Der Weg zur Unsterblichkeit: Verschmelzung von arkaner und diviner Magie
Autor:Tarik Karayan
Verfasst:1388 TZ
Form:Vortragsprotokoll
Sprache:Chondath
Anspruch:mittel
Zugang:Arkaner Zirkel, offen

Werte Hörerschaft, ich danke für das Interesse an der Materie. Lasst euch gesagt sein, dass der Titel lediglich einen kleinen Teil des Spektrums abdeckt. Jedoch ergibt es sich, dass ich im Zuge meiner Studien und Experimente, und insbesondere meines Glaubens nach dem ewigen Leben suche. Ich denke, den Schlüssel gefunden zu haben, den Weg dorthin. Und jenen will ich Euch nun ausführen.

Zuerst als Erklärung zu meinem Werdegang. Ich bin ein Kleriker des Magiegottes Velsharoon. Seine Domäne deckt vornehmlich die Nekromantie ab. Als Diener des Azuth ist er Mystra unterstellt, und sein Sitz befindet sich in Dweomerherz. Ein Teil des Ganzen, könnte man sagen. Ein Teil jener Götter, die über das Schicksal der Magie wachen. Doch was nutzt es, Magie zu kennen, wenn man sie nicht wirklich begreift? So war der Schritt zum arkanen Studium nicht weit. Und währenddessen hatte ich einige Einsichten, die über das Studium hinausgingen. Zusammen mit den Weisheiten des Alters und den Erfahrungen des bestehenden schloss ich auf etwas weitaus Grösseres. Der Magie als Gesamtheit.

Die arkane und die divine Magie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Art, sie herbeizuführen. Nicht nur muss für die divinen Zauber gebetet, der Gott angefragt werden, dem man dient, und der Glaube rein und echt sein. Nein, auch das Auslösen des Zaubers selbst ist anders, als jene Formel zu Ende zu bringen, wie sie arkane Magier nach langem Vorbereiten tun. Wie man arkane Magie wirkt sollte den meisten hier geläufig sein. Lasst mich jedoch noch einmal betonen, dass es der Wille ist, der sie formt, aus dem Gewebe, durch Formel und Geste, Worte und einstudierte Art. Dazu kommen Grenzen und Kategorien, einzelne Zauber und Fähigkeiten, die sich auf eine der beiden Wirkungsarten beschränken.

Wo die Arkanen die Permanenz, den Finger des Todes, die Vampirhand oder die Formung reiner Energie besitzen, können Priester Tote wieder erwecken und Wunden heilen. Beides ist der jeweils anderen Wirkungsart nicht gestattet, nicht möglich. Es herrscht eine Barriere, die nicht durchdrungen werden kann, so scheint es.

Doch es gibt auch Schnittstellen zwischen diviner und arkaner Magie. So ist bekannt, dass Klangmagie der arkanen Sänger ebenfalls auf die Heilung zugreifen kann. Viele Zauber können auch auf beide Arten mit demselben Effekt, ja derselben Einwirkung auf das Gewebe gewirkt werden. Auch die Magiedomäne, zu welcher Priester der Magiegötter Zugriff haben, erlaubt eine solche Schnittstelle. Ein Priester, der es schafft, sich wie ein Arkaner ein Magiefeld aufzubauen, das ihn schützt, oder ein Gottesstreiter, der reine Energie formen kann. Doch dies ist nur eine scheinbare Freiheit. Wir sehen sie im Zauber des begrenzten Wunsches für Magier gespiegelt. Er garantiert die Aufhebung der Barriere, mit viel Aufwand und Kraft. Auch das Abschreiben von Zaubern sowie das Wesen der Metamagie gibt uns Aufschluss über die Ähnlichkeit der beiden Wirkungsarten. So können Zauber von einem Priester niedergeschrieben werden, die ein Magus mit etwas mehr Aufwand zu entschlüsseln und zu übertragen vermag. Und die Metamagie wirkt auf beiderlei Wirkungsarten auf dieselbe Art, beherrscht man einmal die Umformung des Gewebes.

Es fragt sich also nun, was die Vorteile der divinen und der arkanen Herangehensweise sind. Natürlich soll gesagt sein, dass keiner der beiden Wege einfach ist. Die arkane Magie birgt den Vorteil der Forschung. Selbst wenn alle bekannten Zauber das Buch füllen und zur Gänze beherrscht sind, kann ein Magus sein Repertoir erweitern. Solange eine Formel gefunden wird, ob abgeleitet oder ergänzt, sind immer neue Zauber möglich. Dahingehend steht der divinen Wirkungsart alle von den Göttern erlaubten Zauber offen. Es ist nicht nötig, sie einzeln zu lernen oder sie abzuschreiben. Es ist nicht nötig sie zu erforschen oder sie zurückzuhalten. Wo auch immer der Herr oder die Herrin in den Gefilden der Götter es erlauben, kann nach entsprechender Bitte ein jeder Zauber gewirkt werden, der dem divinen offen steht.

Nun kommt das Wesentliche, nachdem erst die Unterschiede, dann die Vorteile herausgearbeitet wurden. Die Kombination der beiden Wirkungsarten führt zu einer ersten Aufhebung der Grenzen. Durch die gleichzeitige Gabe als Priester und Magus wird auf eine viel grössere und breitere Quelle der Macht zugegriffen. Es sind verschiedenste Zauber möglich, und mit genug Zeit und Ausdauer, im höchsten Idealfall, können alle überhaupt formbaren Zauber beherrscht werden. Durch die Ausweitung des Zauberbuchs durch Forschung auf der einen, dem umfassenden Zugriff auf der anderen Seite ist die Quelle der Magie erreicht. Doch noch werden sie getrennt, noch kann ein diviner Zauber nicht auf arkane Art gewoben werden. So ist es also diese letzte Grenze, die es noch zu überwinden gilt. Denn, und so komm ich auf die Hauptthese meines Vortrags: mit der Verwischung dieser letzten Grenze, der Kombination beider Arten auf jegliche Art des Zugriffs... lässt sich das ewige Leben erreichen, die Unsterblichkeit.

Wie, werdet ihr euch fragen. Die Antwort besteht in der Kombination. Die These der Permanenz, offenkundig eine arkane These, in Zusammenspiel mit den restaurierenden und lebenserhaltenden Gebetszauber der Priester sowie der These der Vampirhand oder anderen Entzugszaubern beiderlei Arten können eine Veränderung der Lebensenergie auf eine höchst effektive Weise bewirken. Wo jedoch Magus und Priester alleine nicht in der Lage sind, jene beiden zu verquicken, ist jener, der die Quelle der Magie gefunden hat, nur einen letzten Schritt davon entfernt. Noch ist es mir nicht gelungen, diese These in Experimenten sicherzustellen. Und so sei sie dem Plenum zur Diskussion freigegeben.


Autor:Layana