Buch: Thesen zur Sphärenkonstellation Orlbar
| Autor: | Kathaphaia |
| Verfasst: | Llorkh, 1387 TZ |
| Form: | gebundene Pergamentseiten |
| Umfang: | 32 Seiten |
| Sprache: | Drakonisch |
| Anspruch: | mäßig anspruchsvoll |
| Zugang: | nicht offen zugänglich |
Die kurze Schrift resümiert eine Beurteilung Orlbars aus Sicht planarer Analytik, also der Sphärentheorie. Zwei Thesen zur Sphärenkonstellation über Orlbar werden vorgestellt und bewertet. Es schließen sich einige Anweisungen und Schlussfolgerungen für Nachtklingen im Einsatz unter Orlbar an. Insgesamt ist die Schrift schwer zugänglich, wenn man keine eigenen Erfahrungen im Krater selbst gesammelt hat.
Inhaltsverzeichnis (ausblenden)
Das ehemalige „Dorf Orlebar“ oder heute „Stätte des Kataklysmus“, „Niedergang des Sterns“ oder schlicht „Orlbar“, ist aus sphärentheoretischer Sicht bemerkenswert. Wer gewappnet ist und den Mut aufbringt diesen Ort zu erkunden, findet sich allerlei Absonderheiten ausgesetzt. Sie sind so zahlreich, dass sie Llorkhs Gelehrte seit mehr als fünf Jahren beschäftigen. Seit dem Niedergang des Sterns. Wer neben Mut und Wehrhaftigkeit auch arkane Analytik und Wissen mitbringt, dem vervielfachen sich die Wunder. Denn was man als arkane Anomalien oder magische Erscheinungen schlichtweg unter „Wunder des Möglichen“ subsumieren kann, erweist sich mit Sachkunde als noch viel weitreichender. Orlbar präsentiert nicht nur die Überwindung trivialer Gesetze der Welt durch Magie, sondern gleichzeitig bringt es auch die Erklärungsfähigkeit der Arkanwissenschaft selbst an die Grenzen.
Im Folgenden wird von der Sphärenkonstellation Orlbars die Rede sein. Die „Sphärenkonstellation“ bedeutet: das Verhältnis der Sphären und Ebenen zueinander an einem gewissen Ort und in einer gewissen Zeit. In diesem Falle am Orte Orlebar - hier und jetzt.
1. Begriffsbestimmungen
Sphäre ist im strengen Sinne jede eigenständige planare Welt, die über den Astralraum in Verbindung zu anderen ihrer Art treten kann.
Ebene ist eine planare Unterteilung innerhalb einer Sphäre. Sie ist ebenfalss durch den Astralraum vermittelt, wesensmäßig jedoch der Sphäre als Teil eines Ganzen zugehörig.
Kosmologische Sphären oder Ebenen sind jene, die anerkanntermaßen in der Kosmologie Faerûns verortet werden und kanoniisert sind. Hierzu zählen insbesondere die Inneren Ebenen und Außeren Extrasphären. Ihr gegenteil im Sinne dieses Textes sind Sphären oder Ebenen, die weder kanonisiert sind und nicht als Teil der faerûnischen Kosmologie gelten.
Planare Eruption ist ein massives Ereignis auf einer beliebigen Sphäre oder Ebene, welches umfangreiche, direkte Übergänge zu anderen Ebenen und Sphären hervorruft.
Planare Dislokation ist ein massives Ereignis auf einer beliebigen Sphäre oder Ebene, welches einen Teil selbiger aus sphärischen Zusammenhängen herauslöst und als wesensmäßig eigenständigen Korpus im Astralraum formiert.
Globule oder Taschensphäre ist für diesen Text vereinfacht das Ereignis einer planaren Eruption.
2. Was zu beobachten ist
Orlbar weist Berührungspunkte zu anderen als der primär-materiellen Sphäre Faerûns auf. Und dies in voller Bandbreite der Möglichkeiten:
(1) Es finden sich unmerkliche Sphärenübergänge, die im Sinne berührender Sphären ein nahezu unbemerktes Überschreiten der Weltgrenzen ermöglichen. So gesehen bei den schattigen Tunneln der eis- oder feuerdominierten Abschnitte. Oder auch beim Übergang zum Schiffsfriedhof, wo sich die extrasphärische Verortung förmlich aufdrängt (wenn auch noch nicht als bewiesen gilt). Dort gelangt man gehenden Fußes in angrenzende Formationen. Es ist bisher jedoch noch nicht auszuschließen, ob nicht Orlbar sogar als Ganzes als extrasphärisch gelten muss.
(2) Weiterhin gibt es in Orlbar Portale und Tore. Dies sind Übergänge und Sprungpunkte im Sinne der Portalmagie oder der Beschwörungslehre. So zu finden innerhalb der Schattenebene des Eises oder mutmaßlich auch in den Bluthöhlen. Die Problematik der Fehlerabweichung bei standardisierter Teleportation zählt auch hierzu. Unversehens findet man sich an farblich hervorgehobenen Sprungpunkten wieder, zu welchen Teleportation umgelenkt werden kann.
(3) Auch nennen muss man die prinzipielle Zugänglichkeit der Halbebene der Schatten, die sich als koexistierende Ebene über viele Tunnelgebiete Orlbars erstreckt. Orlbar zeigt hier Hinweise auf die Gültigkeit koexistenter Ebenen. Dies wird bestärkt durch die prinzipiell überall – abseits wilder und toter Magie – verfügbaren Ätherebene. Ein Übergang in eine (oder die) Ebene des Äthers ist in Orlbar größtenteils möglich.
Neben Berührungspunkten, Portalen und koexistenten Charakteristiken der Sphärenkunde, die sich direkt auf die Beobachtung von Sphärenwechsel beziehen, gibt es auch indirekte Hinweise. Hier seien zwei exemplarisch genannt.
Erstens kann man insbesondere bei den schattigen Halbebenen Orlbars und den elementar geprägten Sphären bemerken, dass sich dort jeweils affine Kreaturen versammeln und ihrer Natur gemäß Orte des Rückzugs aufsuchen. Schattenwesen, Untote, Erynnien, Elementare, Feuerriesen, Mephite und andere Kreaturen sind zu beobachten, die man direkt mit Inneren Ebenen und Äußeren Extrasphären in Verbindung bringen kann.
Zweitens erweisen sich hinsichtlich der stark elementar geprägten Tunnel Vermutungen als tragfähig, die von einem Kolonialisierungseffekt ausgehen. Als Kolonialisierung bezeichnet man in der Sphärentheorie die mit der Zeit einsetzende, schleichende Überbordung an Übergangspunkten. So beginnt sich die unmittelbare Umgebung eines Portals in die Innere Ebene des Feuers mit den Jahren zu erhitzen. Schwefelgeruch und sogar Magmaablagerungen können diesseits des Portals auftreten. Solche Hinweise finden sich zahlreich. Offene Sphärenübergänge – selbst wenn sie faktisch unpassierbar sind – können solche Effekte hervorrufen, wie man sie in den Eistunneln oder Feuertunneln vorfindet.
All das Gesagte sind beobachtbare Anzeichen, doch für eine Beurteilung Orlbars reichen sie nicht hin.
3. Zwei Thesen zur Sphärenkonstellation in Orlbar
Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die Sphärenberührungen, Übergänge und Kolonialisierungen Orlbars nicht im Bild der herkömmlichen Kosmologie zu verorten sind. Dies ist die These der Dislokation. Ihre Gegenthese lautet: Orlbar ist ein Schmelztiegel der herkömmlichen Sphärenordnung Faerûns (Eruptionsthese). Wir beginnen mit der Darstellung der Gegenthese und bringen alsdann gute Gründe ihre Ablehnung und Hinwendung zur Dislokationsthese.
3.1 Eruptionsthese
Die Gegenthese ist die augenscheinlichere und sie besaß tragfähige Gültigkeit zu Beginn der Orlbarforschung. Demnach wird Orlbar als ein massiver arkaner „Einschlag“ in das Gewebe begriffen, der ein Zusammenstürzen der Ebenen und Sphären am Ort Orlbar zur Folge hatte. Wie ein Maler, der Farben auf dem Mischbrett von verschiedenen Klecksen zusammenzieht, habe demnach Orlbar als Schmelztiegel und Farbverlauf fungiert. Deshalb kann man dort innerhalb weniger Schritte von den Schatten in die Eiswelt wechseln. Vom Feuer ins Wasser und so weiter fort. Vergleiche mit den Zeit der Sorgen waren nicht selten, denn die Möglichkeit der radikalen Umwälzung sphärischer Ordnungen auf begrenztem Raum schien seit diesen Tagenn wieder präsenter. Der Reiz dieser Gegenthese liegt in der intuitiven Plausibilität und tatsächlich genügt sie um die wichtigsten Erscheinungen hinreichend zu erklären. Sie wurde durch Arkanistin Kathaphaia maßgeblich bis ins Jahr 1386 als Grundlage hergenommen. Charakteristisch ist die unterstellte, massive Einbettung oder Verwachsenheit Orlbars in die kosmischen Sphären.

Orlbar als planare Eruption
3.2 Dislokationsthese
Die These der Dislokation entstand aus der fortgesetzten Detailbeobachtung und kritischen Hinterfragung des Beobachtbaren in Orlbar. Sie besagt, dass Orlbar nicht vorrangig mit den bekannten Inneren Ebenen und Halbebenen verbunden ist, sondern sich als Taschensphäre oder Globule konstituiert, welche wiederum aus Subebenen besteht welche damit die Vielfalt der Erscheinungen in Orlbar ausmachen. Diese These entwickelte sich 1386 TZ und 1387 TZ maßgeblich durch die Arbeiten der Arkanisten Akkiz, Mandaar und Kathaphaia. Sie alle lieferten Argumente dafür bei, die im folgenden summarisch präsentiert werden:
- Die erreichbare Halbebene der Schatten in Orlbar, durch ein seltsames Portal in einem Schrank und durch Übergänge erreichbar, weist Eigenschaften zweier klassischer Ebenen auf und erscheint daher als eigenständige Mischform. Zum einen ist die Schattenebene schattenaffin und koexistent mit den Tunnelnetzen, andererseits weist sie die stark lebensverzehrende Emanation der Ebene des Negativen auf. Zudem wäre zu erwarten, dass man Orlbar selbst in der Halbebene der Schatten verlassen kann. Das ist jedoch nicht möglich. Die Halbebene der Schatten in Orlbar scheint begrenzt auf diesen Ort. Diese Beobachtungen legen nahe, dass diese Halbebene weder die Halbebene der Schatten noch die Ebene des Negativen ist, sondern eine eigene, herausgehobene Mischform wie sie nur in Orlbar vorkommt.
- Desweiteren wurde bemerkt, dass es gebundene Externaare in Orlbar gibt, die nicht den Gesetzen der klassichen Bannung und Rufung unterliegen. Sie sollten nach Bannung oder Vernichtung auf ihre Herkunftsebene zurückkehren. Doch das geschieht nicht immer. Insbesondere Kollege Mandaar hat hier verdienstvolles geleistet. Von weiteren Details muss hier leider geschwiegen werden.
- Es ist festzustellen, dass in Orlbar die Gesetze der planaren Analyse, Teleportation und des Ebenenwechsels prinzipiell gültig sind. Klassische Formeln dieser Art wirken erfolgreich in Orlbar. Hierzu zählen unter anderem die Portalanalyse? (Kampiun Obsule), der Ätherischer Ausflug? (Mischiwi Aktabar), die Standardisierte Verbannung (Oberons Bannung) oder auch Beschwörungen verschiedener Art. Lediglich Teleportation ist sehr instabil. Arkanistin Kathaphaia hat hierzu Erkenntnisse vorgelegt. In Konsequenz muss gefolgert werden, dass Orlbars Erscheinungen nicht nur bloße Illusionen oder arkane Erscheinungen sind, sondern eben planare Effekte.
- Ergo: In Ansehung der Arbeiten von Kollegin Sabia Eisglanz erscheint die Astralsphäre als transitive Ebene in Orlbar vorhanden und zugänglich. Der Astralraum ist dabei das Medium, über den sich planare Analysen, arkane Teleportationen und „wilde Übergänge“ abwickeln. Wir haben es also in Orlbar nicht mit der Aufhebung aller planaren Gesetze zu tun, sondern nur den Gesetzen, welche die Frage der „Gestalt“ betreffen. Die Gesetze des "Übergangs" scheinen größtenteils gültig.
Aus all dem leitet die Dislokations-These ihre Behauptung, dass Orlbar mitnichten lediglich eine Vermischung kosmologischer Sphären ist, sondern eine sphärisch gefärbte Globule die mehr oder weniger autark im Sphärengefüge ist und Feuer-, Eis- und negative Schattenebene für sich eigenständig aufrechterhält. Wählten wir für die Gegenthese das Bild des Farbtiegels, auf dem Orlbar aus dem Zusammenführen der umliegenden Farben entsteht, so bietet sich für die These der Dislokation das Bild einer Glaskugel an, die über die Farben der Sphären willkürlich hinweg rollt und sich so einfärbt. Die „durch die Sphären gefärbte Kugel Orlbar“ berührt die kosmologischen Sphären nur jeweils an einem kleinen Punkt und dieser Punkt kann jederzeit weiterwandern. Es ist sogar denkbar, dass sich die Kugel und damit Orlbar einst für immer vom Farbfeld der Kosmologie Orlbars abheben wird und als autarke Globule im Meer des Astralraumes für immer unzugänglich entgleiten wird. Ganz so, wie es manche Reiche verstorbener Götter tun. - Charakteristisch ist für diese These, dass Orlbar wesentlich geschlossen und vom kosmologischen Gefüge herausgehoben gedacht wird. Übergänge in kosmologische Sphären sind freilich weiterhin nicht ausgeschlossen, in ihrer Bedeutung jedoch deutlich zurückgesetzt.

Orlbar als planare Dislokation
4. Appendix: Maßgaben zur Erkundung
Für Expeditionen des Kriegerstandes leiten sich folgende Maßgaben ab:
- Ein seltsames Vorherrschen eines Elements oder einer Energie kann Ebenenübergänge ankündigen. Selbige können in Form von Portalen vorhanden sein oder als kaum merkliche Übergänge. – Es wird angeraten Nach mächtiger Transmutationsmagie ausschau zu halten. Selbige zeichnet Portale und Ebenenrisse ggf. aus.
- Es ist nicht auszuschließen, dass ein längeres Verbleiben in Orlbar, erzwungen durch Rast oder Verwundung, zu einer Einschließung führt. Orlbar ist wandelbar. Ein Rückweg ohne Magie wäre in diesem Falle möglicherweise unmöglich. – Es wird angeraten Wege diskret zu markieren und beim Arkanen Zirkel oder den Nachtklingen etwas des eigenen Blutes oder der Haare für eine mächtige arkane Auffindung im schlimmsten Falle zu hinterlegen.
- Seltsame Kreaturen besitzen nur bedingt die erwartbaren Eigenschaften, insbesondere wenn es sich um Externaare zu handeln scheint. Je nach Art und Form ist es nicht auszuschließen, dass erschlagene Individuen überraschend schnell wieder zurückkehren und auch Erinnerung an die Kämpfe besitzen. Der Tod von Externaaren ist also zum Beispiel kein sicherer Garant dafür ein Geheimnis sicher zu wissen. – Es wird angeraten fremdartige Kreaturen doppelt vorsichtig zu beurteilen und nicht davon auszugehen, dass sie sich erwartungsgemäß nach ihrer Art verhalten werden.
- Da Sphären eigenwillige und stark abweichende Bestimmungen hinsichtlich Physik, Magie und andere Eigenschaften aufweisen können, muss mit allem gerechnet werden. Insbesondere muss das Unglaubliche (multidirektionale Schwerkraft, tote oder unbändige Magie) nicht auf arkanes Wirken oder Fehlwirken zurückzuführen sein. Planare Eigenschaften können die bekannte Wirklichkeit verzerren ohne das Magie nachzuweisen wäre. – Um nicht dem Wahnsinn zu verfallen wird angeraten, niemals alleine zu geraten. Der Anblick des Anderen und die mit ihm geteilte Anschauung des Unglaublichen kann unter extremen Bedingungen menschlichkeit und Verstand retten.
- Es ist angeraten stets etwas Erde und Wasser aus der primär-materiellen Ebene mitzuführen.
Vorgetragen und verhandelt am 16. Tarsakh 1387 TZ, Llorkh.

Autot: Letos