Die alte Gruft von Llorkh

Die Gruft beherbergte wahrscheinlich einen Großteil der verstorbenen Bewohner der Stadt, obwohl Bauern aus den Gehöften ihre eigenen Totenstätten pflegten und hier wohl auch weniger Fluss- und reiche Kaufleute zu finden waren. Die Händler hatten beispielsweise vor der Gruft selbst einige Gräber angelegt. Früher war dieser Grabstollen in besserer Benutzung gewesen. Der Südflügel erteilte immernoch eine schwache Auskunft darüber, ein verglimmendes Licht alter Tage. Der einzige Bereich, welcher von einer ganzen Reihe von Leuten weiterhin betreten und benutzt wurde, war der Eingangsbereich, mit einem kleinen, schlichten Schrein des Jergal. Alle anderen Kammern wurden größtenteils gemieden. Im Norden fanden sich größtenteils eine Reihe von leeren Gängen, welche jeweils in Lagerstätten von Toten endeten, für all jene, welche wohl keine Angehörigen verfügten oder deren Verwandtschaft das Verscheiden nicht kümmerte. Hier lagen auch viele, die nicht die Mittel einer angemessenen Bestattung besaßen. Die Gänge waren einfach in den Stein gehauen worden und gegebenenfalls abgestützt. Hier schien Zweckmäßigkeit die Mutter der Bemühungen gewesen zu sein. Die Haufen von Knochen und Überresten an den Enden der Gänge waren scheußlich anzusehen. Ohne Schutz für die Nase konnte einem hier schnell übel werden. In der größten Kammer, ganz im Nordwesten war auch die größte Ansammlung von Gebeinen. Das Loch im Boden kündete von der Anwesenheit eines oder mehrerer Tiere, welche sich hier wohl gütlich getan haben. [Wissen (Natur) SG 15] Das Werk der kleinen Tunnelgräber schien nicht länger in Benutzung zu sein. Hier gab es keine weiteren Auffälligkeiten. Es handelte sich um einfaches Gestein. Die Höhle war mit Spinnenweben und Pilzgeflechten übersäht. In den Kammern fanden sich zahllose Insekten und Kleintiere, welche der kalten Gruft zu trotzen vermochten. Die Körper waren größtenteils bis auf das Nötigste entkleidet. Es gab nichts wertvolles an ihnen, auch keine Kleidung. Eine Robe konnte im Winter wärmen und war vermutlich aus diesem Grund nicht darunter zu finden.

Viel interessanter schien der Südteil zu sein, der nicht nur prunkvoll angelegt worden war, sondern auch weiterhin gepflegt schien. In den ersten Kammern fanden sich nicht bezeichnete Gräber von vermutlich reichen Leuten. Doch da hier keine aussagekräftigen Inschriften zu finden waren und der Tod sicher bereits deutlich mehr als ein Jahrzehnt zurücklag, war kaum zu ermessen, wer diese Leute einmal waren und woher sie dieses Geld erwirtschafteten. In der Kammer von Vasallen und Getreuen verrieten Inschriften und Symbole deren Herkunft, welche nicht selten adlig war. Die Inschriften waren bei allen Gräbern der Hochgestellten, auch der Herrscher, in chondath und zwergisch angegeben. Es war nicht auszuschließen, dass hier beide Völker bestattet wurden. [Wissen (Adel) SG 25] Auch die Wappen der Bestatteten waren für Kundige von Interesse. Mittels der Kenntnisse in Heraldik ließen sich die Wappen, anhand des Wappenbildes, der Zier und Schildform, entweder dem Schwertadel zuordnen oder ließen eine Herkunft gewöhnlichen Kreisen vermuten. Hier waren es wohl vornehmlich Familien von Bergleuten gewesen, welche durch Treue und Verdienst in den Adelsstand herhoben wurden, erkennbar vornehmlich an den Wappenbildern und der sogenannten Gemeinen Figuren. Das Familiengrab musste eine wichtige Bedeutung für die Stadt widerspiegeln. Allerdings blieb genaueres im Dunkeln. Es war naheliegend, dass hier zumindest zwei Generationen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Für alle Gräber, mit Ausnahme der Herrschergräber galt, dass man kaum noch ergründen konnte, wer dort schließlich lag. Wohlmöglich hatte Llorkh einmal von Herrscherseite eine erschöpfende Nekrologie besessen, welche auch Vasallen und Gefolge umfasste. Doch diesen Werk schien verschwunden. Und so war weiteres der Phantasie überlassen. [Wissen (Geschichte) SG 20] Die Herrschergräber waren insofern aussagekräftiger, dass, Kenntnisse der Paläographie vorausgesetzt, die drei beigesetzten Herrscher allesamt menschlich waren und nicht aus der selben Familie stammten. Eine Verwandtschaft lag weder in Hinblick auf ihre Namen, noch auf ihre Wappen nahe. Fakt war, dass es sich um die drei Vorgänger des Phintarn „Rotklinge“ handelte.

Es ließ sich rasch ergründen, dass ein alter Mann, halb blind, sich um die Gräber im Südflügel kümmerte. Er wusste mehr über den Grabstollen, wollte aber nur auf gezielte Fragen eingehen. Der Mann nannte sich Omvolt und nichts weiter. Sollte man ihn befragen, antwortete er gleich, dass alle Details nur einem alten Zwergen bekannt waren, der Thianos Eisenschädel hieß und Priester des Moradin gewesen sein soll. Doch vor langer Zeit wurde dieser von Geldarr Ithym aus der Stadt verbannt und nie wieder gesehen.