Fallstudie: Das Ende Nesserils
| Autor: | Helias Himmelfinder |
| Verfasst: | 1386 TZ |
| Form: | Aufsatz |
| Sprache: | Chondath |
| Anspruch: | mittel |
| Nachweis/Zugang: | Abtei der Leuchtenden Hand, offen Arkaner Zirkel, offen |
Vorwort
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe von Betrachtungen, deren Ziel es ist, zu ergründen, auf welchem Wege sich das Gewebe nutzen lässt, um Zauber jenseits des herkömmlichen Art des Wirkens zu sprechen. Neben metamagischen Aspekten zur Modifikation des Gewebes sollen im Rahmen der Betrachtungen auch andere Wege und Möglichkeiten aufgezeigt werden, um die Wirkungsweise bekannter Zauber zu erhöhen und somit machtvollere Variationen hervorzubringen. Gerade auch im Hinblick auf die Verzauberung von Gegenständen sollen Theorien dargelegt werden und - nicht in jedem, doch in einigen Fällen - durch Experimente verifziert oder falsifiziert werden. Ziel ist es, nach Vervollständigung des Werkes, ein Handbuch zu schaffen, indem sich eine gleichsam allgemeine wie profunde Darlegung der Thematik findet.
Im ersten, einleitenden Teil soll es gewissermaßen auf philosophischer Ebene um die Nutzung und Verantwortung gehen, die der Umgang mit dem Gewebe und der Forschung daran mit sich bringt. Anhand eines generellen Überblicks über die Problematik des Falls des alten Nesserreiches soll ein bewusstseinschaffendes und schulendes Beispiel gegeben, sowie einige historische Grundlagen des heutigen Wirkens von Zaubern dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis (ausblenden)
1. Einleitung
Das Gewebe Mystras zu verstehen und aus einem tieferen Verständnis heraus für sich zu nutzen, stellt seit jeher das Bestreben von arkan-begabten Personen dar. Die Motivationen dafür waren stets unterschiedlicher Natur und unterlagen und unterliegen diversen Abhängigkeiten. Jene zu differenzieren ist ein moralisches Thema, mit dem sich nur wenige Magier oder Gruppierungen gen auseinandersetzen, bedeutet es doch letztlich, in sich selbst hineinzublicken und sein eigenes Handeln und die dahinter stehenden Ambitionen zu hinterfragen. Die Wahrnehmung, dass dahinter keine Notwendigkeit steht, drängt sich zumeist aus Furcht vor dem, was hinter der eigenen Motivation steckt, auf. Nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche Vereinigungen von Gelehrten, die Wegen folgen, welche auf Prinzipien beruhen, die den Schutz anderer nahelegen (Wachsame Ordnung der Magier und Protektoren zu Tiefwasser) oder denen es um die Sammlung und das Festhalten von altem und neuen Wissen geht, ohne dass eine Machtambition dahintersteht (Arkane Gelehrte von Kerzenburg).
2. Intention der Betrachtung
Warum bildeten sich solche Institutionen heraus, wo die Verlockung, durch eine Akkumulation eigener Macht, doch groß ist und die Ansätze dafür in einem jedem intelligenten Lebewesen, das sich mit Magie beschäftigt, vorhanden sind? Die Ursächlichkeit oder vielmehr der Anlass des mentalen Wandels, der in keinem Fall absolut ist, jährt sich nunmehr im Jahre 1386 Taliser Zeitrechnung zum 1725. Male. Der Fall des Karsus stellt nach wie vor den Moment dar, an dem sich nach wie vor die Geister scheiden und der nicht selten für heftige Diskussionen in Gelehrtenstuben gesorgt hat.
Warum handelte Karsus wie er handelte? Zur Beantwortung dieser Frage müssen abermals Ursachen und Anlass voneinander getrennt werden. Es ist zu simpel zu behaupten, dass Karsus lediglich mehr Macht zum Selbstzweck wollte, ebenso wie es falsch wäre, davon auszugehen, dass seine Absicht eine moralisch vertretbare war - betrachtet aus dem Zeitgeist heutiger Generationen heraus. Sinn und Zweck des Gesamtwerks soll es nicht sein, eine Wiedergabe und abschließende Klärung und Bewertung des Geschehens festzuhalten, wie es schon oftmals zuvor getan wurde. Jedoch ist es unabdingbar im Rahmen eines einführenden Teils zu einem Werk, wie er hier vorliegt, eben jene Aspekte zumindest anzuschneiden und - abseits von Warnungen - zum Nachdenken anzuregen.
3. Die Phaerimm
Nur wenig ist bekannt über jene Wesen, die das Angesicht des Nordens in einer Weise veränderten, wie sie uns heute bekannt ist. Vermutlich angezogen von der wachsenden Macht Nesserils formierten sich die Phaerimm. Die Phaerimm, jenes uralte Volk, dass bereits existierte, als sich gerade erste Gesellschaftsformen in den Tagen des Donners herausbildeten, galt phasenweise immerwieder als Bedrohung. Es ist fraglich, inwieweit eine Kontinuität zu erkennen ist, die die Vermutung nahelegt, dass die Phaerimm unter besonderen Umstände vermehrte Aktivität zeigten. Und zwar immer dann, wenn sich in Regionen Gesellschaften formieren, die in hohem Maße einen Bezug zur Anwendung und Magie haben und das Gewebe in extensiver Weise für sich nutzen, um Macht zu erhalten und auszudehnen.
4. Konfliktspirale Nesser-Phaerimm
Im Auftreten der Phaerimm zeigte sich dann - 33.000 Jahre später - eine Parallele im Reich Nesserils. Je größer die Macht der Erzmagier Nesserils wurde oder - um es anders auszudrücken - je mehr fliegende Enklaven sich in die Luft erhoben, desto größeren Angriffen sah sich das Reich ausgesetzt. Die Phaerimm vernichten Magie nicht. Sie verschlingen sie, um sie dann machtvoll in ihrem Sinne einzusetzen. In der Spätzeit Nesserils kann von einer Erzfeindschaft zwischen den Phaerimm auf einer Seite und auf der anderen den Erzmagiern, unterstützt durch die Sharn, die in dieser Zeit vemehrt auftauchten, gesprochen werden. Die Transformation der fruchtbaren lande Nesserils in die Große Wüste Anauroch war dabei nur ein Kapitel. Nach der Entdeckung und Nutzung der so genannten "schweren Magie" durch Karsus nahm die Gefahr durch die Phaerimm nahezu proportional zu. Die massive Wechselwirkung wird offensichtlich. Ihren Kulminationspunkt, der tatsächlich als nahezu absolut betrachtet werden kann, fand sich in dem Aussprechen des Zaubers "Karsus' Avatar" im Jahre -339 TZ, der schließlich zum Untergang des Reiches der Nesser führte, auf dessen Folgen für die Nutzung des Gewebes später nocheinmal kurz eingegangen werden soll.
5. Nachwirkungen im Rahmen jüngster Ereignisse
Wenngleich die Phaerimm schließlich für eine lange Zeit hinter dem Wall, den die Sharn im Unterreich (unter Anauroch) errichteten, eingeschlossen waren, erhielt die Bedrohung nocheinmal in jüngster Zeit Präsenz. Auch wenn es im Jahre 1371 TZ wohl nicht die Phaerimm selbst waren, die für den Fall der Barriere, die die Sharn errichtet hatten, verantwortlich waren, scheint sich die Kontinuität fortzusetzen, was die Ziele der Phaerimm bertrifft. Nicht wenige - und das ist bemerkenswert - fanden ihren Weg nach Myth Drannor. Zudem entbrannte nun - nach 1710 Jahren - die Erzfeindschaft zwischen Phaerimm und den Nesser neu, nachdem die Stadt Umbra (Loross: Thulanthar) über den Ruinen von Karse in der Hochwaldregion aus der Schattenebene hinaustrat. Wenngleich die Phaerimm aus Evereska zurückgeschlagen werden konnten, sollte nicht ignoriert werden, dass damit womöglich nur eine Latenzphase in dem alten Konflikt geschaffen wurde, die früher oder später enden und zu Vehehrungen führen kann, wie sie das alte Nesseril erlebte.
6. Abschließende Betrachtung der Ursachen für den Fall Nesserils
Bezüglich des Falls des alten Nesserils ergibt sich letztlich folgendes, zusammenfassendes Bild. Die Intervention der Phaerimm war eine Folge der zunehmenden Machtsteigerung der Erzmagier Nesserils. Die Vorstellung, dass die Götter selbst nur mächtige Ermagier waren, die durch einen Zauber zu ihrer Göttlichkeit gekommen sind, hatte eine enthemmende Wirkung, während die Angriffe der Phaerimm immer neuen Ausschlag gaben, mächtigere Magie zu erforschen und einzusetzen. In der Konkludenz wuchs sowohl die Macht der Erzmagier wie auch der Phaerimm. Es bleibt fraglich, ob die Erkenntnis über die eigene Fehlkalkulation seitens der Magier, eine Wirkung hätte erzielen können, die den Kampf hätten auf einer Ebene halten können, die keine neuen Arten der Magie oder mächtigere Zauber notwendig gemacht hätten. Es ist nicht anzuzweifeln, dass Karsus letztlich sein Volk vor den Phaerimm beschützen wollte, doch war es letztlich die Mentalität der Nesser, die die Ursächlichkeit für den Fall Nesserils darstellten, während die Phaerimm selbst die Triebfeder des Untergangs waren.
7. Folgen für die Anwendung von Zaubern
Das Gewebe brach zusammen in jenem Moment, da die Göttlichkeit Mystryls auf einen Sterblichen überging. Die fatale Fehleinschätzung Karsus' ließ die fliegenden Enklaven zu Boden gehen. Nachdem Mystryl als Mystra wieder die Form einer Gottheit erlangt hatte, wurde in der Konsequenz die Nutzung des Gewebes insofern modifiziert, dass es keinem Wesen auf Faerûn mehr möglich war, Zauber einer höheren Ordnung als der Neunten zu sprechen. Bis auf die Zeit der Sorgen war und ist dies der Status. Auf die Spezifika magischer Gegenstände und der Auswirkungen des Falls von Karsus' auf jene soll in einem anderen Teil eingegangen werden.
8. Fazit
Große Macht birgt große Verantwortung, dies ist es, was wir bis heute aus dem Fall des Nesserreiches lernen können. Immerwieder gab es Magier und Hexenmeister, die nichts daraus lernten und im Rahmen ihres Strebens nach Macht, schreckliche Dinge verursachten. Doch zeigte sich oft, dass ihre Macht nicht von Dauer war. Karsus' Fall wiederholte sich und wiederholt sich - freilich auf einer anderen Ebene, doch immer in der abstrakten Ursächlichkeit ähnlich. Dies zu erkennen und zu verstehen, obliegt einem jeden, der die Fähigkeit besitzt, das Gewebe Mystras für Zauber zu nutzen.
Ende
| Quellen: | Kampagnenset Vergessene Reiche, Lost Empires of Faerûn, Netheril: Empire of Magic, |
| Grand History of the Realms | |
| Autor: | dying despot |