L'yorn d'l'rendan -
Die Macht aus dem Abgrund
Eine Abhandlung über die Beschwörung
dämonischer Geschöpfe im Dienste Lolth's
| Autorin: | Alyiara Arab'sek |
| Verfasst: | 1389 TZ |
| Form: | Lilafarbener Ledereinband |
| Umfang: | 48 Seiten |
| Sprache: | Abyssal |
| Anspruch: | Hoch |
| Zugänglichkeit: | Privatbesitz |
Inhalt
Vorwort
Es war schon immer so, dass die höchsten Dienerinnen Lolth's in engem Kontakt zu den abyssalen Gesandten aus dem Abgrund der Dämonennetze stehen. Sie werden kontaktiert und gerufen, als Ratgeber, Medium, Krieger, Vollstrecker oder Wächter. Für gewöhnlich gewährt die Dunkle Mutter ihren Dienerinnen die Gabe, diese heiligen Gesandten zu rufen, doch vermag auch ein Wissender, ein Arkanist, dies zu bewerkstelligen. Immer bedarf es Handel, Vereinbarung und Preis, denn so wie wir der Dunklen Mutter zwar dienen, besitzen wir doch einen Willen zur freien Entscheidung. Nicht anders ist es mit den Dämonen. Zuletzt obliegt es dem gerufenen Gesandten, festzustellen ob man würdig ist oder einen angemessenen Preis gezahlt hat, um seine Dienste und Geduld zu beanspruchen.
| Die nachfolgende Schrift befasst sich damit, eine Basis aus arkanen und theologischen Aspekten zu erschaffen. Das Ziel ist zusammenfassend eine arkane These der fünften kalkulierten Gewebetiefe, welche jedoch auf der Interpretation der heiligen Schriften Lolth's beruht. Es soll bewiesen werden, dass arkanes Wissen nicht nur über Mathematik und Gleichungen, sondern auch die Lehren Lolth's gefunden werden kann. |
Womit beginnen?
Während klerikale Rituale in Form von Litaneien oder vergleichbarem die gottgewährte Macht dazu bringen, sich zu manifestieren, muss der Arkanist diese Macht im Gewebe mit Willen und Verstand selbst formen. Das heißt, dass eine strukturierte Thesis geschaffen werden muss, welche konkret die Gewebeformung und Manifestation der Magie umfasst.
Um unter dem Gesichtspunkt der theologischen Deutung jedoch ein verwertbares Ergebnis hervorbringen zu können, sind fundamentale Kenntnisse sowohl im arkanen als auch theologischen Bereich von Nöten. Zum einen erleichtern arkane Kenntnisse die Auswahl spezifischer Kriterien bei der Entwicklung, zum anderen lassen mannigfaltige Interpretationen der Glaubensschriften eine Vielzahl von Wegfindungen zu.
So bin ich damit vertraut, Wesen aus den niederen Ebenen auf die materielle Ebene zu beschwören, ebenso sind mir die damit verbundenen Risiken bekannt. All dies erleichtert es mir, entsprechende Passagen in den mir bekannten Schriften zu finden und diese zu deuten. Die angestrebte Beschwörung vereint dabei vier wesentliche Punkte in sich, auf welche nicht verzichtet werden kann. Diese sind wie folgt:
- Spezifikation der abyssalen Entität; „Die Fäden des Schicksals“
- Suche nach der Entität; „Die ewige Finsternis“
- Der Lockruf, „Die Essenz des Zorns“
- Die temporäre Verbindung zwischen den Ebenen; „Das Blut der Zweiten“
Zu diesem Zweck erfolgte die Interpretation mehrerer älterer Texte, welche sowohl aus Menzoberranzan, als auch Eryndlyn stammen, welche ich in den letzten Jahren und teils schon vor meiner Ankunft am Handelshof sammelte. Bemerkenswert waren hier nicht die zu erwartenden Parallelen, sondern manch Unterschied, welcher dem wechselhaften Wesen der Göttin und der Konkurrenz der Erwählten untereinander zuzusprechen ist. Dies ist mitunter auch der Grund dafür, warum die Herleitung der Thesis an die Punkte angelehnt wurde, welche den meisten Ilythiiri vertraut sind.
Der Kern der Interpretation
Die Fäden des Schicksals
Eines jeden Ilythiiri's Schicksal ist gebunden an das Netz der Dunklen Mutter. Nur der großen Weberin obliegt es, die Fäden zu zerreißen, neue zu weben, zu offenbaren oder zu verbergen. Die Myrlochar, die Seelenspinnen welche durch die Dämonennetze ziehen, gehören zu den heiligen Dienern und Gesandten der Dunklen Mutter und wurden geschaffen nach dem Abbild der heiligen Kinder. Als Überbringer ihres Willens ist ihnen mit Ehrfurcht und Respekt zu begegnen.
Ein feingesponnenes Netz aus Spinnenseide soll als Fokus dienen, als Sinnbild für die Dämonennetze und das Wesen der Seelenspinnen.
Die ewige Finsternis
Die Finsternis, auch Dunkelheit, steht nicht nur für die Schwärze, sondern auch für die Dinge, welche sich unserem Verständnis entziehen. In ihr spiegelt sich der Makel unserer Sterblichkeit wieder, welcher uns daran hindert die Dunkelheit vollkommen verstehen zu lernen. Sie ist Schutz, Ungewissheit, Gefahr und Bestimmung gleichermaßen. Sie verkörpert die Weisheit der Göttin und so wir den Dienern Lolth's welche in der Finsternis lauern begegnen wollen, müssen wir dem Wort der Göttin Folge leisten. Nur das Wissen um die Finsternis offenbart, was uns erwartet. Nur so können wir den Diener finden, nach welchem wir suchen.
Ein Obsidian sowie ein blauer Quarz sollen als Fokus dienen, als Sinnbild für Finsternis und die in ihr liegende Erkenntnis.
Die Essenz des Zorns
Es gibt nichts, was Gläubige und Ungläubige mehr zu fürchten haben als die Launen und den Zorn der Dunklen Mutter selbst. Zahllos sind die Qualen, welche jene erwartet die gegen sie sind oder sie verraten haben. So verkörpern auch die heiligen Diener den Zorn Lolth's. Launisch, chaotisch, zornig ist ihr Wesen, welches es zu besänftigen gilt.
Eine lebendige Opfergabe soll als Fokus dienen, als Sinnbild dafür das die Dunkle Mutter all jene vernichtet und verschlingt die ihr zuwider sind und ihren Zorn auf sich ziehen.
Das Blut der Zweiten
Die Ilythiiri sind nicht vollkommen, doch sind sie auserkoren der Dunklen Mutter zu dienen. Nach den heiligen Kindern sind sie die Zweiten. Unweigerlich streben sie danach, den Willen Lolth's zu befolgen, nach ihrem Vorbild geprägt zu werden, ohne jedoch jemals diese Perfektion zu erlangen. Dennoch gewährt sie ihnen Macht, was das Netz welches die Ilythiiri umspannt fortwährend weiter webt, ohne jemals nachzulassen. Dafür erwartet die Dunkle Mutter bedingungslose Folgsamkeit.
Das Blut einer Erwählten, unter Schmerz gegeben, soll als Fokus dienen um zu beweisen das sie würdig ist, die direkten Diener Lolth's zu rufen.
| Direkt an diesen Abschnitt knüpfen arkane Theorien an, welche trotz ihres notwendigen mathematischen Inhaltes durch die Anlehnung an die verwendeten Philosophiens einen spirituellen Charakter erhalten. So wird auch erwogen, dass mächtigere Gesandte gerufen werden könnten, dies jedoch eine andere Betrachtungsweise der Schriften und Lehren der Dunklen Mutter voraussetzen würde. |
Zusammenfassung
Mit diesen vier Grundpfeilern lässt sich die angestrebte Thesis hinreichend erarbeiten. Sie liefern Rückschlüsse darüber, welche theoretischen Elemente auf der Ebene der Arkanwissenschaft zu verarbeiten sind und auf welche materiellen Komponenten zurückgegriffen werden muss. Zu beachten ist, dass nach wie vor die Regeln der Beschwörung gelten. Eine solche Thesis ersetzt nicht den Schutzkreis und etwaig andere Maßnahmen, welche der Sicherheit des Wirkers dienen. Die Thesis befasst sich einzig und allein damit, dass gewünschte Wesen in die Sphäre der materiellen Ebene zu beschwören.
| Abschließend finden sich auf den Folgeseiten die eigentliche Thesis, sowie Anweisungen für die Konstruktion des Beschwörungskreises. Dies beinhaltet die Ausrichtung der Zeichen im abyssalen Dialekt, sowie die Anordnung der Ritualkomponenten, einschließlich der Opfergabe. Auffällig ist, dass dem Beschwörer die Möglichkeit eröffnet wird, bestimmte Teilkomponenten der Beschwörung durch klerikale Magie zu ersetzen, ohne den Ablauf der Beschwörung qualitativ zu mindern, was auf der modularen Struktur der niedergeschriebenen Thesis beruht. Ein weiteres Merkmal ist die Abfolge von Sprache und Gesten, welche an einen streng formalisierten, religiösen Ritus erinnern. |
-A.A.