Kraftflusstheorie nach Tolodine
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Autor:Kathaphaia
Verfasst:Eleint, 1386 TZ
  
Form:Buch mit Ledereinband
Umfang:98 Seiten
Sprache:Drakonisch mit Auszügen in Loross
Anspruch:anspruchsvoll
Nachweis/Zugang:Arkaner Zirkel, offen

Das Buch behandelt eine komplexe Theorie über den arkanen Kraftfluss und den Astralleib. Es ist eine Monographie die überliefertes Wissen aus Netherils Zeit in calishitischer Interpretation zur Grundlage nimmt und eigene Erkenntnisse der Verfasserin aus der Arkanen Früherziehung zu Llorkh und der Netherforschung anknüpft.

1.  Zum Geleit

Tolodine (1444 – 1501 NZ), bekannt als herausragender Arkanist des Silbernen Zeitalter, erlangte Berühmtheit vor allem durch seine cantiones für die Manipulation des Windes. Weniger bekannt ist indessen, dass Tolodine gegen Ende seines Lebens, das er auf der Enklave Imbrue verbrachte, eine Grundlagentheorie zum arkanen Kraftfluss verfasste. Tolodines Kraftflusstheorie erklärt und beschreibt die dem menschlichen Körper zueigenen, besonderen Kraftpunkte, mit denen Arkanisten vorrangig das arkane Gewebe beeinflussen. Diese Kraftflusspunkte sind wie Anker, mit denen Arkanisten als im arkanen Gewebe verbunden und verankert vorgestellt werden können. Man ahnt bereits, dass die Kraftflusstheorie eine Grundlagentheorie der heutigen arkanen Somatik werden musste, also der Lehre der rechten Gesten und Leibesbewegungen im Zauberprozess.

Nachfolgend werden die Hauptkraftpunkte knapp dargestellt sowie ein Überblick über die Kraftlusstheorie und ihre Manipulation gegeben. Es folgt der Hauptteil des Werkes als Lehrbuch und Studienanleitung für beginnende und fortgeschrittene Scholari.

2.  Die Hauptkraftpunkte

Der Hauptkraftpunkte des menschlichen Astralleibes gibt es acht. Sie werden nun nach der Tradition des Arkanen Instituts Alza Qaam zu Calim benannt und beschrieben, welches Tolodines Kraftflusstheorie bereits im vorigen Jahrhundert vollständig rekonstruieren konnte. Die verfassende Arkanistin ergänzt im Folgenden die Lehrsprüche aus den Umschatteten Zeiten (3163 – 3520) in Original und Übersetzung, wie sie auf der Enklave Karse Verwendung fanden.

2.1  Zum Astralleib

Den Studiosi sei eingedenk, dass die Kraftflusspunkte ein Merkmal des Astralleibes sind, nicht des profanen, fleischlichen Leibes. Wenngleich der profane Leib mit dem Astralleib maßgeblich verbunden ist, ist er doch nicht identisch. Der Astralleib ist eine körper- und gestaltlose Formation, die über die Ausdehnung des profanen Leibes teilweise hinausreicht. Der Astralleib kann gespalten werden und sich örtlich vom profanen Leib wegbewegen. Er zeichnet sich maßgeblich dadurch aus, dass er durch den Willen beeinflusst, angeregt und verändert wird und die Grundlage für die somatische und volative Manipulation des Gewebes darstellt.

Die somatische Manipulation des Astralleibes entsteht durch die Bewegung des profanen Leibes, verbunden mit der Anregung des Kraftflusses durch den Willen und das arkane Vermögen (d.i. matrix arcana).

Die volative Manipulation des Astralleibes ist die rein auf Geisteskraft beruhende Manipulation des Kraftflusses. Diese Form verändert also den Astralleib als Verbindung zum Gewebe, ohne jedoch den profanen Leib tatsächlich zu bewegen. Man kennt diese Form vor allem durch Metamagie (cantiones sine actionibus), Psikraft und den berühmten Worten der Macht.

2.2  Alif, die Krone

Alif ist die Krone des Astralleibes. Der höchste Hauptkraftpunkt liegt ausserhalb des profanen Leibes und ist der Nexus des arkanen Vermögens sowie Ankerpunkt für zahlreiche Zaubereffekte. Arkane Auren, Flüche, mentale Verwandlungen und Veränderungen des Geistes bishin zum einfachen Lichtzauber sind in Arkaner Sicht schön und klar an der Krone Alif wahrzunehmen.

Tolodine sagt: Alif ist die Krone und der Gekrönte zugleich. Sie ist die schwebende Vollendung; sie ist der vollendende Wille. Himmelwärts strebt das Arkane und das ist die Wahrheit. Was der Leib und der Wille schaffend wirkt, wird in Alif vollendet und erhebt sich letztlich über den profanen Leib zu etwas Größerem. Alif berührt darum jeden Himmel, denn er ist die Göttlichkeit des Menschen und die Verheißung des Arkanisten sich selbst allzeit bestimmen zu können.

2.3  Ba, die Stirn

Ba ist die Geistseele und der Sitz der Vernunft. In ihr ruht der schiere Wille und das reflexive Bewusstsein, welches sich selbst trugfrei und schön anschaut. Ba ist der starke Hauptkraftpunkt für alle akademischen Magiewirker, welche durch Wille und Wissen das Gewebe manipulieren. Deshalb ist Ba auch manchmal als Quelle bezeichnet, denn welche Manipulation des Gewebes man auch vornimmt, so geht der Stein des Anstosses für jeden Arkanisten von Ba aus.

Tolodine sagt: Ba ist dein Quell aller Kraft, die blühende Blume die sich hinausreckt in die Welt, aber auch der verschlossene Schatz und die uneinnehmbare Bergfestung deines Bewusstseins. Ba ist die Anschauung der Welt, Sitz der Erkenntnis dessen, was ausserhalb und innerhalb von dir ist.

2.4  Dal'Ba und Dal'Alif, die rechte und die linke Hand

Die Hände sind nach dem Verstand die beeindruckendsten Merkmale des Menschen. Welch schöngewirkte Wunder erschafft er damit und wie feingliedrig und geschickt sind sie sebst beschaffen. Keine Hauptkraftpunkte sind in der Somatik komplexer als Dal'Ba und Dal'Alif, denn in der Anspannung der Finger und Hände liegt die Komplexität der gesamten, profanen Zivilisation begraben. Die Folge davon ist, dass die Bewegung der Hände die einfachste Leibesbewegung zur Manipulation des Gewebes ist. Einfach in dem Sinne, dass die bloße Ausführung komplexer Handzeichen bereits den Kraftfluss auslösen kann, mit nur einem minimalem Aufwand arkaner Konzentration.

Tolodine sagt: Dal'Ba und Dal'Alif sind die rechte und linke Hand des Gottmenschentums. Die rechte erschafft und die linke zerstört. Erkenne wie beide sich berühren und verschlingen können! Das ist das Geheimnis der Tätigkeit. Die Welt ist dem Menschen zur Veränderung überantwortet und in Dal'Ba und Dal'Alif ruht der Schlüssel mit Arkaner Kraft wirkend zu errichten und niederzureissen. Ganz wie es dein Wille ist.

2.5  Gam, das Herz

Das Herz ist die Zisterne der Lebenskraft. Was die Gliedmaßen wirken, was die Vernunft will und die Krone Alif vollendet, findet seinen Kraftquell in Gam, dem Herz. Hier auch ruht die Emotion, das Mensch-Sein im Leben. Intuitivwirker und auch Kleriker finden hier oft den vorrangigen Quell astraler Kraft, ganz im Gegensatz zu den akademischen Arkanisten, die in Ba ihren Ursprung haben. Gam ist oftmals der leichte Weg, der dem Begabten viel Mühe und Konzentration erspart. Vor allem solche Zauber, die mächtige Gewalten erschaffen, Menschen beeinflussen oder Begehrlichkeiten und Emotionen beherrschen, besitzen einen starken Kraftfluss über Gam.

Tolodine sagt: Siehe, Gam ist die Leidenschaft. Unterwerfe Gam deinem Verstand, aber beraube Gam nicht seiner Kraft. Von dort kommt der Ansporn zur Tat, zur Entfaltung und zur Veränderung der Welt. Ba ohne Gam ist der ruhende, untätige und absolut klare Verstand. Gam ohne Ba ist das Kind, das sich im Spiegel nicht selbst erkennt. Fasse dir auf dein Herz und greife tätig aber beherrscht in die Welt.

2.6  Lam, die Scham

Das Geschlecht ist Sitz des Triebes und als solcher ist Lam der Hauptkraftpunkt der Schattenseiten des Menschlichen. Das triebhafte Verlangen nach Weib und Mann, nach Überleben um des Überlebens willen und dem blinden, entmenschlichten Dahinziehen durch die Welt. Nekromantie, Sexualmagie, archaische Blutmagie, Geistbeeinflussung und aggressive Beherrschung bedient sich stark an Lam.

Tolodine sagt: Du warst nicht immer reiner Geist, erinnere dich! In Lam ruht der Ruf des Tieres, der sich des Leibes bemächtigen will. Es ist die dunkle Pforte der abgründigen Leidenschaften. Wo Gam Mensch-Sein ist, ist Lam Tier-Sein. Erkenne und überbrücke die Abgründe in dir. Was von dort dir als astrale Kraft aufsteigt, muss durch Herz und Kopf geläutert werden, oder Alif wird dich verlassen.

2.7  Ha'Ba und Ha'Alif, rechter und linker Fuß

Die Füße sind ungelenk verglichen mit den Händen, aber das Fundament der Existenz. Die Füße sind die Erdung des Menschen, seine profane Gebundenheit an die Grenzen von Raum, Zeit, leibliche Hülle und begrenzter Zweidimensionalität. Der wichtigste Beitrag dieser Hauptkraftpunkte ist die Relation, die Relation zu den anderen Kraftflusspunkten. Meditative Haltungen, ritueller Tanz und Körpersomatik leben von der Kraft der Relation zwischen allen Kraftflusspunkten. Darüberhinaus zieht der arkane Verstand über Ha'Ba und Ha'Alif astrale Kraft aus der Erde in den Astralleib, doch diese Funktion ist ausser in der Naturmagie eher passiv und sekundär.

Tolodine sagt: Mit beiden Beinen stehst Du auf der Erde Abeir-Torils, aber Alif erhebt dich zum Gott. Habe einen festen Stand, aber auch einen unendlich weiten Sprung. Ha'Ba und Ha'Alif zu meistern, bedeutet die Bewegung des Selbst zwischen Himmel und Erde zu meistern.

3.  Kraftlinien und Manipulation

Der Astralleib wird über die unlängst beschriebenen Hauptkraftpunkte maßgeblich definiert, doch freilich nicht umfassend. Es gibt weitere, zahlreiche Nebenkraftpunkte, von denen später die Rede sein wird. Und all jene liegen mit den erstgenannten auf festen Pfaden des Astralleibes. Diese Pfade sind wie die ewig gleichen Laufbahnen der Gestirne, doch kann man sie entgegen jenen verändern und beeinflussen. Diese Pfade werden Kraftlinien genannt. Viele dieser Linien können auf den profanen Leib des Menschen eingezeichnet werden. Viele jedoch verlassen ihn und umfassen uns wie die Umlaufbahnen von Trabanten am Gestirn. Auf diesen Pfaden und über die Kraftflusspunkte hinweg, fließt nun unendlich der Strom des Gewebes wie in festen Bächen und Flüssen und das Arkane Vermögen (matrix arcana) ist der Stellwart für Schnelle, Pegel und Flussrichtung des Gewebes durch unseren Astralleib.

Manipulation des Gewebes erfolgt nun auf sehr verschiedene Art und Weisen. Für diese Abhandlung kann nur eine wichtig sein: die Manipulation durch indirekte Leibesbewegung oder direkte Veränderung des Astralleibes qua Arkanem Vermögen. Hierbei ist nun offenbar, warum Tolodines Kraftflusstheorie nicht nur eine Theorie der Somatik ist, sondern eine Theorie des Astralleibes und der Kraftflusskontrolle überhaupt. Die vorzüglichen Mittel dieser Manipulationsweisen sind nun: die Konzentration, die Meditation, die Leibesbewegung, die Gestik der Hand und das Wechselspiel von Bewegung und Relation der Kraftflusspunkte. Da Meditation und Konzentration allgemeine Grundlagen der Kraftflusskontrolle sind und damit an anderer Stelle vertieft behandelt werden müssen, verbleiben wir im Folgenden mit den Instruktionen im Bereich der Letztgenannten.

3.1  Instruktion zur Leibesbewegung

In diesem Abschnitt werden Theorie und Übungsweisen zur Leibesbewegung gegeben. Entgegen der ersten Vermutung geht es nicht nur um Bewegung des fleischlichen Leibes, sondern auch grade um eine Bewegung des Astralleibes, d.h. die Veränderung von Kraftflusslinien und ihrer Eigenschaften.

3.2  Instruktion zur Gestik der Hand

Umfangreiche Übungen für komplexe Handgesten werden gegeben, sowie komplizierte Ausführungen über die innere Struktur der Hauptkraftpunkte Dal'Ba und Dal'Alif. Für vierundzwanzig Grundlagenzauber werden Anleitungen zum Erlernen der Handgestik gegeben.

3.3  Instruktion der Körperhaltungen und Relationen

Rituelle Haltungen, Tänze und Bewegungsabläufe werden erklärt und detailliert. Insbesondere werden die Wirkmechanismen von Meditationshaltungen auf den Kraftfluss thematisiert. Die Relationslehre der Hauptkraftpunkte schlägt eine Brücke zur Geometrie bzw. Magie von Form und Symbol.

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Kathaphaia
A.M. zal Alza Qaam Calim


Autor: Letos