Die Spaltenbestien sind die Nutznießer, indem sie sich selbst aus der Drachin erzeugen.

Der einzige Erklärungsvorschlag und Kompromiss konnte es sein, dass wir zu wenig wussten. Verhängnisvoll. Lautwasser sah offenbar nicht differenziert genug die Motivationen der einzelnen Paktbinder. Und Llorkh war scheinbar nicht hinreichend über die Worte der Drachin und vor allem ihrer Verlässlichkeit informiert gewesen. Doch für ein differenziertes Urteilen fehlte uns in den Bluthöhlen Zeit und Ruhe. Eines nur war mir klar: die Versammelten hatten nun eine Seite gewählt und damit auch potentielle Verbündete gegen die Bestien erhalten. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt Neutralität gewahrt und keinen Angriff gegen den Krater geführt.

Tsamaris wollte alldieweil die unbedingte Herausgabe des Leichnams von Aelthas. Er sollte dem Nexus zugeführt werden und sie verheimlichte nicht, dass er zu einer Spaltenbestie werden würde. Seltsamerweise hatte Aelthas an Bedeutung gewonnen, während wir anderen für die Spaltenbestie bedeutungslos waren. Sabia Eisglanz versuchte eine beherzte Initiative, als sie sich Aelthas näherte und der Spaltenbestie vorhielt, er sei als Paktverfluchter dem Einfluss des Kraters entzogen. Auch drohte sie Aelthas seinen Paktherren zuzuführen was freilich ein schwaches Argument war, denn Aelthas war bereits tot. Die Gefährten aus Lautwasser brachten Kollegin Sabia mit brüsker Tat vom Vorhaben ab.

10.  Weitere Beratschlagung und Handel um Aelthas

Die Gefährten um Sevilias Telar versuchten indessen rege einen Handel über Aelthas abzuschließen. Sie wollten seinen Leichnam nicht herausgeben und Tsamaris bestand darauf. Die Helden verfielen, so weit ich es nachvollziehen konnte, jedoch den Sprachspielen der klugen Bestie, die in Zukunft und Vergangenheit beliebig wechselte und letztlich nur ein Spiel trieb. Sie gab auch einen Verweis auf den Vollmond im Zusammenhang mit den Spaltenbestien oder sich selbst im Besonderen. Dieser Hinweis ist bisher ungedeutet. Ich fühlte mich an den Bericht über Lykantrophen Orlbars erinnert, die 1385 das Nachtklingenlager fast verwüsteten. Tsamaris schien Fragen nach Identität und Bestimmung mit dem Vollmond in Verbindung zu setzen.

11.  Tod der Akkiz

Das Schrecklichste geschah dann, als sich Kollegin Akkiz in die Diskussion mit Tsamaris einbrachte. Mit nur einem einzigen Satz, rief sie ihren eigenen Tod herbei, obwohl sie bisher in allem kluge Mäßigung hatte walten lassen und in dritter Reihe stand. Tsamaris wollte ihre Theorie der Allmacht des Kraters durch eine Beweisführung gegenständlich machen und tat dies als Parodie auf den Gestus der Wissenschaftlichkeit. Akkiz, die Ergebene, antwortete dies zu ihr: „Theorien“, so sagte sie, „stürzen durch ihre Axiome“. Dann fiel Akkiz nach kurzem Wink zu Boden und war tot.

Darin, so sage ich, liegt was ich ihr selbst prophezeite. Sie würde etwas in Orlbar lassen und etwas von dort mitnehmen. Doch dass es so drastisch sein würde, hätte ich niemals gewollt noch vorhergesehen. Es liegt eine tiefere Wahrheit in ihrem Tod, den man mit klugem Verstand herauslesen muss. Ich bin überzeugt, dass Akkiz nur starb, weil ihr kritisch-reflexiver, so klarer und doch erschütternder Bemerk eine Wahrheit berührte, die Tsamaris und Orlbar angriff. Die Axiome der Macht sind die Säulen auf denen Theorien Orlbars errichtet sind. Akkiz, Du hast diese Wahrheit erkannt, doch was bedeutet sie für Orlbar? Dein Tod war eine Analogie auf die Wirklichkeit. Wir müssen sie verstehen. Wir müssen Dich verstehen!

Mit Akkiz tot darnieder, waren die Argumente unfassbar klar. Wer weiter widersprechen würde, wäre vom selben Schicksal bedroht. Dann brach das Handgemenge gegen Tsamaris los.

12.  Des Gemetzels zweiter Akt: Kampf gegen Tsamaris – Analyse des Eis

Während nun also die Helden Tsamaris niederrangen, nahm ich mich der Analyse des Eis an, das sich in des Abts Besitz befand. Die Prämisse war klar: wenn überhaupt etwas von Wert zu erkennen wäre, dann hier, wo die Strahlung des Kraters, seine Urkraft und somit der Bauchnabel der jungen Brut, kraftvoll sein würde. Ich nutzte das Auge der Vorleserin, was angemessen war. Die Erkenntnis war klar: mächtige Transmutationsmagie, die eine Kreuzung zwischen Abberation und Magischer Bestie heranzüchtete. Das Wesen würde Regeneration? besitzen, diamantharte Klauen, stahlharte Haut und eine natürliche Veranlagung eines „Telepathischen Bandes?“. Allesamt Eigenschaften, die man unfraglich eben den Spaltenbestien zuschrieb. Der Nachweis der Kreaturenart bringt zudem einige weitere, interessante Erkenntnisse:

  • Die Befähigung im absoluten Dunkel zu sehen und selbige Dunkelheit auch hervorzurufen.
  • Die Notwendigkeit zu Ruhen, zu Rasten, zu Essen und zu Atmen. Beides wurde bisher so nicht beobachtet.

Zwischenzeitlich wurde Tsamaris erschlagen von den Kriegern. Allen voran waren es Nachtklinge Qava Merinova und Viktor von Greifenstein, die sich dafür verdient machten. Doch das Ergebnis war fragwürdig. Wie es Aaris Sternkind richtig bemerkte, war das Abbleben der Tsamaris eher einem Schattensimulakrum oder Ähnlichem gleich. Es ist zu vermuten, dass es ein Doppelgänger war, der uns entgegentrat und der Akkiz tötete.

13.  Des Gemetzels dritter Akt: Rückzug

Durch die fehlenden Erkenntnisse für weiteres, zielgerichtetes Vorgehen entmutigt und durch die willkürliche Todesgewalt eingeschüchtert, begannen Loyalitäten zu wanken und Entschlossenheit zu bröckeln. Die Vertreter Llorkhs? hielten sich vorbildlich an die Weisungen und warteten besonnen klare Entscheidungen ab. Andere Gefährten riefen zum Rückzug auf. Andere beharrten voranzugehen. Alles in allem war der Zusammenhalt jedoch gut.

Es begann als leises Knistern und schaben. Dann ertönte eine helle, körperlose Stimme. Sie lachte. Und es hob sich über den Abgrund der Tiefe eine Gestalt unsäglicher Gewalt. Eine Ältere Spaltenbestie, die fast eine Stunde gebraucht hatte um sich in trägem Aufstieg aus der Finsternis zu schälen. Nun brach sie über den Rand zu uns Spielbällen des Schicksals und rief einen Sturm aus Purpurfeuer auf uns herab. Die haushohe Kreatur war in Schatten gehüllt und die Augen leuchteten wie ballgroße Sturmlaternen. Unter mächtiger Bannmagie gelang es grade noch die tote Kollegin Akkiz fortzuschaffen im Inferno, dann entbrannte der hitzige Nahkampf. Mächtige Streiter fanden den Tod: Gesegnete Qava Merinova und Viktor von Greifenstein fielen danieder und es rasselten die Waffen und Rüstungen. Der nachgeeilte Arkanist Firali Ruri stürzte ebenso vor dem Monstrum in den Staub und verlor Wort und Geste. Auch riss es den unsäglichen Sevilias in den verdienten Tod. Mit ihm starb jedoch auch der Durst nach Verantwortlichkeit und wie ich gestehe: Vergeltung. Doch man soll den Toten nichts nachtragen. Ich spreche ihn frei von meinem Zorn und Vorurteil. Möge er selig ruhen, wo er im Leben ruhelos und allzu eifernd war.

In mächtige Unsichtbarkeit gehüllt und durch die furchtlose und aufopfernde Sabia Eisglanz gestützt, schafften wir Akkiz fort, vorbei am Gewimmel des Kampfes mit zahlreichen kleinen und großen Bestien.

14.  Flucht nach oben und verborgener Entsatz

Wir ließen die nun Toten zurück, um uns die Zeit zu verschaffen die wir brauchten. Doch waren die Gefährten nicht die einzigen. Auf dem Weg hinauf offenbarte sich mir der Verborgene, den ich nun langsam sehr gut kenne.

„Wir griffen an. Erkaufen euch Zeit. Wahrheit ist, dass unser Kampf bedeutungslos ist. Eurer nicht. Flieht, Vorleserin. Und lebt das Erbe fort.“

Ich hatte darauf gehofft, dass wir nicht alleine kämpfen würden. Aber, ihr Götter, ich hatte auch darauf gehofft, dass sie uns nicht erst von der Schwelle des Todes reißen würden, sondern mutiger sind; nicht nur retten, sondern unterstützen hätten sie uns sollen, als es noch für einen Erfolg lohnende Aussicht gab. - „Nutzt die Zeit. Und flieht. Die Ältere kommt zu uns... jetzt...“, waren die letzten Worte. „Das ist nicht gerecht!“, warf ich zurück. Aber ich versprach mir auch innerlich dankbar zu sein, für die befristete Stundung des Todes, und den Rat der Zurückgebliebenen zu beherzigen.

Sabia Eisglanz und ich schafften die gefallene Akkiz hinauf zum Schrein. Dort sprach ich kurze Worte des Abschieds an die versammelten Überlebenden und drückte mein Beileid aus. Wir verbrachten alsdann beide Llorkher Gefallenen in ein nahes Waldgebiet, wo die Kollegin eine schützende Hütte aus Magie errichtete und Akkiz angemessen bettete bis die Nachtklingen kamen und alles letztlich sein Ende fand.

15.  Bewertung

Es gab keine Erkenntnisse, die man nicht auch an einem Tisch in geordneter Rede zwischen Lautwasser und Llorkh hätte zu Tage fördern können. Es gab weiterhin kein Ereignis, kein Gewinn und keine Erkenntnis, der Llorkhs Verluste aufwiegt. Ich habe persönlich Sevilias Telar zehn Tage vor der Erkundung im Morgengrauen zu Lautwasser aufgesucht und ihm gesagt, dass die Unternehmung den Feinden bekannt ist. Auch habe ich ihn gefragt, ob er die Verantwortung für Blut und Leben übernehmen würde. Er wich aus. Und dennoch drängte er voran. Er war vielleicht der einzige, der solch eine gemeinsame Expedition überhaupt in Gang setzen konnte und das Streben war gerecht. Doch er hat darin gefehlt dem, was er angestoßen hatte, auch mit Autorität eine Richtung zu geben. Denn ob er es wollte oder nicht: wir alle haben auf ihn vertraut. Doch er hatte weder einen Plan, noch den Mut aufzugeben. Er führte im Eifer einfach hinab, nur um zu sehen, was geschehen würde. Als ob das Schicksal sich selbst offenbart. Für ihn tat es das auch. Und sein Tod ist gerecht. Der charismatische Eiferer und Verbinder der Menschen hat ohne Ehrlichkeit zu sich selbst und der Vernunft der Besonnenheit seine Bande gewoben. Dies ist mein Nachruf auf Sevilias Telar.

Rückblickend strafe ich mich auch selbst, denn ich hätte das Wort mit Gewalt ergreifen sollen, als ich es nicht erhielt. Doch so hätte diese ganze Unternehmung nicht funktioniert, fürchte ich. Misstrauen und Begehrlichkeiten hätten uns ganz andere Probleme aufgebürdet. So folgten wir – meine geherzten Kolleginnen und ich. Wir, die wir leben dürfen, werden daraus lernen.


Autor: Letos