Buch: Einordnungen
| Autor: | Kathaphaia, A.M. |
| Verfasst: | Llorkh, 1387 TZ |
| Form: | Buch |
| Umfang: | 120 Seiten |
| Sprache: | Drakonisch |
| Anspruch: | voraussetzungsvoll |
| Nachweis/Zugang: | Arkaner Zirkel, offen zugänglich |
Die Rekonstruktion des Portal-Zyklus ist eine eigenständige Schrift, die 1387 am Arkanen Zirkel zu Llorkh verfasst wurde. Sie rekonstruiert insgesamt neun Zauberformeln zur Manipulation arkaner Portale und planarer Übergänge. Der Zugang ist schwierig, weil in großen Pinselstrichen über die Magiegeschichte hinweg argumentiert und rekonstruiert wird. Band I widmet sich der historischen Einordnung und gibt wichtige Rahmenhinweise zum Verständnis von Band II. In diesem stehen die Rekonstruktionswege der einzelnen Formeln im Mittelpunkt. Aus beiden Werken zusammen kann man die konkreten Formeln herleiten. Dies ist jedoch nach wie vor mit mühsamer Arbeit verbunden.
Inhaltsverzeichnis (ausblenden)
1. Einleitung
Am Arkanen Zirkel zu Llorkh wurde die Forschungsstelle Netheril eingerichtet, mit dem Ziel das kulturelle und arkane Erbe Netherils zu bewahren. Diese wichtige Angelegenheit umfasst ebenfalls die Rekonstruktion klassischer Thesenzyklen. Als Thesenzyklus betitelt man im Allgemeinen einen historisch überkommenen und gepflegten Zusammenschluss berühmter und klassischer Formeln - arkane Thesen - die sich zu einem Thema gut gemeinsam fügen.
Der klassische Portal-Zyklus ist eine Handreichung für den Umgang mit einer der höchsten arkanen Disziplinen: der Portalmagie. Die Arkanwissenschaft der Portale sowie planaren Übergänge im Allgemeinen greift auf eine Reihe stützender Thesen zurück, um Portale und Übergänge zu beurteilen und zu manipulieren. Und diesem Dienst ist der Portal-Zyklus verpflichtet. Man kann den Zyklus abstrakt beschreiben, im Sinne arkantheoretischer Systematik, oder aber anhand der historischen Entstehung. Ich wähle die zweite Variante, da sie für den geschulten Arkanisten wesentlich mehr Anhaltspunkte zur Detailbeurteilung und Einordnung bietet, als die bloße Arkansystematik.
2. Historische Einordnung des Portalzyklus
2.1 Früheste Wurzeln: Netheril und Calim
Die Erschaffung und Nutzbarmachung planarer Übergänge, in konstruierter und permanenter Variante Portale genannt, hat eine lange Tradition. Man mag zurückblicken zum Reich Calims, in dessen Städten und Festungen die Übergänge zwischen der Halbebene der Elemente und dem Diesseits so selbstverständlich waren wie ein Ankleidezimmer. Oder gen Netherils umspannende Portalnetze, die ganze Länder und Städte zusammen rücken liessen. Wir erinnern uns an Arkanist Anglin?, der sich selbst durch den missglückten „Anglins Torweg“ aus dem Leben riss. Ebenso wissen wir um die Liedportale der Elfen oder die Portale der Alten Völker.
Neben den Geheimnissen der Portalerschaffung zählen seit jeher dienstbare Formeln zur Arbeit mir planaren Übergängen. Die erste Kompilation solcher Thesen wurde bereits in der Nether-Epoche (326-544 NZ) vorgenommen, als das Reich Netheril begann sich über weite Strecken und tiefe Tunnel auszudehnen. Portale waren hier noch vorrangig als Verbindungen innerhalb der primär-materiellen Ebene gedacht.
Der Portal-Zyklus selbst erhielt seinen wesentlichen Ursprung in der Zeit des Arkanisten Oberon?, der zu Netherils Zeiten als Pionier der Welten- und Sphärenreise galt und dies auch noch heute ungefragt ist. Oberon, der 2839 bis 2905 nach Netherils Zeitrechnung lebte, vereinte in seiner Schülerschaft zahlreiche Arkanisten, die sich den planaren Erscheinungen und der Planarreise verschrieben. Grundlage waren die Portaltheorie der elfischen Völker, insbesondere Earlanns? und Illefarns?, sowie die Überbleibsel der calishitischen Magietradition des frühen Calim. Natürlich fügte sich auch die Auslegung der Nesser-Rollen, derer 23 Oberon? zur Verfügung gestellt wurden, ein. Einer der Schüler Oberons, Arkanist Valdick? (2845-2933 NZ), legte damals den Grundstein für die Thesensammlung des "Portal-Zyklus". Er entwarf die Kernformel Kampiun Obsule zur Analyse und Beurteilung planarer Übergänge und Portale. Weitere Arkanisten Netherils gaben ihren Teil dazu und schufen die erste Kompilierung des Portal-Zyklus. In diese Zeit datiert auch die Erkenntnisformel Raelgil Obsule, die „Portaltransparenz“.
2.2 Post-Kataklysmische Zeit - Shoon
Die Kompilationen aus der prä-kataklysmischen Zeit sind jedoch heute nicht mehr alle zielführend, weil sie auf Wirkmechanismen bauten, die nach Karsus' Fall und dem zerrissenen Gewebe nicht mehr vorhanden waren. Der erste Versuch einer Neukompilierung mit weitläufiger Anerkennung findet sich in der Shoon-Dynastie Calims, 67 TZ. Die Arkanisten Calims leisteten viel für die Wiedererlangung und Einordnung von verstreutem Wissen aus Netheril und auch den frühen Tagen Calims. Insbesondere geht also der gegenwärtige Portal-Zyklus zurück auf die Nether-Epoche und die Ära der Entdeckungen Netherils, die Ebenenforschung des frühen Calim sowie in der Taliser Zeit die Shoon-Dynastie. In neueren Tagen prägte die Simbul Aglaronds maßgeblich die Portalkunde und wurde von zahlreichen Forschern im Gebiet der See der Gefallenen Sterne ausgedeutet und formalisiert. Auch Innovationen des legendären Halaster wurden aus dem Unterberg geborgen.
2.3 Halasters Beigaben
Ein junger Arkanist, mit dem Namen Hilather (ca. 150 TZ bis dato), fügte zu Valdicks? Analysethesis die als "Kontrollformel" bekannte Dresig Obsule hinzu. Dies geschah ungefähr um 300 TZ. Hilather - heute besser bekannt als Halaster - kann als Koriphäe im Bereich der Portalmagie gelten. Und dies schon bereits vor der Errichtung des legendären Unterbergs zu Tiefwasser, der heute wahrscheinlich die massivste Ansammlung verschachtelter Portale unserer Zeit entält. Neben Dresig Obsule fügte er auch Formeln zur Kodierung und Versperrung arkaner Portale dem Zyklus hinzu, um die Kontrollmöglichkeiten über etablierte, und damit in Wirken und Bedingungen bereits fix definierte, Portale zu ermöglichen. Von Halsters Thesen ist jedoch nur Dresig Obsule heute noch Kanon im Portalzyklus. Sie wurde übermittelt und beglaubigt von Halasters Schüler, Murial der Missgeschickliche?, der ungefähr 500 nach TZ Halasters Formeln dem Zyklus "offiziell" hinzufügte.
2.4 Simbuls Beigaben
Doch damit haben wir nur gut die Hälfte der Zyklusthesen in ihrer Entstehung skizziert. Die dritte große Linie reicht von der mächtigen Simbul (766 TZ bis dato) zu uns. Simbul, eine von manchen als Wiedergeburt einer nesischen Arkanistin bezeichnet, von anderen als Erwählte Mystras, ist sicherlich eine der bedeutendsten Arkanistinnen unserer Zeit. Sie ist die Regentin des Landes Aglarond und es scheint erwiesen, dass sie das magiemächtige Land Tay mehrfach in persona und allein auf dem Schlachtfeld demütigend schlug. Glücklich für uns, dass ihre Schülerin Evenyl Nathtalond? einst einen geheimen Frevel beging. Im "Grünen Palast" der Simbul, zur Hauptstadt Aglaronds, befindet sich ein komplexes Netz aus arkanen Portalen, das Simbul im Laufe der jahrhundertelangen Residenz ausbaute. Die Schülerin Evenyl gedachte durch eine Rekonstruktion des Portalnetzes und der Entscheierung der Geheimnisse ein Meisterstück zu schreiben und sich entsprechend vor ihrer Lehrmeisterin zu profilieren (Nathtalon, Evenyl: Das Grüne Labyrinth). Sie fertigte eine Schriftensammlung mit der mystischen, arkantheoretischen und planaren Analyse des Netzwerks im Grünen Palast an und deutete Simbuls Sichtweise auf die Rolle von Portalen im Kosmos aus. Von dieser Schrift gibt es zwei Kopien aus ihrer Hand. Eine Kopie davon kam dem Arkanen Zirkel zu Llorkh zu und wurde verwertet. Dies erlaubte die Rekonstruktion zwei weiterer Thesen und mit in Abgleich mit weiteren Schriften den vollen Zyklus zu rekonstruieren.
2.5 Autoritäten der neueren Zeit
Simbul also, als dritte Autorität der anstehenden Arbeit, muss man letztlich durch eine vierte und letzte erweitern. Diese ist nicht mehr explizit nachzuweisen, aber alle Theoretiker und Praktiker die am Thesenzyklus gearbeitet haben, bezogen sich indirekt auf siese Quelle. Es handelt sich um den Efreeti? Kulmintanar. Ein mächtiger Externaar? der um 7100 vor der Taliser Zeit im Imperium des Calim als Vasall regierte und die Möglichkeiten des Sphärenübergangs in die Inneren Sphären beleuchtete und für Menschen verständlich machte. Leider lässt sich heute von diesem Altvorderen nichts mehr getreulich ableiten, doch sein Wirken für die Portalanalytik scheint gewiss und nicht angezweifelt. Wir sind nun aber in der Gegenwart.
Über die Werke eines Pethalos von Schlund (von Schlund: Analytik der Portale), Lundabar Tarsil (Tarsil: Der Gang auf die andere Seite) - seines Zeichens Zhentarim aus dem engeren Schülerkreis der frühen Jahre - und der Evenyl Nathtalond also, haben wir drei fast zeitgenössische Arkanisten, die den Portalzyklus letztlich in der heute gültigen Form und auf Grundlage der skizzierten Urväter fixierten. Am Arkanen Zirkel zu Llorkh waren es vor allem die verstorbene und geehrte Arkanistin Akkiz, der geachtete Arkanist Mandaar, Arkanistin Sabia Eisglanz? und meine Person, die der Rekonstruktion zugearbeitet haben. Womit nun also einer der klassischen Thesenzyklen zu dieser Hochform der Magie dem Arkanen Zirkel verfügbar sein wird.
3. Die Kernthesen
Der Portal-Zyklus umfasst derzeit sieben Kernformeln, die sich mit der Analyse und Manipulation von Portalen durch standardisierte Webungen befassen. Zum Teil sind es gestufte Formeln gleicher Wirkweise auf verschiedenen Machtgraden. Evenyl Nathtalond überliefert interessanterweise die Worte der Simbul zur Frage der Gestaltung planarer Netze und es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Merksätze sich passgenau auf die Kernformeln des Portal-Zyklus anwenden lassen.
Erkenne den Weg, sagt Simbul, und hält uns dazu an zu erkennen, bevor man Portale benutzt oder manipuliert. Die Thesis Kampiun Obsule (Portalanalyse) ist die erste des Zyklus. Sie wird ergänzt durch Raelgil Obsule (Portaltransparenz).
Verkünde den Weg, sagt Simbul, und weist uns an, man solle im Irrgarten der Welt Portale nicht leblos und passiv erscheinen lassen. Vielmehr müssen Portale von Bedeutung auch sich selbst verkünden können. Die Thesis Ehtah Obsule (Portalortung) ist die zweite Dimension des Zyklus.
Übersehe den Weg, sagt Simbul, und es ist mehr als verständlich, dass planare Wege und Portale großer Macht ständig beobachtet werden müssen. Durch sie kann viel Leid geschehen und sie erregen Aufmerksamkeit großer Mächte. Die Thesen Dresig Obsule und Jennuilt Dresig Obsule (Portalalarm, Mächtiger Portalalarm) sind die dritte Dimension des Zyklus.
Verberge den Weg, sagt Simbul, und meint damit natürlich nicht nur das Verbergen im Sinne geschickter Portalarchitektur. Es geht darum Wege zu verschleiern und Portale umzulenken. Die Thesis Rygat Obsule (Portalverzerrung) ist die vierte Dimension des Zyklus.
Versiegel den Weg, sagt Simbul, und gemahnt uns daran, stets die Kontrolle zu behalten. Portale und planare Übergänge können das Gefüge der Welt bedrohen, wenn sie zwar erschaffen, aber nicht kontrolliert werden können. Die Thesis Jilg Obsule (Portal versiegeln) ist die letzte und mächtigste des Portal-Zyklus.
Der Arkane Zirkel zu Llorkh? hat diese sieben Thesen um zwei weitere ergänzt, die eigentlich dem Teleportatione-Zyklus zugehörig sind. Es handelt sich um Larchi'jiiral I und II. Sie dienen der Präkognition ankommender Teleportation. Der Arkane Zirkel erhebt nicht den Anspruch der Kanonerweiterung, sondern führt sie als Ergänzungsthesen im Kontext der Portalmagie an.
4. Überleitung
Die nun exponierten Thesen entstammen wie ersichtlich aus verschiedenen Epochen und Denktraditionen. Über arithmetische Magie bis hin zu Farb- und Symbolmagie. Aus dem Kontext der historischen Entstehung erschließt sich dem kundigen Arkanisten der Zugang zur rechten Deutung und Herleitung. Buch 2 wird sich ausführlich mit der Rekonstruktion der einzelnen Thesen beschäftigen, setzt jedoch die Vertrautheit mit den Denkweisen der hier genannten Autoritäten voraus.

Autor: Letos