Metamagie
Hintergrund, Ausprägungen, Möglichkeiten
| Autor: | Helias Himmelfinder |
| Verfasst: | 1386 TZ |
| Form: | Aufsatz |
| Sprache: | Chondath |
| Anspruch: | mittel |
| Zugang: | offen (Abtei der Leuchtenden Hand) |
Vorwort
Nach der Betrachtung der Frage, welche moralischen Aspekte die Erforschung und das Wirken arkaner Kräfte mit sich bringt, will ich mich im zweiten Teile des Sammelbandes den praktischen Elementen der Nutzung des Gewebes im Alltag widmen. Die Modifikation und Kanalisierung des Gewebeflusses als komplexes Feld kann nur Stück für Stück betrachtet werden und so soll an dieser Stelle nicht der Anspruch einer vollumfänglichen Darstellung erhoben werden, als vielmehr eine Einführung, wie sie im Rahmen eines Handbuches angemessen erscheint.
Inhaltsverzeichnis (ausblenden)
- 1. Einleitung
- 2. Was ist Metamagie?
- 3. Gewebe als Grundbedingung
- 4. Vom Orte des Wirkens
- 5. Von Wille und Macht
- 6. Vom Zauber an sich
- 7. Ansatz der Metamagie
- 8. Das gestenlose Zaubern
- 9. Das schnelle Zaubern
- 10. Das lautlose Zaubern
- 11. Das Ausdehnen von Zaubern/Andauernde Zauber
- 12. Das Maximieren von Zaubereffekten
- 13. Das Verstärken von Zaubern
- 14. Vergleich: maximierte versus verstärkte Zauber
- 15. Empfohlene Kombinationen
- 16. Spontanwirker und metamagische Talente
- 17. Kombination metamagischer Talente
- 18. Fazit
1. Einleitung
Metamagie und ihre einzelnen Ausprägungen werden von den meisten Arkanisten und Wirkern göttlicher Magie oftmals als Werkzeuge betrachtet, mit der einzelne Zauber in ihrer Wirkungsweise optimiert werden können. Wenngleich hierin auch der primäre Wert metamagischer Fähigkeiten liegen mag, so wird die bloße Beschränkung auf ein Werkzeug ihr bei weitem nicht gerecht und ist überdies sogar gefährlich, wenn es zu eine unerfreulichen Begegnung mit einem Magiewirker kommt, der weitreichende Kenntnisse der Metamagie hat. Im folgenden soll eine grobe Übersicht über einige häufig genutzte Ausprägungen der Metamagie gegeben werden, bevor sich der Frage gewidmet werden soll, was Metamagie leisten kann.
2. Was ist Metamagie?
Im Grunde genommen, fällt die Antwort auf diese Frage erstaunlich einfach aus, was durchaus daran liegen kann, dass die bisherige Forschung einige tiefgreifende Kernfragen der Beschaffenheit des Gewebes nicht zu beantworten vermochte. Ohne uns über diesen Umstand hinwegsetzen zu wollen, soll es an dieser Stelle dennoch bei einer groben Erklärung belassen werden, die nur am Einzelelement, das von metamagischen Fähigkeiten beeinflusst wird, ansetzen kann: dem Zauber. Erst am Ende der Abhandlung soll der Versuch einer Definition unternommen werden.
Einen Zauber nach seinen einzelnen Apsekten aufzuschlüsseln, ist eine reichlich komplexe Angelegenheit, die sich verschiedentlich kategorisieren lässt. Es mag überflüssig erscheinen, eine Kategorisierung vorzunehmen, jedoch ist sie unumgänglich, wenn der Ansatzpunkt der Metamagie verstanden werden soll. Im Wissen darüber, dass eine Kategorisierung niemals trennscharf sein kann - in sich und im Hinblick auf andere Einteilungen -, soll hier auf eine struktureller Art zurückgegriffen werden, die gleichsam die zeitliche Abfolge des Wirkens eines Zaubers als Leitlinie sieht, die in erster Linie der Übersicht dienen soll.
3. Gewebe als Grundbedingung
Als unumstößliche Bedingung für das Wirken eines jeden Zaubers sei das Gewebe genannt. Der natürliche Fluss, auch "Fluxus" genannt, des Gewebes wird durch den Magiewirkenden im Moment des Zauberns verändert, indem er in ihn eingreift und ihn kanalisiert. Jener Prozess ist von einer Vielzahl an Faktoren abhängig.
4. Vom Orte des Wirkens
Der Ort, an dem ein Zauber gewirkt wird, ist hierbei von hoher Bedeutung. Als ein kohärenter Faktor beeinflusst er maßgeblich sowohl die Möglichkeit, einen Zauber überhaupt zu sprechen, als auch das Gelingen eines Zaubers. An Orten der toten oder wilden Magie wird ein Zauber entweder wirkungslos verbleiben oder der Gewebefluss kann nicht entsprechend dem Willen (siehe unten) des Zaubernden kanalisiert werden, sondern er wird zu einem bloßen Instrument des Chaos mit teils verhehrenden Folgen. Das Bewusstsein und nach Möglichkeit auch das Wissen über die Umgebung, in der ein Zauber gewirkt werden soll, sind unabdinglich und als von sich aus externer Faktor in seiner kohärenten Wirkung im Momente des Magiewirkens essentiell. An diesem Faktor kann auf metamagischem Wege nichts geändert werden oder kurz: ein Zauber benötigt das Gewebe und einen Ort, an dem es auf natürliche Weise im Flusse ist. Ist dies nicht der Fall, muss dies nicht gleich bedeuten, dass ein Zauber fehlschlägt. So gibt es durchaus auch Orte, an denen das Gewebe besonders stark zu sein scheint.
5. Von Wille und Macht
Der Magiewirkende ist das Medium, das einen Zauber wirkt. Ganz unabhängig davon, welchem Volk der Magiewirkende angehört, sind es seine individuellen Fähigkeiten, die maßgeblich entscheiden, ob er einen Zauber beherrscht. Als solche können sie hier nicht im einzelnen erörtert werden. Wir ihnen jedoch eine allgemeine Betrachtung zuteil, so stechen zwei Aspekte hervor, unter denen sich alle anderen Fähigkeiten zusammenfassen lassen: der Wille und die Macht. Es bedarf eines Willens, den Fluss des Gewebes zum Zwecke eines Zaubers anzuwenden. Da der Wille eines Zaubernden grundsätzlich beeinflussbar ist, soll nicht vom "freien" Willen gesprochen werden, sondern dem situativ bedingten. Ohne eine Form des Wollens kann kein Zauber gewirkt werden. Die "Macht" des Zauberwirkenden entscheidet, ob er das Gewebe für eine spezifische Kanalisierung des Flusses in Form eines Zaubers nutzen kann. Das impliziert die Frage, ob der Wirkende einen Zauber beherrscht und wie gut er jenen beherrscht. Auch die Aspekte von einem vorhandenenen Wille und der Macht des Magiewirkers (zu unterschieden von der Macht eines Zaubers) sind nicht durch Metamagie beeinflussbar.
6. Vom Zauber an sich
Es stellt sich dabei nicht die Frage, welcher Natur dieser Zauber ist, wenn es um eine allgemeine Betrachtung geht. Die Metamagie vermag es, Zauber aller Schulen zu beeinflussen und ist damit gleichsam für jeden Magiewirkenden interessant. Letztlich sind es die einzelnen Aspekte eines Zaubers, die von der metamagischen Fähigkeit beeinflusst werden. Ein jeder Zauber weist eine ihm eigene Struktur auf, die einen Kern und diverse von sich aus variable oder dehnbare Eigenschaften hat. Jene Struktur wird gemeinhin als "Matrizze" bezeichnet. Die Zaubermatrizze stellt die "Gussform" dar, in welche der Magiewirkende der Fluss des Gewebes einspeist und damit kanalisiert. Jene Gussform jedoch ist veränderlich, wenngleich der Kern des jeweiligen Zaubers erhalten bleibt. Das heißt, dass die individuelle Wirkung eines Zaubers erhalten bleibt, während Einzelaspekte durch Metamagie veränderlich ist. Einzelaspekte sind gleichsam jene Bedingungen eines Zaubers, die wir als natürlich erachten. Hierzu zählen die verschiedenen Eigenschaften eines Zauber. Es seien genannt: die Dauer der Wirkung, die Stärke des Effekts, der Zeitaufwand, der zum Zaubern nötig ist, die Worte, die gesprochen werden müssen (ob Formel oder Gebet), die Gesten die benötigt werden und - in nicht wenigen Fällen - die notwendigen Komponenten. Dies sind die inhärenten Faktoren, die der Matrizze eines Zaubers innewohnen.
7. Ansatz der Metamagie
Metamagie setzt bei jenen inhärenten Faktoren an, indem sie sie beispielsweise überflüssig macht. Jedoch bedeutet dies, dass die Formung des Gewebeflusses, die Kanalisierung an sich, umso mehr Macht des Zauberwirker bedarf. Darauf wurde bereits hingewiesen. Es braucht also - neben der Fähigkeit der Nutzung von Metamagie - gleichsam ein Mehr an Wille und Macht. Je stärker die Veränderung an der Zaubermatrizze, desto mehr Energie und Fertigkeit muss der Wirkende aufbringen. Dieses "Mehr" bedeutet schlicht, dass die Erfordernisse für das Weben eines metamagisch beeinflussten Zaubers jenen gleichkommen, die für einen Zauber höherer Ordnung nötig sind. Dieser Umstand ist unabwendbar, wenngleich er auch beeinflussbar ist. Dies jedoch bedarf tiefgreifendem Verständnis über die Variablen, die Teil einer Zaubermatrizze sind. Immer braucht es das Verständnis über jene inhärenten Faktoren, die sich bei vielen Zaubern ähneln. Dies ist ein immanenter Vorteil der Metamagie, erlaubt sie dem Wirker doch, nicht jeden Zauber individuell betrachten zu müssen, sondern zu erkennen, dass seine strukturellen Elemente dem anderer Zauber entsprechen.
Die Erforschung metamagischer Kenntnisse bedarf immer der genauen Beobachtung und dem Bewusstsein über den Gewebefluss und die Gewebeformung. Sie allein aus der Theorie und dem Studium herzuleiten, ist nicht möglich. Metamagie an sich bedarf in erster Instanz des Gefühls. Die Arten der Metamagie dann zumeist des Studiums. Im folgenden sollen einige metamagische Talente dargestellt und eine Bewertung derselben vorgenommen werden. Bedacht werden sollte dabei, dass es eine ganz individuelle Entscheidung ist, welche Talente sich der Magiewirker aneignet beziehungsweise wo er seinen Schwerpunkt legt.
8. Das gestenlose Zaubern
Filigrane Gesten sind ein essentieller Bestandteil von Zaubermatrizzen und als inhärenter Faktor derselben eine Notwendigkeit, um den Gewebefluss entsprechend zu formen. Nichtsdestotrotz erlaubt es die Metamagie, diesen Faktor überflüssig zu machen. Die Vorteile des gestenlosen Zauberns treten vor allem dann zutage, wenn die Bewegungsfreiheit des Magieanwenders eingeschränkt ist, beispielsweise durch eine Rüstung oder unhandliche Bewaffnung. Eine Anwender, der dieses Talent beherrscht, vermag es, auch in schweren Rüstungen einen Zauber zu sprechen, ohne dass die Chance auf einen Fehlschlag des Zaubers erhöht wird. Ein existenzielles Beispiel für die Notwendigkeit des gestenlosen Zaubers sind die legendären elfischen Klingensänger, die gleichsam mit dem Schwerte als auch der Magie vertraut sind und sie im Kampfe symbiotisch zum Einsatz bringen.
Für Gelehrte, die sich in erster Linie der Forschung widmen und weder auf Rüstungen noch schwere Waffen zurückgreifen, erscheint das gestenlose Zaubern jedoch weniger attraktiv, da der Aufwand, sich jenes Talent anzueignen mit dem daraus entstehenden Gewinn für die Praxis nicht übereinkomt.
9. Das schnelle Zaubern
Eine jede Zaubermatrizze beinhaltet den Faktor der Dauer des Wirkens eines Zaubers. Auch er ist auf metamagische Weise veränderlich, indem der Ablauf des Zaubers verkürzt wird. Die Beherrschung des Talents macht weder den Gebrauch von Worten, noch Gesten oder eventuell Komponenten überflüssig, noch hat er Einfluss auf den eigentlichen, unmittelbaren Effekt des Zaubers und dessen Wirkungsdauer.
In der Anwendung erweist sich ein auf metamagischem Wege schneller gewirkter Zauber gerade in Kampfsituationen als äußerst nützlich, erlaubt er es dem Magiewirkenden doch, einen Schutz- oder Angriffszauber zu wirken, bevor er durch den Einfluss eines Gegners nicht mehr dazu in der Lage wäre. Es erscheint nur logisch, dass die Verkürzung der Zauberdauer auch eine Unterbrechung des Webens unwahrscheinlicher macht.
Abseits des Kampfgetümmels jedoch erscheint das schnelle Zaubern im ersten Moment obsolet. Jedoch muss bedacht werden, dass nicht wenige Zauber beispielsweise im Rahmen von Beschwörungen oder zeremonieller Art eines sehr hohen Zeitaufwands bedürfen, der durch die Beherrschung des hier genannten metamagischen Talents immens reduziert werden kann. Zweifellos hat dies einen hohen praktischen Nutzen, wenn es zur Anwendung eines solchen Zaubers kommt. Allerdings muss sich der Wirkende hier selbst die Frage stellen, wie oft dies der Fall ist und dann entscheiden, ob sich hierfür die Aneignung des Talents des schnellen Zauberns tatsächlich lohnt, zumal ein schnell gewirkter Zauber der zweiten Ordnung beispielsweise soviel Macht und Fertigkeit erfordert wie das Weben eines Zaubers der fünften Ordnung. Zwar kann das Talent perfektioniert werden, doch bedeutet dies einen hohen Aufwand, der nicht immer lohnenswert erscheint.
10. Das lautlose Zaubern
Eine Zauberformel und ein Gebet bedarf immer des Wortes. Dies jedoch bedeutet nicht, dass die Worte zwangsweise gesprochen werden müssen. Durch entsprechende Kenntnisse der Zaubermatrizzen ist es dem Magiewirkenden durchaus möglich die Worte allein im Geiste zu sprechen und einen Zauber damit tonlos zu wirken.
Die Anwendungsbereiche hierfür sind allerdings sehr spezifisch, da das lautlose Zaubern keinesfalls die Konzentration, die für das Wirken eines Zaubers aufgebracht werden muss, überflüssig. Lautloses Zaubern erweist sich immer dann als nützlich, wenn der Anwender in einer bestimmten Situation nicht sprechen darf, weil er vielleicht keine Aufmerksamkeit erregen sollte, oder kann, da er von einem Effekt betroffen ist, der ihm das Sprechen verwehrt, beispielsweise durch den Zauber "Stille".
Allerdings sind die Gegebenheiten, in denen lautloses Zaubern notwendig würde, überaus selten und dürften zumeist unerwartet auftreten, was gerade den Magier überlegen lassen dürfte, ob es lohnenswert ist, einen lautlosen Zauber vorzubereiten und dafür auf einen anderen zu verzichten.
Lautloses Zaubern kann in einigen Situationen gewiss Leben retten. Fraglich indes bleibt, ob die Gefahr, in eine solche Situation zu geraten, dem Anwender hoch genug erscheint, um sich intensiv mit der Ergründung und Aneignung jenes metamagischen Talentes auseinanderzusetzen.
11. Das Ausdehnen von Zaubern/Andauernde Zauber
Hierunter verstehen wir die Verlängerung des Wirkungsdauer eines Zaubereffekts. Eine Vielzahl von Zaubern rufen keinen augenblicklichen Effekt hervor, sondern erzielen einen Effekt, der eine Zeit lang anhält. Die Wirkungsdauer ist dabei zumeist von der Macht des Anwenders abhängig. Durch die Kenntnisse über das metamagische Talent, das einem erlaubt, die Wirkungsdauer eines Zaubers auszudehnen, verdoppelt sich die jene. In erster Linie scheint dies für Schutzzauber attraktiv, aber auch einige Angriffszauber profitieren hiervon. Eine enorme Bedeutung indes kann dem Ausdehnen der Wirkungsdauer von Zaubern indes bei der Beschwörung von Wesen zugemessen werden. Nichtsdestotrotz bleibt die Aneignung dieses Talents für jeden Magieanwender gleichsam empfehlenswert.
Anders verhält es sich indes mit der Effektivität andauernder Zauber. Dieses Talent erlaubt es, die Wirkungsdauer eines Zaubers einen ganzen Tag lang anhalten zu lassen, unabhängig von der eigentlichen Wirkungsdauer, die Teil der Zaubermatrizze ist. In der praktischen Anwendung erweist sich dies jedoch in den allerseltensten Fällen als nützlich, bedarf es doch der Fähigkeit Zauber sechster Ordnung zu wirken, um selbst einen Zaubertrick andauernd zu gestalten.
Andauernde Zauber werden nur interessant, wenn damit Zauber vorbereitet werden, die auch bei sehr mächtigen Magieanwendern nur eine kurze Wirkungsdauer erzielen. Im Rahmen der vorliegenden Abhandlung, die in erster Linie als Einführung zu verstehen ist, sei das Talent des Sprechens andauernder Zauber jedoch nur erwähnt. Sehr selten sind so gewirkte Zauber von Nutzen und - wenn überhaupt - nur für die mächtigsten Anwender. In nicht wenigen Fällen erweisen sich ausgedehnte Zauber sogar als länger anhaltend als andauernde Zauber, doch hängt auch dies von der jeweiligen Zaubermatrizze ab.
12. Das Maximieren von Zaubereffekten
Die Effekte, die manche Zauber erzielen, sind variabel in der Stärke, mit der sie ihre Wirkung entfalten. Die Variabilität als Teil der Zaubermatrizze kann dazu führen, dass ein eigentlich recht mächtiger Zauber nur eine sehr geringe Wirkung erzielt. Welchen Faktoren dieser Umstand unterliegt kann nicht abschließend geklärt werden. Abseits von eventuellen Resistenzen eines Ziels bei einem Angriffszauber, scheint es letztlich der Zufall zu sein, der auf zahlreiche zu erzielende Effekte einwirkt. Dem kann entgegengewirkt werden, indem die Zaubermatrizze durch den Einsatz von Metamagie so geformt wird, dass der tatsächliche Effekt eines Zaubers immer einhundert Prozent des gewünschten Effekts erreicht. Der Zauber wird maximiert. Betroffen davon sind all jene Zauber, die in ihrer Matrizze eine solche Variabilität aufweisen. Dies kann die maximale Wirkungsdauer eines Zaubers genauso betreffen, wie die Heilwirkung, die ein entsprechender Zauber erzielt oder die Stärke beschworener Kreaturen.
Da eine sehr große Anzahl an Zaubern davon profitiert, maximiert zu werden, erscheint die Aneignung des Talents von großem Nutzen. Allerdings nötigt es dem Magiewirkenden hohe Macht ab, einen maximierten Zauber zu sprechen. Ein maximierter Zauber erster Ordnung entspricht einem "normal" gewirkten vierter Ordnung. Die Grenze des Effekts ist immer adäquat zu dem, was ein Anwender mit seinen individuellen Fähigkeiten höchstens erzielen kann. Nur jene, die sich voll und ganz der Anwendung von Magie verschreiben, profitieren auf Dauer von diesem metamagischen Talent.
13. Das Verstärken von Zaubern
Oft als eine Art schwächere Form des Maximierens von Zaubern abgetan, wird die Möglichkeit des Verstärkens von Zaubern häufig unterschätzt. Tatsächlich ist der Ansatzpunkt für die Erforschung der metamagischen Arten des Maximierens und Verstärkens derselbe, doch stellt die Intention eine andere dar. Verstärkte Zauber zielen nicht auf die Beeinflussung der Variabilität eines Zaubers ab, so dass ein genau vorhersehbarer Effekt entsteht, der einhundert Prozent des gewünschten Ergebnisses erzielt, sondern sie lassen - metaphorisch ausgedrückt - dem Zufall ihren Lauf und beeinflussen das aus der Variabilität resultierende Ergebnis, indem es verstärkt wird.
Bedeutungsvoll ist hierbei, dass der Effekt eines Zaubers nicht ausschließlich von der Macht des Zaubernden abhängt, sondern der Zauber aus der Verstärkung selbst schöpft. Damit kann der Magiewirkende einen Effekt erzielen, der seine Fähigkeiten an sich normalerweise übersteigen würde. Allerdings ist der Effekt selbst auch nicht vollkommen absehbar.
Das Verstärken von Zaubern stellt insbesondere für Kampfmagie (ein gutes Beispiel ist der "Feuerball") eine mehr als attraktive Steigerungsform dar, die durchaus empfehlenswert ist.
14. Vergleich: maximierte versus verstärkte Zauber
Vorweg sei hierzu gesagt, dass ein abschließendes Urteil nur schwer zu fällen ist. Es zeigt sich, dass mehr Zauber maximiert als verstärkt werden können. Bei Zaubern, die den Einsatz beider Talente zulassen, hilft in den meisten Fällen nur das Experiment, um herauszufinden, welches der beiden Talente angewandt auf welchen Zauber den größmöglichen Effekt erzielt. So sind auch die durchschnittlichen Ergebnisse, die betrachtet werden können, von Zauber zu Zauber unterschiedlich. Indes hat sich in einer Vielzahl von Experimenten erwiesen, dass verstärkte Zauber es vermögen, magische Resistenzen eher zu durchbrechen, als es maximierte ermöglichen. Der größte Vorteil verstärkter Zauber indes ist, dass sie nur wie jene gesprochen werden müssen, die zwei Ordnungen höher angesiedelt sind, während ein maximierter Zauber drei Ordnungen höher angesiedelt ist. Ist der Zufall dem Magieanwender gewogen, vermag der verstärkte Zauber ein Ergebnis zu erzielen, das weitaus besser als das eines maximierten Zaubers sein kann.
15. Empfohlene Kombinationen
Es ist nicht möglich, sich alle metamagischen Fähigkeiten anzueignen. Die hier dargestellten bilden nur einen kleinen Teil der bekannten Talente und gewiss gibt es noch weitere, unerforschte Faktoren einer Zaubermatrizze, die interessante Ansatzpunkte für Forschung im Bereich der Metamagie liefern. Deswegen seien hier bloß einige Beispiele genannt, welche für diese individuellen Fälle effiziente Möglichkeiten darstellen.
Ein Magier, der es vozieht, den Gegner eher mit dem Schwerte zu bekämpfen als mit Feuerbällen und dergleichen, profitiert von der Fähigkeit, gestenlose Zauber zu wirken, da er dadurch nicht von seiner schweren Ausrüstung behindert wird. Insbesondere, wenn besagter Magier Zauber der sechsten Ordnung beherrscht, könnte er zudem in Betracht ziehen, sich das Talent des Maximierens von Zaubereffekten anzueignen. Dies ermöglicht ihm, länger anhaltende Schutzzauber auf sich zu wirken. Zudem hält er sich die Option offen, an Stellen, wo er mit dem Schwerte nicht weiterkommt, einen mächtigen Angriffszauber in Form einer maximierten Blitzkugel oder dergleichen auf den Feind zu werfen.
Ein Kleriker, der sich darauf versiert, mächtige Schutzzauber über eine Gruppe von Personen oder ein Gebiet zu sprechen, ist gut bedient damit, sich die Fähigkeit, Zauber auszudehnen, anzueignen. Beschäftigt er sich viel mit magischen Ritualen und Beschwörungen, so ist auch die Möglichkeit des schnellen Zauberns eine Überlegung wert.
Ein Zauberer, der befähigt ist, Zauber der fünften Ordnung zu sprechen und sich auf Beschwörungen spezialisiert hat, profitiert von verstärkten Zaubern und dem Ausdehnen von Zaubern am besten, erlaubt es ihm gleichsam Kreaturen über einen längeren Zeitraum auf dieser Ebene zu halten, als auch starke Schutzzauber über sie und sich selbst zu legen, aber auch Feuerbälle und dergleichen zu verstärken und Gegnern damit beizukommen.
Heiler erringen große Vorteile durch das Maximieren der Heilzaubereffekte, aber auch durch das schnelle Zaubern, das in brenzligen Situationen Leben retten kann.
16. Spontanwirker und metamagische Talente
Ohne die Bedeutung der Metamagie für alle Magieanwender zu schmälern, kann festgehalten werden, dass es Gruppen gibt, die auf besondere Weise von metamagischen Fähigkeiten profitieren. Als arkane Magierwirker sei hier der Zauberer oder "Hexenmeister" genannt. Göttliche Magiewirker wären besipielsweise jene, die von einem Gott begünstigt sind, oder Schamanen. Ihre Art, sich Zauber anzueignen, birgt den Nachteil, dass die Anzahl an möglichen zu wirkenden Zaubern recht beschränkt ist. Zwar wird dieser Umstand durch die Nutzung metamagischer Talente nicht negiert, jedoch eröffnet sich dem Spontanwirker dadurch eine sehr breite Auswahl an Zaubern im Rahmen einer Ordnung. Durch ein hinreichendes Studium der Metamagie und Kenntnisse über Zauber(matrizzen) kann ein Spontanwirker seine Fähigkeiten gezielter und effizienter erweitern. Er muss sich - einmal ein metamagisches Talent angeeignet - nicht darum sorgen, welchen metamagisch modfizierten Zauber er memoriert. Somit kann ein Spontanwirker beispielweise alle Zauber der zweiten Ordnung, die maximiert werden können, auf fünfter Ordnung in ihrer maximierten Variante sprechen. Der "gelehrte Hexenmeister" weiß es, mittels Metamagie sein begrenztes Repertoire an Zaubersprüchen voll auszureizen.
17. Kombination metamagischer Talente
Dem geneigten Leser mag sich die Frage aufdrängen, ob es nicht möglich sei, metamagische Talente miteinander zu kombinieren. Also zum Beispiel einen Zauber sowohl gestenlos zu sprechen als ihn auch auszudehnen. Wenngleich es in der Theorie durchaus möglich scheint, lässt sich aus der Praxis von keinen erfolgreichen Versuchen berichten. Demzufolge kann an dieser Stelle keine abschließende Auskunft darüber gegeben werden. Nichtsdestotrotz wird von einigen Gelehrten die Meinung vertreten, dass sich ein Zauber allein durch Gedankienkraft wirken lässt, wenn die Matrizze hinreichend verändert wird. Ein durch "Gedankenkraft" gewirkter Zauber benötigt die inhärenten Faktoren nicht, das heißt: er verzichtet auf Gesten, Worte und Komponenten und seine Wirkung tritt augenblicklich in Kraft. Gerade letzteres wäre womöglich durch eine extreme Ausweitung des Talents des schnellen Zauberns möglich. Doch bleiben all diese Optionen lediglich Spekulationen, wobei es dennoch genannt sein soll, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die Erforschung des Gewebes, seines Flusses und der Metamagie bereit hält.
18. Fazit
Die Möglichkeiten, die sich durch hinreichende Kenntnisse der Metamagie eröffnen, werden unterschätzt. Dies mag mangelnder Vermittlung durch Lehrmeister geschuldet sein oder der Überschätzung der bestehenden Nachteile. Und tatsächlich lassen sich die vermeintlichen Nachteile nicht leugnen. Einen Zauber metamagisch zu modifizieren, erfordert immer einen Ausgleich, der an anderer Stelle einen Nachteil mit sich bringt. Sei es die Zeit, die die Aneignung eines metamagischen Talents selbst bedarf oder die Tatsache, dass man als Magier oder Priester immer zu einer Wahl genötigt ist, ob ein metamagisch modifizierter Zauber memoriert oder erbeten werden soll oder ein nicht modfizierter, der vielleicht einen ganz anderen Effekt mit sich bringen würde. Spontanwirker indes haben diesen Nachteil nicht. Ein jeder Magiewirkende indes steht vor der Frage, ob es sich lohnt, das Studium der Metamagie mit allgemeinen oder konkreten Zielen aufzunehmen. Entscheidet sich der Magiewirkende dafür, so sollte er sich zuerst mit sich selbst auseinandersetzen und dem, was er sich für sich selbst vorstellte. Will er ein Meister der Elemente werden oder ein mächtiger Heiler? Findet der Magiewirkende seinen individuellen Weg, so ist die Metamagie nicht nur ein simples Werkzeug zur Ergänzung seiner Fähigkeiten, sondern die beste Möglichkeit, sein bestehendes Können zu erweitern, auszureizen und zu perfektionieren.
Ende
| Anmerkung: | Die Kombination metamagischer Talente ist laut Regelwerk möglich, wurde aber in Neverwinter Nights 2 nicht umgesetzt. |
| Quellen: | Kampagnenset Vergessene Reiche, Magic of Faerûn |
| Autor: | dying despot |