Schlaf und Traum
Autor:Laflanna Tialasar
Verfasst:Lautwasser, 1385 TZ
  
Form:gebundenes Heft
Umfang:40 Seiten
Sprache:Elfisch und Chondath
Anspruch:mittel
Nachweis/Zugang:Abtei der Leuchtenden Hand, offen zugänglich
Arkaner Zirkel, offen zugänglich

Dieser Artikel wurde von Laflanna Tialasar in Lautwasser verfasst und ist öffentlich unter den Schriften des Velti'Enorethal, der elfischen Philosophenschule Lautwassers zu finden und kann von jedem Interessierten gelesen werden. Der Artikel ist in Elfisch verfasst, wurde jedoch auch in Chondath übersetzt. Ebenso wurde eine Abschrift in der Abtei der Leuchtenden Hand hinterlegt.

Über den Zusammenhang von Traum und Schlaf
und die Unterschiede zwischen den Völkern

1.  Einleitung

Da Träume für Elfen und speziell für die Priesterschaft Sehanines eine besondere und mystische Bedeutung haben, verwendete ich nach meiner Ankunft in der Vielvölkerstadt Lautwasser auch Zeit darauf, mehr über das Erlebnis des Träumens bei anderen Völkern herauszufinden. Dieser Artikel soll meine Erkenntnisse zusammenfassen.

2.  Von der Notwendigkeit zu schlafen

Wie ich bereits in meiner alten Heimat gelesen hatte, benötigen Menschen etwas, das sie Schlaf nennen. Dabei fallen sie in einen Zustand annähernder Hilflosigkeit, in dem sie ihre Umgebung nicht wahrnehmen und aus dem sie nur durch laute Geräusche oder deutliche Berührungen zu erwecken sind.
Meine Fragen an die Vertreter der verschiedenen Völker ergaben, dass Gnome, Halblinge, Menschen und auch Zwerge diesen Zustand kennen und sogar benötigen. Es ist ihnen allen möglich auf Schlaf zu verzichten, doch je länger sie dies tun, desto schlechter geht es ihnen. Der Mangel zeigt sich in körperlicher und geistiger Schwäche, sowie dem Gefühl der Müdigkeit, welches den unbedingten Drang zu schlafen bezeichnet. Auf Dauer ist es unmöglich auf den Schlaf zu verzichten, die Müdigkeit erreicht irgendwann einen Punkt, an dem sich diese Völker nicht mehr dagegen wehren können und in den Schlaf fallen.

Dabei werden sie überaus verwundbar in diesem Zustand. Während Elfen sich selbst willentlich in den Zustand der Ruhe versetzen, in dem sie träumen und dabei auch ihre Umgebung wahrnehmen können und sich jederzeit erwecken, sind Menschen und die anderen Völker wie betäubt und ohnmächtig. Zuweilen geben sie dabei sogar auffällige Atemgeräusche von sich. Da es möglich ist aus dem Schlaf zu erwachen, variiert die Zeit, die damit verbracht wird. Es scheint jedoch so, dass er etwa ein Drittel des Tages dauern sollte, damit man sich vollkommen erfrischt fühlt. Damit dauert es etwa zweimal so lange wie die übliche Traumruhe der Elfen.
Eine auffällige Besonderheit betrifft Mischlinge elfischen Blutes. Sie vermögen scheinbar aufgrund ihres Erbes ebenso zu ruhen wie Elfen selbst, doch benötigen sie dafür längere Zeit.

Aus arkantheoretischer Sicht sind diese Unterschiede interessant, da das elfische Erbe gegen die Wirkung magischer Schlafformeln immunisiert. Diese Zauber rufen durch geistige Täuschung, ein starkes körperliches Bedürfnis zu schlafen, also eine übernatürliche Müdigkeit hervor, gegen die sich nur ein starker Geist zu erwehren vermag, wie bei anderer Magie der geistesbeeinflussenden Schulen auch. Da Elfen und ihre Abkömmlinge dieses Bedürfnis nicht verspüren können, sind solche Zauber vollkommen wirkungslos bei ihnen.

3.  Träume und ihre Wirkung

Bei meinem Volk dient der Zustand der Traumruhe dazu, den Geist zu ordnen und so Erkenntnis aus dem Erlebten zu gewinnen. Obwohl es uns möglich ist, diese Ruhe aufzuschieben, oder auf sie zu verzichten, vermögen wir dies nicht unbegrenzt, ohne mit einem hohen Maß an Verwirrung bestraft zu werden.
Die schlafenden Völker nun träumen während ihres Schlafes, allerdings vermögen sie sich oftmals nicht daran zu erinnern, was sie geträumt haben. Wie sie auf diese Weise Erkenntnis aus diesen Träumen ziehen können, ist ein schwer zu lösendes Rätsel.

Bei Elfen erzeugt dieser Zustand Bilder im Kopf, die zwar auf unterschiedliche Weise von der Realität abweichen können, sich aber im Kern stets mit dem beschäftigen, das unsere Gedanken ausfüllt. Es hilft uns das Erlebte zu verarbeiten, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und Klarheit zu erlangen, für vor uns liegende Entscheidungen.

Da die schlafenden Völker sich oftmals nicht, oder nur in zusammenhanglosen Bruchstücken an ihre Traumerlebnisse erinnern, ist es kaum möglich festzustellen, ob sie dies in ähnlicher Weise erfahren. Da jedoch auch diese Völker nach dem Schlaf eine geistige Frische empfinden und auf diese Art ihre Konzentration erneuern, erscheint es nur logisch, dass ihre Träume die gleiche Funktion erfüllen.

Ein Erkenntnisgewinn, wie es die Lehren Sehanines weisen, stellt sich dabei vor allem indirekt ein. Durch das Ordnen und Verarbeiten der Eindrücke und Gedanken, erkennen alle Völker Zusammenhänge besser und sind bereit Neues zu erfahren.

4.  Die Brücke der Mysterien

Das Thema von Traum und Vision findet sich in vielen Kulten und ist auf die eine oder andere Weise bei allen Völkern wichtig. Sehanine verleiht dem Traum auch dadurch eine spezielle Bedeutung, dass sie sich ihren Anhängern gegenüber in solchen ausdrückt und ihren Willen enthüllt.
Im Gegenzug kennt mein Volk verschiedene Riten und Zeremonien, in denen Traum und Vision eine zentrale Rolle spielen. Bei den Menschen beispielsweise befasst sich der Klerus Mystras, der Herrin über das Arkane Gewebe, vor allem mit diesen Dingen.

Direkte oder indirekte Vision können dabei erreicht oder unterstützt werden, in dem göttliche Segnungen, aber arkane Formeln mit vergleichbarer Wirkung angewendet werden. Hier zeigt sich ein bemerkenswertes Gleichnis, das auf die gemeinsame Quelle der magischen Künste hinweist.

5.  Schlussfolgerungen

Aus rein körperlicher Betrachtung, können all diese Beobachtungen nur bedeuten, dass es das elfische Erbe ist, dass die bewusste Traumruhe ermöglicht und den Schlaf somit unnötig macht. Dabei ist hervorstechend, dass trotz dieses Unterschiedes, die Träume in allen Völkern vorkommen und ähnlich zu wirken scheinen. Womöglich ist dies ein Hinweis darauf, dass wir alle, trotz unserer offensichtlichen Unterschiede auch gleich sind und somit fähig gemeinsam zu handeln und zu leben.

Die mystische Bedeutung der Träume und die Gemeinsamkeiten zwischen der arkanen Schule der Erkenntnis und den seherischen Gaben priesterlicher Macht zeigen klar das Gewebe als Ursprung aller Magie, wie sie üblicherweise angewandt wird. Es ist bezeichnend, dass jene Gottheit, deren Aufgabe es ist, dieses Gewebe zu erhalten und verfügbar zu machen auch die ist, deren Kult sich im menschlichen Glauben mit Traummythen befasst.

Hier beweisen sich einmal mehr die Lehren des Gleichnisses von Gegensätzen und der Verbindung aller Dinge im ewigen Kreislauf.


LaT

Autor: Jhaan