| Autor: | Lysander |
| Verfasst: | Lautwasser, 1389 TZ |
| Form: | gerollte Pergamentseiten |
| Umfang: | 2 Seiten |
| Sprache: | Elfensprache |
| Anspruch: | einfacher Abenteuerbericht |
| Zugang: | Offen im Velti'Enorethal |
1389Tz: Schlacht der Drei Schwestern
30. Hammer, im Jahre der Feinde denen vergeben wurde, 1389 Tz
Vorabend vor Mittwinter
Im vorherigen Tage hatten meine Kameraden vom Waldläuferlager am See, von einer freundlich gesinnten Geistererscheinung Warnung erhalten, dass drei Todesfeen sich erheben würden um über die Lebenden am südlichen Hochwald herzufallen. Da die Geisterscheinung uns bereits vor einem Jahr warnte und dies entrat, erkannte man ihren Worten Gewicht zu. Shanrae Mondsilber, Läuferin des südlichen Waldes, kümmerte sich um die Verbreitung der Warnung. Der Wald ward zu diesen Stunden bereits in Aufruhr. Tiere stoben aus ihren winterlichen Löchern. Ihr Verhalten ward apathisch, aggressiv und bei einigen nicht mehr unter der Kontrolle ihrer selbst. Meine Aufgabe ward es gewesen Schriften zu suchen im Velti'Enorethal zu Lautwasser. Ich stieß auf einen Bericht aus 1178 Tz, verfasst von einem Elfen, der mit seiner Gruppe Todesfeen mit dem Beinamen "die drei Schwestern" jagte. Die Anzahl mochte stimmen und die Beschreibung der entrückten Tiere als besonderes Merkmal ihres Wirkens.
31. Hammer, im Jahre der Feinde denen vergeben wurde, 1389 Tz
Mittwinter zur Morgenstund
Ermattet vom weiten Wege traf ich am Waldläuferlager ein um von den Schriften zu berichten. Vor meinem Auge tat sich eine nicht minder erschöpfte Versammlung auf. Mitgliedern der Armee Lautwassers, verschiedene Priester des Allgötterschreins, Paladine on der Flussstraße und Bewahrer des Waldes. Sie standen Seit an Seit. Bereits vor meiner Ankunft hatte eine der Todesfeen ihr schreckliches Antlitz erhoben um ihre Rache am Leben zu üben. Mit Schwert und Magie hatte man sich dem Wesen entgegengestellt. Es ward vertrieben. Vor allem Magie schien das rechte Mittel gegen diese Wesenheiten zu sein. Was den Bericht des Elfen bestätigte. Die Klinge ward gefragt gegen ihre Vasallen; Unschuldige Tiere deren Verstand nicht mehr der ihre war. Es kam die Einschätzung auf, dass die Schwestern der Todesfee es auf die Mine am Waldrand und auf das Umland der Nachtjagd abgesehen hatten. Die Götter allein mochten wissen, wie die Weisen zu diesem Ratschluss kamen.
Mittwinter zur frühen Mittagstund
Der lose Verband teilte sich. Die meisten der Heiligen zogen zur Nachtjagd, während die Bewahrer des Waldes dem Minenlager zur Seite eilten. Kadaver säumten unseren Weg. Erschlagen unter der Notwendigkeit sich der zu Bestien gewordenen Tiere zu erwehren. Am Minenlager ward noch keine der drei Schwestern gesehen worden, doch Unruhe machte sich selbst unter den dortigen Wachsöldnern breit. Wir verbargen uns hinter den Palisaden und Barrikaden. Bogenschützen auf Position, Frontkämpfer am Tore. Die unsägliche Stille eines lautarmen Waldes lastete auf uns. Das bange Warten zerrte, an unseren Gemütern. Obwohl der Tag seinem Zenit zustrebte zogen dunkle Wolken über uns auf. Schleierartig, in düsteren Schlieren bemächtigten sie sich dem Himmel, bis kein Strahl der Sonne den Boden mehr erreichte . Es waren keine Wolken eines Gewitters, sondern Boten des nahenden Grauens. Melran von Rabenblick gab dem wankenden Gemütern unter den Verteidigern einen Halt. Im Auge des aufziehenden Grauens war es der heilige Ritter, der ein Muster an Ruhe und Standhaftigkeit darbot. Man würde zum Wohle des Landes nicht weichen, selbst wenn das eigene Leben verwirkt gewesen wäre. Ein Wolf heulte wie zu Vollmondnächten, doch schaurig klang der Laut in unseren Ohr. Bären, Schreckenseber und anderes Getier stob aus allen Richtungen auf uns zu. Rasend vor Wut, die nicht ihre eigene war. Die Herzen der Waldhüter unter uns weinten um das vergehende Leben jedes einzelnen der mehreren hundert Tiere. Gerade als es gelang den lebendigen Wellen mit gezahltem Blutzoll Herr zu werden, erschienen zwei weibliche, durchscheinende Gestalten. Unsagbar schrecklich ihr Anblick. Nur mächtige Segnungen zum Schutz vor der Bosheit dieser Wesen, verhinderte das furchtvolle Verkümmern des Einzelnen. Allein durch einen Blick in die Untoten Fratzen. Ein Abbild der verstörenden, tödlichen Schönheit der Gier denen sie zu Lebzeiten erlegen waren. Wer sich nicht sicher war ob er es ertrug, wandte seinen Blick zur Seit. Mit Stimmen, kälter als die tiefsten Gräber des Nordens, erklang ihr Klagen:
Vor ihrem Klagen nützte nur Wachspfropfen für das Ohr, oder heil'ge Schutz vor dem todbringenden Wehgeschrei. Jene die lauschten ohne der Götter Schutz, zerrann das Leben unter den Fingern ihrer Seele. Nochmals bäumten wir uns auf. Entschlossen, Aug in Aug mit dem wandelnden Tod. Ergeben in unser Schicksal, erklomm der Mut der Verzweifelten unsere Herzen. Mit Magie aus arkanem Feuer, heilige Kräfte geboren aus reinem Lichte und geweihten Waffen erwehrten wir uns der Kreaturen. Pfeile flogen durch sie hindurch, Schwerter fanden kein fetzen Fleisch. Was blieb waren die magischen Wunden im Äther. Die Schwestern vergingen, oder flohen... Wir wussten es nicht, denn plötzlich ward Stille. Um uns herum die Kadaver ihrer unfreiwilligen Vasallen. Durch die Wolkendecke brach die winterliche Sonne und hüllte das Schlachtfeld in das längst vermisste Licht. Sieg. Nach kurzer Rast brachen wir zur Nachtjagd auf.
Mittwinter zur späten Abendstund
Bei unserem eintreffen waren bereits die tierischen Geknechteten in blinder Raserei über die dortigen Verteidiger hereingebrochen. Noch hielt man stand, obwohl der erste Tropfen Lebenssaft bereits den Boden benetzte. Es schien als haben die Todesfeen die Stärke erprobt, bevor sie zum wirklichen Angriff übergingen. Hatten sie aus den heutigen Gefechten gelernt? Denn just als wir uns in die Formationen an der Priorei der leuchtenden Hand eingefügt hatten, kamen erneute Wellen. Diesmal waren neben machtvollen Schreckenstieren auch die Elemente selbst, die sich dem unheiligen Ruf ergeben hatten. Beseeltes Wasser schnitt sich durch unsere Reihen. Lebende Erde schickte sich an unsere Knochen zu zermalmen. Wie nie ein enden wollender Erdrutsch brandeten sie gegen unsere Linien. Tiefe Dellen waren bereits in die schweren Panzer der Paladine getrieben. Blut floss in Strömen und das Leben entrann den Recken. Wasser kroch aus Brunnen und dem Erdreich hinter uns, um eine lebende Form anzunehmen. So fielen uns die Schergen in den Rücken. Die Formationen rieben sich langsam auf und nur die Diszipliniertesten unter uns schafften es das Tor in einer eisernen Verteidigungslinie zu halten, um damit das Hauptheer abzuhalten.
Es ward erneut Stille. Keine weiteren Elementare. Keine Tiere. Zögerlich gab man sich dem Gedanken an einen errungen Sieg hin. Man begann die zahlreichen Wunden zu versorgen. Hinter uns aber schlich sich das Grauen unsere Nacken hinauf und brachte uns dazu uns umzuwenden. Wir standen nun allen drei Schwestern gegenüber. Drei Todesfeen, vereint im Streben nachdem Leben zu gieren. Vereint um uns die Abgründe jenseits des Grabes uns vor Augen zu führen. Noch einmal galt es den Mut zusammenzunehmen, das Schwert zu ergreifen um ihre Existenz zu beenden. Die Kleriker waren nun mehr müde, ihre machtvollen Worte zu sprechen, doch gelang es ihnen bei ihren Göttern erneut um die nötigen Mächte zu bitten. Der heil'gen Ritter Schwertstreich durchtrennte die ätherischen Leiber der Todesfeen. Mit jedem Dahingehen einer von ihnen schien die anderen schwächer zu werden. Sie existierten zusammen und vergingen zusammen in einen Schrei, der selbst durch die dichtesten Ohren schallte und den tapferen Seelen ein Schnitt versetzte ehe sie verschieden. Kaum jemand der Recken würde dies vergessen. Weder Ainkhurn, noch Ritter, Priester oder Waldbewahrer. Verluste trugen wir davon und Wunden die über das körperliche hinausgingen. Wie tief sie schnitten, würde die Zeit zeigem.
Manch einer fragte sich wohl ob es das nun war...
...oder ob noch etwas hinter dem dunklen Horizont lauerte?
Es ward vorbei. Für diesen Tag.
~ Lysander "Blautuch" ~
Autor: Sundown