Die schöne Stadt

Herrschaft und Ordnung der Magokratie in der Gegenwart

Autor:Kathaphaia
Verfasst:Llorkh, 1382 - 1384 TZ
  
Form:gebunden
Umfang:90 Seiten
Sprache:Chondath
Anspruch:mittel
Nachweis/Zugang:Arkaner Zirkel, offen



"Die schöne Stadt" ist Ergebnis einer Vortragsreihe der Arkanistin Kathaphaia am Arkanen Zirkel zu Llorkh, die in den Jahren 1382 bis 1384 TZ gehalten wurde. Das Werk beginnt mit einer Kontemplation über die Rolle Llorkhs in der Geschichte, wird in einem zweiten Teil abstrakter und behandelt die Tugendordnung einer "guten Stadt" um alsdann im Schlussteil die Magokratie als Herrschaftsform einer kritischen Gegenwartsanalyse zu unterziehen. Inwieweit das Werk eine bloße Theoriearbeit ist oder aber die Maxime des Arkanen Zirkels ganz oder zum Teil zum Ausdruck bringt, geht aus dem Werk leider nicht direkt hervor...

1.  Erste Rede: Einführung in die frühe Geschichte Llorkhs

Der kurze Vortrag, in aller Bescheidenheit dargebracht, soll der geneigten Zuhörerschaft einen Eindruck der weiten, geschichtlichen Spannweite geben, in welche die Stadt Llorkh und das Umland einzuordnen sind.

Das Gründungsdatum der Stadt ist mir unbekannt, niemand konnte es mir nennen, dennoch reicht ein Blick von den Zinnen der geliebten Stadt, um ewige Zeugen der Geschichte sich vor Augen zu führen. Das Tal des Delimbiyr, die Grauspitzen. Welch geschichtliches Erbe trägt also dieser Landstrich, der heute der Stadt Llorkh Grund und Boden ist? Umschattet von den Bergen der Graugipfel liegt die trutzige Stadt Llorkh wohlbeschirmt zwischen den Flußgeschwistern Logrann und Graufluß. Vom gierigen Hunger der Großen Wüste Anauroch durch die Berge im Osten allzeit beschirmt gewesen, überblickt die Stadt heute das Tor in das fruchtbare Tal des Delimbiyr.

Die Ländereien entlang des Delimbiyr, am östlichen Randes des Hochwaldes, waren seit der Geschichtsschreibung der Menschen das Siedlungsgebiet der begabten und geschätzen Elfen des Volkes Earlanni. Vor mehr als viertausend Jahren schon, erblühte dort die mächtige Kultur des Hohen Volkes und schenkte dem blühenden Tal Fürsorge und Schutz durch kluge, obwaltende Hand. Die Wald- und Mondelfen des Earlanni-Volkes liebten vor allen anderen Dingen die Beschaulichkeit hölzerner Wohnstätten in den Höhen der grünen Bäume und lebten in einem friedlichen Einklang.

Das mächtige Tal, welches heute die Stadt Llorkh umschirmt, war ehemals zu diesen Zeiten ein wilder Ort, der an die südöstlichsten Ausläufer des Earlanni-Reiches grenzte. Von Orks durchwimmelt, waren die Wälder und gebirgigen Anhöhen der Graugipfel eine ständige Bedrohung für das südliche Tor in das Reich der Elfen. Doch wenngleich gefährlich die Zeiten waren, einer der wichtigsten Wege über die Graugipfel führte durch eben jenes Tal am Graufluß, das heute Llorkh beherbergt. Die Earlanni umkämpften den Passweg beständig, um sich einen schnellen und geeigneten Pfad über die Graugipfel zu den östlichen Hängen zu erhalten.

Früher lag jenseits der Graugipfel nicht die endlose, Große Wüste Anauroch, sondern der Fernhornwald. Ein Wald unendlichen Ausmaßes, nur vom Hochwald übertroffen. Und noch weiter östlich des Waldes, lagen grüne und fruchtbare Ebenen, Wälder und Hügel. Eine scheinbar endlose Weite der Fruchtbarkeit, von Menschen besiedelt und in einfacher Handarbeit bestellt. Die Elfen des Earlanni-Volkes erkundeten oft und aufmerksam diese grünen Ebenen, wo heute nur noch endloser Sand zu finden ist.

Die Earlanni waren es dann auch, nach vorsichtigen und langen Überlegungen, die in späterer Zeit (NZ 0) den Menschen dieser Grünen Weite, genauer: den Menschen des Städtischen Siebenbundes im Norden, die Arkane Kunst offenbarten. Und aus dieser gütigen Gabe erwuchs und fiehl nieder das prächtige Reich Netheril. Doch davon soll zu anderer Zeit berichtet werden. Wir bleiben mit dem Blick auf das Gebiet, welches unsere blühende Stadt heute umfasst. Das prächtige Reich Netheril entstand also im Osten und der Pass am Graufluß wurde eine wichtige Verbindung zwischen dem Netherreich und dem werten Volk der Earlanni (Nether-Epoche, 326-544). Erste Posten entstanden entlang des Passes und die Orks wurden beständig aus dem Fernhornwald und den Graugipfeln verdrängt. Wo heute Llorkh sich erhebt, ebnete sich über Jahrhunderte ein Pfad zwischen den klugen Menschen des Nether-Reiches und dem götterbeschienen Volk der Earlanni. Mehrere Jahrtausende wurde dieser Pfad als Brücke in die östlichen Ländereien des großen Imperiums Netheril und zu den Elfen von Earlann genutzt.

Mit dem Fall Netherils, 3500 Jahre nach seiner Gründung, gewann das Tal des Grauflusses und die Gegend des heutigen Llorkh dann eine neue, gewandelte Bedeutung. Die Überlebenden Netherils flüchteten in alle Himmelsrichtungen vor der erbarmungslosen Wüste Anauroch und verliessen die Trümmer der gestürzten Städte. Viele fanden Obdach und Schutz bei den Earlanni-Elfen und den Zwergen von Sundabar. So siedelten auch hier, im Tale Llorkh, solche Flüchtlinge sich an und gründeten Städte wo heute Lautwasser oder die Siedlung Orlbar liegen. Und höchstwahrscheinlich auch dort, wo heute die trutzige Stadt Llorkh thront.

Höchstwahrscheinlich sagte ich, denn es ist nicht sicher zu belegen, wann und durch wen Llorkh seine Gründung fand. Auch die Sage von Ulrik „Schwarzauge“ und dem Zwerg Belgo Axthand bleibt vage. Doch ich bin überzeugt, dass sie eine Wahrheit bietet. Gewiss fanden sich Menschen und Zwerge hier gemeinsam unter der Bewillkommung durch die Earlanni zusammen, um eine Stadt des Handwerks und des Schutzes zu errichten.

Ich schätze die Gründungszeit einer ersten, befestigten Siedlung an dem Ort, an dem wir grade stehen, auf das zweite oder dritte Jahrhundert vor der Taliser Zeitrechnung, also gut 1500 Jahre in der Vergangenheit. Wann diese den Namen Llorkh erhielt, und ob es durch Ulrik und Belgo geschah, verbleibt im Dunkel des Unwissens.

Was nun seit der Gründerzeit bis heute mit und um Llorkh geschah, ist eine Geschichte der neuen Reiche und soll heute nicht weiter ausgeführt werden. Wir sehen indessen an dem jetzigen Bild der Stadt Llorkh, dass es eine kampfgezeichnete und eine wechselhafte Geschichte zwischen Wohlstand und Verarmung gewesen sein muss.

Seitdem nun die belebende und umsichtige Herrschaft des Geildar Ithym diese Stadt unter sich fasste, kann man erneut eine Wendung nach oben wohl beobachten. Es erblüht erneut die Stadt als ein Nexus zwischen Ost und West, wie sie es seit Jahrhunderten immer war und wie es der Pass über die Graugipfel schon seit Jahrtausenden davor gewesen ist. Wohlstand, Reichtum und Wissenschaft werden heute durch die ausdauernden und mutigen Karawanenführer und Reisenden herbeigebracht, und zwischen dem Erbe des Earlanni-Reiches und des großen Netheril ist der Region eine baldige, neue Blüte beschehrt, dies ist meine bescheidene Ansicht. Umso beachtlicher erscheint uns heute diese Leistung, Llorkh als ein stolzes Tor in den Osten zu behaupten, denn die erbarmungslose Anauroch entringt jenen, die auf Netherils Erbe Reisen, Schweiss und Blut. Und jene, die ihr Leben in diesen Mauern als Bürger und Soldaten fortstreiten, entringt es ebenso harte Arbeit und auch nicht weniger Blut. Doch der Lohn ist die Teilhaftigkeit an dem großen geschichtlichen Erbe der Stadt Llorkh. Eine Stadt der Bewegung, der Bedeutungsschwere und ausdauernden Standhaftigkeit, die in Zeiten des Umbruchs die Kraft hat über sich selbst zu wachsen.

Ich senke in inniger Dankbarkeit vor der geneigten Zuhörerschaft mein Haupt. Klarer Geist, entschiedener Wille und sichere Hand allzeit.

2.  Zweite Rede: Die Tugenden und Stände der guten Stadt

Der Stadtstaat, sagen manche, ist die höchste Form des Zusammenlebens und der Staat als Amtswalter und Verkörperung dieses Zusammenlebens hat ein Anrecht auf besondere, dem Menschen übergeorndete Geltung und Vernunft. Dies ist, so hört man die Rede, weil nur eine kluge und kraftvolle Regierungsgewalt den Bürger der Stadt zwingen kann dem gemeinsamen Ziel nicht entgegenzuarbeiten, sondern die Stadt als ein Ganzes für alle zum Besten zu befördern und so zu einer großen und überlegenen zu machen.

Der Stadtstaat, so sagen aber andere, ist vor allen Dingen eine Zusammenkunft der von Natur her freien Bürger, und völlig falsch wäre es, würde man dem Staat eine höhere Wahrheit zusprechen, die man nicht in den Bürgern selbst auch finden könnte. Und solche Stimmen fordern, dass der Staat seine Bestimmung nicht in sich selbst sucht, sondern vor allem im Wohl seiner Bürger, von denen her er entsteht und in denen er auch seine Bestimmung findet.

Welchen dieser widersprüchlichen Meinungen soll man zupflichten und worin liegt ihr wechselseitiger Ausschluß? Oder muss man im Gegensatz von Staat und Bürger ein erhöhtes Drittes suchen, eine Aufhebung des Gegensatzes zu einem neuen, gerechteren Begriff von Bürger und Staat? - Wir werden versuchen letzteres nachzuweisen.

Ganz richtig, so scheint es mir, redet man, wenn man den Gedankengang vom einzelnen, freien Bürger her beginnt, denn eines ist gewiss: die eigene Glückseligkeit zu verwirklichen ist unser aller Anrecht und Ziel, wie auch immer sie gestaltet ist. Und die Entfaltung des eigenen Selbst ist etwas, was ich ein tugendhaftes Leben nennen will. Denn die Entfaltung der Tugend in der eigenen Seele bedeutet die Entfaltung des eigenen Selbst. Und diese Entfaltung schuldet nichts und niemandem Rechenschaft ausser sich selbst.

Nun betrachten wir die Seelenteile des Bürgers, von dem wir sagen, dass er ein freier ist, und jedem Staat vorausgeht. Wir sehen, dass jeder Mensch in sich vier dieser Seelenteile trägt, die ihn nachhaltig bestimmen. Dies ist als erstes die Vernunft, die zusammen mit der zweiten, Tapferkeit, die Begehrlichkeiten der Seele, vor allem die niederen Gefühle, unter Kontrolle hält und ein kluges Maß bei allen Taten und Worten befiehlt. Drittens ist es die Besonnenheit, die ich als eine Einmütigkeit zwischen dem herrschenden und dem beherrschten Seelenteil, also zwischen Vernunft und Begehrlichkeit, benennen will. Denn beides ist im Menschen angelegt: vernünftige Selbstbeherrschung und begierige Leidenschaft. Die Besonnenheit findet den Ausgleich zwischen beiden ohne Schaden für die Seele zu bringen. Der vierte Seelenteil, dieser soll die Gerechtigkeit sein. Gerechtigkeit in der Seele des Menschen ist nun aber dies: die Tätigkeit der drei Tugenden - Vernunft, Tapferkeit und Besonnenheit - im harmonischen Einklang. Wer solcherart sein Leben führt, den wollen wir glückselig nennen.

Wenn also dergestalt es sich mit der Glückseligkeit verhält, dass sie ein gerechter Ausgleich und eine gerechte Verwirklichung der tugendhaften Seelenteile ist, dann kann man auch sagen: Das gerechte Tun und Handeln des Menschen ist das Tun des jeweils Seinigen, was ja auch ganz und gar einleuchtet, denn was einem an Befähigung gegeben ist und worin er seine Bestimmung findet, das soll er tun, denn es ist gut und ihm zuträglich.

Wenn wir nun den Blick auf die gute Stadt wenden wollen, in welcher sich die freien Bürger zusammenfinden zur Gemeinsamkeit, dann verhält es sich doch so: Gerechtigkeit ist, dass jeder das in seiner Natur liegende in und für die Stadt tut und sich dem widmet, wozu er begabt ist. Ungerechtigkeit will ich den schädlichen Tausch von Aufgaben und Ämter nennen; der Wechsel zwischen Ständen und Aufgaben, der nicht durch Natur und Befähigung gerechtfertigt ist. Warum ich dies sage wird gleich erkennbar werden. Ich behaupte nämlich dies: die gute Stadt ist in ihrer ständischen Ordnung ebenso beschaffen wie es die gute Seele ist, die wir grade erörterten.

Wie also jeder das Seinige tun will, als freier Bürger, so bedeutet es für die Stadt, dass er eben auch nur das Seinige tun darf. Denn jeder dient einer Stadt am besten, wenn er das tut, wofür er am geeignetsten ist. Und wie sich die Tugenden zeigen in der guten Seele, so zeigen sich auch die Stände im Stadtstaat.

Die Besonnenheit findet sich im Stand der Handwerker, Bauern und vor allem der Händler. Das „Stärkersein als man selbst“ gilt für jene am meisten und diese Besonnenheit findet sich bei ihnen als Mäßigung der Lüste und Begierden und als Einsicht in die Notwendigkeit einer klugen Herrschaft in der Stadt, der sie sich unterwerfen müssen und es auch wollen. Dies sind die bestgeartetsten und erzogenen Bürger, die im Bewusstsein ihrer Fähigkeiten sich bescheiden in ihrem Stand. Deshalb entspricht der Nähr- und Handwerksstand der Besonnenheit.

Der Tapferkeit freilich entspricht der Wehrstand, der unserer Stadt, die wir hier entwerfen, die Kraft nach aussen, gegen Feinde dieser guten Stadt, und auch die Sicherheit nach Innen verheisst. Am meisten von allen Bürgern verzichten die Soldaten auf einen Anteil an den Gütern und Annehmlichkeiten des Staates, denn das Soldatenleben ist das härteste in der Stadt. Entbehrung, Gefahr und Mut jedoch beschehren ihnen eine hohe Ehre, Ruhm und gerechtes Ansehen.

Die Vernunft oder Weisheit endlich, findet sich im herrschenden Stand. Als kluge Hüter obwaltet er und trägt Sorge, dass sich auch die Gerechtigkeit in der Stadt verwirklicht, nämlich als harmonisches Ganzes der drei Stände, die gemeinsam eine starke und blühende Stadt begründen. Und grade in der Herrschaft darf man nichts beigeben! Nur die Fähigsten dürfen herrschen. Die klügsten, weisesten, durch Alter, Erziehung und Erfahrung in Rede und Kampf ausgezeichneten.

Nun können wir dies zur eingangs gestellten Frage antworten: es gibt eine Einheit zwischen Bürger und Staat. Der Widerspruch zwischen Bürger als Person und Staat als Person hebt sich auf, indem klar wird, dass sowohl die ständische Ordnung der Stadt als auch die Ordnung der Seele des Einzelnen der Tugend folgt. Die Stadt muss dem Bürger gestatten, sich nach seinen Befähigungen und Bestimmungen zu verwirklichen, denn dann ist auch der Bürger in der Lage durch Arbeit in seinem Stand die Stadt zu befördern.

Bedingung ist indessen, dass jeder Bürger strikt sich der guten Arbeitsteilung beugt und jenes in der guten Stadt verrichtet, wofür er von Natur her geschaffen ist. Denn es ist sowohl unstatthaft, dass einer zum Wächterstand strebt, dem der Mut fehlt, oder einer zum Herrscherstand ohne Weisheit und Klugheit, oder einer in den Händlerstand, der nicht haushalten kann. Ebenso unstatthaft ist es aber auch, dass einem Begabten verwehrt wird den Stand zu wählen, für den er beschaffen ist. Die Herrschaft der Stadt hat dies zu verantworten und mit Macht und Gewalt notfalls zu erzwingen, dass keine Fähigkeiten ungenutzt bleiben, aber auch keine Unfähigen sich in einen Stand begeben, zu dem sie nicht geeignet sind.

Stadtstaat und Bürger, sage ich also, bedürfen einander und es steht keiner von beiden über dem anderen. Jedem Stand gebührt der gleiche Respekt, denn er verrichtet das Seinige für das Wohl aller und erschafft so einen mächtigen Stadtstaat, der sich selbst nach innen genügt und nach aussen mit Macht und Glanz erblüht. Ein besonnener Nährstand, eine weise und starke Herrschaft, ein tapferer Soldatenstand. So nenne ich Tugenden und Stände in einer guten und schönen Stadt.

3.  Dritte Rede: Zur Magokratie

Die Magokratie ist als Herrschaftsform eine der klassischen Staatsformen der frühen Staaten menschlichen Volkes. Als Staatsform früher Prägung ist sie auch Stadtform, weil sich der gute und wohlbemessene Staat sich in seiner Form auf die Stadt bescheidet und Mäßigkeit übt. Seinen Bürgern die Entfaltung nach je eigenem Vermögen zu beschehren und sich selbst rüstig gegen Bedrohungen zu vereinen ist das Wesen eines guten Staates. Ich sprach an anderer Stelle über die prinzipielle, wohlgefügte Ordnung der Stände in einem guten Staat und will hier nicht dorthin schweifen. Wenn ich nun den Vorrrang des Stadtstaates betone, will ich nicht damit sagen, die Menschen wären schlecht beraten sich zu Verbänden und Bündnissen höherer Ordnung zusammenzuschliessen. Doch der Kern eines guten Staates ist die Stadt. Das Element stabiler, ausgeglichener Größe und Selbstgenügsamkeit.

Was zeichnet nun eine Magokratie insbesondere aus? Die Geschichte zeigt als glänzendes Beispiel die Enklaven des Hochkönigreiches Netheril. Jene fliegenden Stäädte waren je als Stadtstaat verfasst und banden sich nach Maßgabe kluger Beratschlagung unter der Doktrin besseren Arguments und dem gemeinsamen Willen, das Leben der Bürger aller vereinten Enklaven und die Meisterschaft des Arkanen zu befördern.

Eine Magokratie hat als hervorstechendstes Merkmal die vorrangige Bedeutung der Arkanen Kunst zu eigen. Viele denken fälschlich, die tyrannische Unterdrückung des Bürgertums, Slavenhaltung und unbillige Ausbeutung Vieler durch Wenige sei Kern der Magokratie. Dies ist ein Irrgaube. Dies erscheint so, weil in heutiger Zeit die arkane Begabung oft nur als seltene Gabe Einzelner wahrgenommen wird. Die Legenden göttergleicher Arkanisten, die ganze Landstriche mit ihrem Geist beherrschten und Geschichte schrieben. Dies ist ein völlig unzureichendes Bild. Ich werde versuchen, es mit verschiedensten Farben zu vervollkommnen.

(1)Eine Magokratie zeichnet sich durch die allseitige Durchdringung des Alltags mittels Magie aus. Und ich meine hier den Alltag aller Stände und aller Größe. Auch die kleinste Begabung arkaner Kraft ist geeignet, große Erleichterung für einen Bürger zu schaffen. Ich habe zu anderer Zeit den Nutzen von Magie für Haus und Hof aufgezeigt. Es bedarf keines Meistertitels, keines jahrzehntelangen Studiums, um durch arkane Kraft das Tagwerk zu erleichtern. Die Grenze für die persönliche, arkane Entfaltung der Bürger im Staat, sollte in einer Magokratie nur durch die Begabung derselben begrenzt sein.

(2)Eine Magokratie zeichnet sich durch die Beseitigung von Angst und Vorurteil gegenüber der Arkanen Kunst aus und ersetzt sie durch Wissen und Vorsicht. Dies ist die Bedingung für das Vorgenannte. Um auch den ärmeren, einfacheren Ständen die Früchte der Magie zu ermöglichen, darf sie kein gefürchtetes Mysterium sein. Unkluger Aberglaube ist das Gift der Magokratie.

(3)Eine Magokratie zeichnet sich durch eine arkane Bildung und Beförderung mögichst vieler Bürger im Staat aus, ohne dabei die Ständeordnung zu gefährden. Denn es ist diese Bildung, die den Irrglauben über die Magokratie beseitigen kann. Wer sich dergestalt bildet und bilden lässtt, verliert nicht nur Angst und Vorurteil, sondern legt auch das Fundament für seine eigene, arkane Ausbildung.

(4)Eine Magokratie erlaubt es den brilliantesten Geistern im beratenden Stand der Stadt zu dienen. Dabei ist es jedoch nicht die schiere, praktische arkane Kraft, sondern die Weisheit, Klugheit und Tugendhaftigkeit in ihrem Einsatz, die darüber entscheidet. Es liegt aber in der Natur der Magokratie, dass sie von den klügsten Arkanen geführt wird. Dies ist so, weil der beratende Stand über den Zustand des Staates, seiner Möglichkeiten und Grenzen im Bilde sein muss und sie zu verstehen hat. Nur so kann man den Staat lenken, wenn man weiss, wie er beschaffen ist. In einem Staat der Magie ist somit das Wissen über Grenzen und Möglichkeiten der Magie voraussetzung ihn klug zu lenken, soll sie dich alle Ebenen des Staates durchdringen.

(5)Eine Magokratie erweitert die Fähigkeiten jedes Bürgers und damit des Staates selbst. Die Welt des Arkanen ist eine solch reichhaltige und nutzbringende Welt, dass man sie für die Gemeinschaft der Stadt aufschliessen muss. Dies nicht zu tun, bedeutet das Potential menschlicher Entfaltung nicht zu nutzen. Somit ist die Magokratie jene Staatsform, die in der Lage ist die Möglichkeit des Menschen im größten Umfang zu entfalten.

Ich will nun, nachdem Prämissen und Gesetze der Magokratie erläutert wurden, einige Einwände gegen sie erwidern und alsdann die konkrete Verfassung erörtern.

In der Magokratie sind jene Sklaven, die keine arkane Befähigung besitzen. – Dies ist falsch. Es ist das Sklaventum nur an einem einzigen Vermögen festgemacht, dem Vermögen klug über sich selbst zu entscheiden und seinen Verstand zu benutzen. Dies ist nicht eine Folge arkaner Begabung, vielmehr Bedingung für diese. Es ist jedoch richtig zu sagen, dass jene, die arkan begabt sind, geeignet sind dem Staat in größerem Umfang dienlich zu sein. Aber auch dies kann im Einzelfall nicht trefflich sein.

In der Magokratie steht die Suche nach Arkanem Wissen und Macht über dem Wohlergehen des Staates. - Dies ist ein unbilliges Urteil im Vorgriff. Wissen und Kraft soll dem Staat zugute kommen und auch durch die Beförderung und Entfaltung Einzelner, die in der Lage sind die großen Geheimnisse zu entschlüsseln. Dies ist kein scchlechtes. Dennoch ist die Gefahr gegeben, dass die Suche nach Wissen und Macht den Pfad allgemeiner dienstbarkeit verlässt. Es ist eine Frage der Tugendhaftigkeit, dass dies nicht geschieht. Doch der Magokratie nachzusgen, sie sei dazu vorbestimmt in dieser Weise zu entarten, ist falsch. Vorteilnahme und Eigennutz vor Gemeinnutz trifft jeden Staat gleichermaßen. Und wie auch in der Republik die Entartung eine Tyrannis sein kann, so auch in der Magokratie.

Magiebeegabte sind für die Magie geschaffen, nicht dazu alle Aufgaaben im Staat zu verrichten. - Dies ist ein Missverständnis. Es soll nicht der akademische Magier den Feldherrn, Händler oder Bauern ersetzen, sondern der Feldherr, Händler und Bauer soll ein Arkaner werden. Nicht am Klischee eines Gelehrten ist der Arkan Begabte zu messen, sondern an der Art und Weise, wie er sein Tagwerk, seine Bestimmung mit arkaner Hilfe verrichtet.

Eine Magokratie ist eine gottlose Herrschaftsform. - Dies ist lächerlich und fußt auf Unwissen. Die Präsenz der Götter ist ein Faktum, auch eine Magokratie kann sie nicht leugnen, noch sollte sie. Eine Magokratie ist jedoch dazu geeignet die Freiheit des Menschen und der Vernunft in höchstem Maße zu entfalten. Religiöses Dogma verblasst vor Bildung und Vernunft. Erbetener Beistand weicht der arkanen Tätigkeit der Arkanisten. Ist es gottlos, wenn man sich auf das besinnt, was gottgegeben ist, das Vermögen sich zu bilden und frei zu entfalten? Sicher nicht. Eine Magokratie ist nicht gottlos, sondern gottbefreit. Der Mensch erscheint in seiner eigenen Göttlichkeit, wie Ioulaum und Karsus es uns aufzeigten. In letzter Instanz ist ein Gottesstaat und eine Magokratie identisch. Diese Wahrheit allerdings wirklich zu begreifen, erfordert lange Jahre des Studiums und der Übung in Tugend und Philosophie.

Wie nun ist also die Magokratie auszugestalten? - Es gelten die Prinzipien einer schönen Stadt, die im Bürger und den Ständen eine gute Harmonie enfaltet. Kriegerstand, Handwerkerstand und beratschlagender Stand. In jedem dieser Stände muss sichergestellt sein, dass sich arkane Begabung jedes Einzelnen entfalten kann. Die Freiheit der Entfaltung ist nur durch das Gemeinwohl des Staates zu beschränken. Dem beratschlagenden Stand kommt es zu, dass die Bürger auf Ihre arkane Begabung geprüft werden und aufmerksam beobachtet werden in ihrer Kindheit. Je nachdem, welche Neigung und Begabung sie zeigen, sind sie zu lehren, zu erziehen und einem der Stände zuzuführen. Wie diese Bestimmung des geeigneten Standes anhand der Prüfung auf Tugend und Vernunft vorzunehmen ist, wird an anderer Stelle erläutert.

In jedem der drei Stände hat nun die Arkane Begabung und Wissenschaft eine gewichtige Rolle einzunehmen. Diese Rolle ist durch jeweils wenige, ganz zentrale Aspekte dominiert:

1)Im handwerklichen und handelnden Stand dient sie der Erleichterung des Tagwerks, Entfaltung der persönlichen, körperlichen und geistigen Potentiale, der Sicherung des Handels und öffentlichen Verkehrs sowie der Verständigung.

2)Im kriegerischen Stand dient sie der Vollendung der Kampffähigkeit, des Schutzes und der Sicherung öffentlicher Ordnung und der Staatsverfassung.

3)Im beratschlagenden Stand dient sie dem Erkenntnisgewinn über die Stadt und die Nachbarstaaten, der klugen Vorauschau und Entscheidungsfindung, sowie der Verteidigung der Stadt gegen fremde, arkane Ausspähungen und Angriffe.

So also, verhält es sich mit der Magokratie, über die noch vieles gesagt werden kann. An dieser Stelle sei die Ausführung jedoch beendet. Möge sie an anderer Stelle, zu anderen Zeit fortgeführt werden.




Autor: Letos