Betreuende Spielleiter: Papsti, Couatl24
Von dem Orte Orlebar
Um sich selbst ein Urteil über die Geschehnisse und die Atmosphäre des zerstörten Dorfes Orlbar zu machen, sei dem geneigten Leser folgender Auszug aus dem Brief des Weinhändlers Gunboldt Ularis Erkenhaimer an seinen Schwager in Tiefwasser ans Herz gelegt. Meister Erkenhaimer fasst die häufigsten Phänomene rund um Krater und Dorf durchaus gründlich zusammen, auch wenn seine Sicht der Dinge natürlich die eines belesenen Laien ist. Da aber auch magische Untersuchungen des Unglücksortes wenig mehr als eher schwache, formlose arkane Auren zu Tage fördern konnte, mögen Erkenhaimers Ausführungen durchaus genügen, um sich ein erstes, wenn auch nur oberflächliches Bild zu machen.
[...] Wenn dhu aber den Flusse Delimbiyr entlang reisesth, wertiger Schwager, so meidhe denn den Orthe Orlebar. Hiero findigt sich ein klaffendh Loch im Leibe der Erdh, wo einsth wohl ein beschaulich Weiler standt. Heuth weiset es dem Wanderer ein gar schauerlich Bildte. Die hölzrighen Resthe Orlebars ragen wie althe, aschigh Knochen in ein traurighen, trostlosigen Himmel. Es riecheth nach verbrannthem Fleische unth manches Mhal, so glaubesth du, höreth man gar das Wehklagen der armen, braven Hirthen unth Baurigen.
Doch weith grausiger, der Sonnenfürsthe bewahrige uns, sinth die riesig Feuer, die noch immer nichth erloschen unth nun die Erdh selbst verzehrigen, so wollthe es mir scheinen. Diese Feuer seien wahrliglich unheilig, denno sie werfen Schatten, die nicht gehorchigen jenen, dheren Abbild sie doch sindh. Sie thanzen wie ein Theufel und verhöhnen dich odher gefrierigen einfach gänzlich unth tuen nichts, was du auch tuen mögesth.
Dieses habigh ich selbsth gesehn unth spüre noch immer dero Grauen in meinigen Knochn. In Orlebar fühlesth du dich stettig besehen von unsehbarigen Augn die weilen überalle, nur dorthe nicht, wo du geradhe magst hinblickn.
Icho habige verlassn bald dhiesen Ort voll kalthlichen Schauer doch erzähln die Leuth noch andrige Geschichtn, die ich früher verlacheth, nun aber wohl glaubn magh.
So berichthe mir einer dero Waldläufrighen, dath manches Malig die Flammen schlaghen auch aus fremdlichen Körpern, unth seien es jenighe des armen Wanderers, der setzthe den Fusse falsch.
Ein andriger Reisiger aus dhem Silbrigmondischen erzähligte von dero Wilden Jagdte, die da seih über Orlebar gekommeth, mit allem Schreckhen von Wolfhe und Hundth. Auch von riesighe Rattigen berichthete er, dasso mir gänzlich anders werdhen wurdth. So magh manches Malig ein Reisiger gejagdth werden von einem schrecklich Ungethüm mit scharfen Zähnen unth Augn, die leuchtigen wie die Öfen dero Hölln. Auch anrigh schauerliches Unthier mag dorth gefunden sein unth die Erdh selbst formeth Laiber, auf dasso sie den Unbedachten verschlingen.
Von einem düstren Manne aus dero Zhentstadte Llorkh erfuhre ich, dasso die Leuth hier sagn, dasso ein grünlich brenndher Sterne vom Himmel stürzthe unth den Todh in Orlebar schmetterthe. Er redigthe von vielen Städtn, Gruppen und Tempeln, die nun schickthen ihrige Mannen nach Orlebar, zu berghen diesen Sterne unth so mögesth du auch weniger schaurighe, aber rauhe Gesellen dorthig antreffn.
Niemals rathige ich dir, Dorfe und Krather zu Nahe zu treten, auch wenn deinige Karren müssen fahren einen Umweg von dero Fünf oder Sieben Meiligen.
Ein Fuhrmanne aus Lautwasser sagthe... [...]"
Die Geschichte des Ortes
Früher einmal...
Bis hinein in das Jahr 1382 nach Taliser Zeitrechnung war die Welt für das beschauliche Dörfchen Orlbar und seine Bewohner noch in Ordnung. Die 450 Seelen, die diesen Weiler bewohnten, gingen ihrem (mehr als) gewöhnlichen Tagwerk nach, verdingten sich als einfache Bauern oder Handwerker. Nur selten einmal passierte es, dass ein Fremder in den Ort kam, oft waren es Abenteurer, auf der Suche nach den Gemäuern aus nesserischen Zeiten, die es Gerüchten zufolge in dieser Gegend gab. Nie jedoch wurde bekannt, dass irgendjemand diese Überreste hätte finden können, so verließen die meisten Gäste Orlbar meist rasch wieder, konnte es außer einem Dach über dem Kopf und einfachem Essen doch nichts bieten.
Doch dann...!
Als es im Jahre 1382 schließlich Tarsak wurde stürzte ein brennender Stern hinab auf die kleine Siedlung, löschte sie mitsamt ihrer Bewohner praktisch zur Gänze aus. Was blieb, war ein enormer Krater, der die Einschlagstelle des Kometen markierte, brennende Überreste dessen, was zuvor einmal Hütten und Höfe waren, sowie das eine oder andere Phänomen, das sich nicht bloß durch die enorme angerichtete Zerstörung erklären lässt. Nicht nur, dass Stämme von Orks und Goblins die ersten waren, die sich diese unwirtliche Gegend zur Heimat machen, es krochen auch Wesenheiten an das (von Staub und Nebel verdeckte) Licht der Sonne, von denen man bis dahin noch nicht einmal in den wildesten Geschichten hörte.
Und jetzt?
Seit dieser Katastrophe hört man nur mehr wenig aus dem ehemaligen Dorfe, und die Informationen, die aus der Kraterlandschaft herausgetragen werden, kommen meist nur ganz bestimmten Adressaten zugute. Sowohl die Städte Llorkh als auch Lautwasser haben ihrerseits Expeditionen in das Gebiet gestartet und die eine oder andere Erkenntnis gewonnen. Auch so mancher Abenteurer versucht sich auf eigene Faust, der eine auf der Suche nach Ruhm und Ehre, der andere auf der Suche nach Gold und Wunderlichkeiten. Insbesondere von Vertretern letzterer Gruppe mag allerdings zu hören sein, dass das Gebiet um das frühere Orlbar nun wirklich kein einladendes ist und man sich recht bald eine blutige Nase holt - oder Schlimmeres.
