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1. Was ist der Kodex eines Paladins?
Jeder Paladin folgt einem strengen Verhaltenskodex, den er in den Zeiten seiner Ausbildung verinnerlicht hat. Andere Klassen mögen sich zwar ebenso selbstgewählte "Verhaltensregeln" auferlegen, im Unterschied zu diesen, kann ein Paladin aber nicht ohne Konsequenzen seinen Kodex brechen, da dies - je nach Schwere und/oder Häufigkeit seiner Fehltritte - früher oder später dazu führt, dass ihm seine besonderen Fähigkeiten durch seine Gottheit entzogen werden. Üblicherweise spricht man in diesem Zusammenhang dann davon, dass der Paladin "fällt".
Somit ist der Kodex nicht nur zentraler Bestandteil eines jeden Paladins, die Türangel, um die sich sein gesamtes Leben neben dem Dienst an seiner Gottheit dreht, sondern auch ein zentrales Unterscheidungsmerkmal - und damit auch Anreiz - dieser Klasse.
2. Wie ist der Kodex eines Paladins aufgebaut?
Der Kodex der Paladine besteht im wesentlichen aus kurzen und prägnanten Merksätzen, ähnlich den zehn Geboten der Bibel. Ein Grundstock an solchen Leitsätzen sind dabei allen Paladinen gemeinsam, jedoch formulieren viele Paladine im Laufe ihres Lebens noch zusätzliche Regeln, meistens um allgemeine Leitsätze, wie "sei großzügig" für sich selbst ganz persönlich zu spezifizieren. Die Grundleitsätze werden noch weiter unten vorgestellt.
3. Gibt es unterschiedliche "Arten" den Kodex zu brechen?
Ja, die gibt es. Ein Paladin kann grundsätzlich auf drei verschiedene Arten seinen Kodex brechen und dementsprechend variiert auch die "Schwere" des Bruches. Um ein extremes Beispiel zu nennen: Es macht einen Unterschied, ob der Paladin einen unschuldigen Mann tötet, von dem er glaubt, dass er ein Massenmörder ist, weil er zuvor geschickt getäuscht wurde oder ob er einfach aus Spaß an der Freude den nächstbesten Mann niederstreckt. Die drei verschiedenen Möglichkeiten wären:
- unabsichtlicher Bruch: Die wohl häufigste Art des Fehltrittes. Auch die Paladine sind nur sterbliche Wesen und machen unbewusst Fehler, fallen auf Betrüger herein oder handeln aus Unwissen heraus. Die fehlende Absicht mindert zwar die Verantwortung, die den Paladin trifft, ab, jedoch lässt sie sie nicht vollständig verschwinden. Frei nach dem Motto: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht." Auch wird dem Paladin ein unabsichtlicher Bruch eher verziehen werden, als die zweite Art, der absichtliche Bruch.
- absichtlicher Bruch: In diesem Fall begeht der Paladin die Verfehlung im vollen Bewusstsein. Er weiß, dass er sein Gelübde damit bricht. Er weiß, dass es womöglich für diese Tat Konsequenzen gibt und nimmt diese - aus welchen Gründen auch immer - in Kauf. Es gibt somit keine "mildernde Umstände", außer es handelt sich um den Spezialfall der dritte Möglichkeit des Bruches: der notwendige Bruch.
- notwendiger Bruch: Der notwendige Bruch entsteht dann, wenn ein Paladin im vollen Wissen den Kodex bricht, es dafür aber verständliche und unumgängliche Gründe gibt: Im Zweifel steht immer das Gute vor dem Gesetz. Dem Paladin kann ein Bruch auch nur dann als "notwendig" gewertet werden, wenn er die Verantwortung und die mögliche Strafe voll und ganz mit Würde und Ehre auf sich nimmt. Ein Beispiel aus der realen Welt hierfür wäre: Ein Mönch hat ein ewiges Schweigegelübde abgelegt. In seinem Kloster kommt es in der Nacht zu einem Brand - um seine Brüder darauf aufmerksam zu machen, läuft der Mönch laut "Feuer! Es brennt!" schreiend durch die Gänge. Er bricht also sein Gelübde in vollem Wissen (das "Gesetz"), um seine Brüder vor dem Feuertod zu bewahren ("das Gute").
4. Gibt es eine Möglichkeit Verfehlungen zu sühnen?
Die gibt es natürlich. Solange ein Paladin noch nicht "gefallen" ist, hat er stets die Möglichkeit sich seiner Vergehen zu besinnen. Das Wichtigste daran ist, dass er es ernst und ehrlich meint. Nur in diesem Fall mag seine Gottheit die Reue auch anerkennen. Die Form dieser Reue liegt dabei meist vollständig in den Händen des Paladins, auch wenn er durch Gebet oder durch die Unterstützung eines Klerikers dazu Führung und Hinweise erhalten kann. Anders sieht es schließlich aus, wenn ein Paladin bereits gefallen ist. In diesem Falle reicht einfache Reue nicht mehr aus. Zwar gibt es Fälle in denen gefallene Paladine durch das Ausführen einer gottgefälligen, langwierigen Aufgabe von selbst ihre Fähigkeiten zurückerhalten haben, aber der größere Teil der gefallenen Paladine ist auf den guten Willen der Priesterschaft angewiesen. Diese kann mit dem Zauber Buße? die Kräfte des Paladins wiederherstellen. Da dieser Zauber aber auch für den wirkenden Priester mit Nachteilen verbunden ist, wird er niemals leichtfertig und schon gar nicht Uneinsichtigen gewährt werden.
5. Der Grundstock der Leitsätze des Kodex
Folgende Grundsätze sind allen Paladinen gemein. Jeder von ihnen ist angehalten und verpflichtet sie zu befolgen, auch wenn es bei einigen durchaus großen Interpretationsspielraum gibt. Wieder einer der Punkte, der den großen Reiz der Klasse und auch die Vielfältigkeit innerhalb der Paladine ausmacht. Auch werden manche der spezifischeren Punkte für den einen oder anderen Paladin einfach im "täglichen Leben" weniger Rolle spielen. Im Endeffekt muss jeder Paladin einige Grundsätze auswählen, denen er besonderes Augenmerk schenkt, ohne jedoch die anderen zu vergessen. Es ist die ständige Schwebe zwischen den einzelnen Grundsätzen, die sich in manchen Fällen sogar widersprechen, die, die besondere moralische Schwierigkeit dieser Klasse ausmacht.
Sei großzügig.
Jeder Paladin ist dazu angehalten den Bedürftigen zu helfen. Das heißt natürlich nicht, dass er sein letztes Hemd spenden muss - alleine schon deshalb nicht, weil er sonst seinen anderen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnte. Aber ein Paladin sollte zum Beispiel sehr wohl seine Feldflasche mit seinem durstigen Kameraden teilen und zumindest hin und wieder eine Münze für einen Hungerleidenden übrig haben.
Sei bescheiden.
Jeder Paladin soll sich selbst als einen bescheidenen Diener einer höheren Macht sehen und nicht mit seinen Erfolgen und Taten über Gebühr prahlen.
Sei ein treuer Kamerad.
Jeder Paladin soll zu seinen Kameraden und Gefährten stehen als wären sie Familie. Niemals soll er ihr Vertrauen missbrauchen und auch in schlechten Zeiten zu ihnen stehen.
Sei stolz auf deine Herkunft.
Jeder Paladin soll, egal ob Bauernsohn oder gar von königlichen Geblüts, soll seine Familie in Ehren halten, denn er folgt einer heiligen Aufgabe, die durch Vorurteile nicht aufgehalten werden kann.
Sei ein wahrer Anhänger deiner Kirche.
Jeder Paladin soll voller Vertrauen seiner Religion folgen. Das heißt nicht, dass er den sterblichen Kleriker blind folgen soll, im Gegenteil, solange er den wahren Glauben verteidigt, ist er sogar verpflichtet gegen mögliche Missinterpretationen vorzugehen.
Sei lieber tot als entehrt.
Jeder Paladin soll lieber sterben als ein Wortbrecher, Lügner, seine Gottheit oder den Kodex selbst zu entehren.
Sei der Verteidiger der Schwachen und Unschuldigen.
Jeder Paladin soll das Schwert und Schild für jene sein, die schwächer sind als er. Zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Sei der Schild deiner Kirche.
Jeder Paladin soll seine Kirche verteidigen, dabei ist es egal ob im Kampf oder im Wortgefecht, denn stets ist er dazu bereit.
Sei das Schwert gegenüber dem Bösen.
Jeder Paladin soll das Böse, in all seinen monströsen Formen, bekämpfen. Dies gilt besonders für Untote, Dämonen und andere Kreaturen des reinen Bösen. Aber auch z.B. das Predigen gegen die bösen Götter zählt zu diesem Grundsatz.
Sei niemals blind vor Zorn.
Jeder Paladin soll auch im Angesicht der schlimmsten Beleidigungen und Untaten zumindest einen Rest von Vernunft, ja stets einen kühlen Kopf, bewahren.
Sei ehrenvoll im Angesicht des Todes.
Jeder Paladin soll dem Gegner, der ihm die tödliche Wunde beibringt, ehren. Er bettelt nicht um Gnade, sondern akzeptiert, dass seine Zeit gekommen ist.
Sei stets sittenhaft.
Jeder Paladin soll sich als Bastion der guten Sitte, als Bollwerk der Zivilisation sehen. Jedoch ist hier genauso wie überall auch Bescheidenheit gefragt, nichts ist schlimmer als lächerliche Extreme!
Sei voll von Ehre im Gefecht.
Jeder Paladin soll sich an bestimmte Ehrenhaftigkeiten im Kampf halten. Faule Tricks, Gift oder unnötige Grausamkeit entsprechen nicht dem Bild des ehrenvollen Kämpfers. Im Duell hält er sich an die zuvor ausgemachten Regeln, selbst dann, wenn es der Gegner nicht tut. Das heißt jedoch nicht, dass ein Paladin keine taktischen Hinterhalte, Täuschungen oder Überraschungsmomente verwenden darf. Im Gegenteil! Sie sind wesentlicher Bestandteil der Kriegskunst und werden daher hoch geschätzt, da sie von militärischem Genie zeugen. Paladine sind erfüllt von Ehre nicht Dummheit.
Sei erfüllt von Liebe für dein Land und seine Bevölkerung.
Jeder Paladin soll - nachgereiht seiner Verpflichtungen gegenüber seiner Kirche - auch seiner Heimat Folgschaft leisten. Dies mag entweder dem Herrscher und sollte dieser ein Tyrann sein dem Volke selbst gelten.
Sei der Feind der Feinde deiner Kirche.
Jeder Paladin soll den Feinden seiner Kirche entgegenstehen, ja sie aktiv bekämpfen. Er ist ein heiliger Krieger im Dienste seiner Kirche.
Sei stets an der Seite deiner Gefährten. Verlasse sie niemals.
Jeder Paladin soll bis zum bitteren Ende an der Seite seiner Gefährten bleiben. Niemand! Niemand wird zurückgelassen. Und wenn es seine Seele selbst kosten sollte, ein Paladin würde alles geben, um einen gefangenen Freund zu befreien.
Sei niemals unsicher. Führe jede ehrenvolle Aufgabe zu Ende.
Jeder Paladin soll keine Aufgabe unerledigt lassen, besonders keine Mission oder Dienst an seiner Kirche.
Sei gerecht und greife niemals einen Unbewaffneten an.
Jeder Paladin soll dem Feind die Möglichkeit einräumen zu seiner Waffe zu greifen und sich ehrenvoll zu verteidigen. Magie, natürliche Waffen, wie Klauen, oder die Fäuste von Mönchen zählen definitiv zu Waffen.
Sei vertrauenswürdig. Betrüge niemals das in dich gesetzte Vertrauen.
Jeder Paladin soll ihm anvertraute Geheimnisse mit ins Grab nehmen, bevor er sie jemanden verrät. Selbst der Tod oder die Folter entreißt ihm kein im Vertrauen gesprochenes Wort.
Sei vorsichtig und verletze niemals die Unschuldigen.
Jeder Paladin soll um jeden Preis verhindern, dass er seine Hand gegen Unschuldige erhebt. Dies betrifft vor allem Kinder, Alte, Kranke und Schwangere.
Sei stets ehrlich. Breche niemals dein Wort und Lüge nicht.
Jeder Paladin soll verhindern, dass er jemals wortbrüchig wird oder lügt. Denn das Wort des Paladins ist Ehre und Ehre sein Leben.
Sei standhaft. Fliehe niemals vor dem Feind.
Jeder Paladin soll bis zuletzt kämpfen. Das heißt natürlich nicht, dass ihm taktischer Rückzug verboten wird oder dass er sich in selbstmörderische Gefechte verwickeln lassen muss. Er soll nicht draufgängerisch sein, aber eben auch nicht feige.
Sei wahrhaftig in Wort und Tat.
Jeder Paladin soll bereit sein seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Leere Drohungen sind nichts für Männer von Ehre. Wenn er aber droht, so soll es auch sehr, sehr ernst genommen werden. Kein Paladin soll sich aus einem Streit oder Kampf zurückziehen, außer sein Standpunkt ist bewiesen falsch oder das Einsehen der Niederlage ist von großer Wichtigkeit.
Sei ehrfürchtig gegenüber den Schwachen.
Jeder Paladin soll auch die Schwächeren in Ehren halten. Egal ob es sich um geistige, körperliche oder sogar spirituelle Schwächen handelt.
Sei respektvoll gegenüber den Autoritäten.
Jeder Paladin soll gegenüber den Regierungen, Beamten, lokalen Kirchen respektvoll sein, selbst wenn sie korrupt sind oder Gehorsam und Respekt nicht verdienen. Im Zweifel schuldet er den Respekt der Position, wenn es gegenüber der Person unmöglich ist.
Sei der Bannerträger von Freiheit, Gerechtigkeit und allem, das gut ist.
Jeder Paladin soll gegen Ungerechtigkeiten und Beschneidung der Freiheit einschreiten. Er ist verpflichtet diese Situation aufzuklären.
Sei eingedenk deiner weltlichen Verpflichtungen, solange sie nicht mit den göttlichen im Widerspruch stehen.
Jeder Paladin soll seine weltlichen Pflichten erfüllen, sei es, die eines Grafen, oder sei es, die eines Lehrers, solange er dadurch nicht seine Verpflichtung gegenüber den Göttern vernachlässigt.
6. Rechtschaffen gut ist nicht gleich rechtschaffen dumm!
Trotz dieses engen "Verhaltenskorsetts" soll der Satz dieses Kapitels niemals vergessen werden. Nur weil sich Paladine hohe moralische Verpflichtungen auferlegen, sind sie noch lange keine blinden Fanatiker. Obwohl sie per Definition schon eigentlich Helden sind, werden sie nicht mit Stufe 2 in die nächste rote Großdrachenhöhle reiten, um den dortigen Drachen niederzustrecken.
Genauso verhält es sich mit seiner Mildtätigkeit. Nur weil er einen besonderen Hang zur Freundlichkeit hat, lässt er sich nicht einfach ausnützen. Weder finanziell, materiell und auch nicht in seiner Person.
Diese Dinge sollte man im Kopf bewahren, wenn man einen Paladin oder mit einem Paladin spielt. Der Kodex ist da, ja. Aber genauso ist der Kopf mit dem gesunden Menschen/Zwergen/Halblings/wasauchimmer Hausverstand.
7. Quellen
- The Quintessential Paladin?, p. 90-97 u. 119.
- Spielerhandbuch, p. 42-46.
- Defenders of the Faith, p. 9.
Autor: Funagor