Die Unruhe der Toten

In den Jahren 1383 und 1384 TZ kam es in der Nähe des Handelshofes im Unterreich zu massiven Zwischenfällen mit untoten Kreaturen. Diese Zwischenfälle beeinflussten den Handel und das Geschehen am Hof maßgeblich und reichten sogar bis an die Oberfläche hinauf.

Untote Bedrohung

Die Präsenz untoter Kreaturen am Handelsweg hinauf durch die Gebein- und Tropfsteinhöhlen stellten schon 1381 TZ ein lästiges Problem und eine zunehmende Bedrohung für den Handel zwischen Oberfläche und Handelshof dar. Diese Region des Unterreichs schien unter einer starken untoten Unruhe zu leiden, die bisweilen den Handelshof unter belagerungsähnlichen Zustand brachte. Ende des Monats Hammar im Jahre 1382 TZ eskalierte dies sogar an die Oberfläche. In der gesamten Region schienen unbefriedete Tote das Unterreich zu verlassen und über Gehöfte, Dörfer und Städte herzufallen. Zwar war dieses Ereignis keine massive Bedrohung, aber doch ausreichend um den Blick von der Oberfläche forschend nach den Ursachen schweifen zu lassen. Als diese Blicke sich dann dem Unterreich zuwendeten, waren auch die Interessen des Handelshofes tangiert. Man begann nachzuforschen.

Die Vampirbrut der Gebeinhölen

Die in den Gebeinhöhlen entdeckten Anzeichen liessen alsbald keinen Zweifel, dass sich eine boshafte, untote Präsenz dort eingerichtet hatte und wesentlich für die Unruhe der Toten verantwortlich war. Eine Vampirin nutze die uralten Krypten der Gebeinhöhlen als Ruhestatt und es schien, als sei dort die Welt der Toten durchlässiger in die Welt der Lebenden als Andernorts.

Es war die Faeress Xazstra Arab'sek?, eine aufstrebende Zauberin am Handelshof, die um diese Angelegenheiten einen zweifelhaften Ruhm erwarb. Die Gerüchte sagten, es sei der Wolf zum Schäfer gemacht worden, als der Handelshof dem Urteil und den Fähigkeiten der Nekromantin vertraute und ihr die Beilegung dieses Problems überantwortete.

In den Folgemonaten wurde mit Kampf und Diplomatie versucht die untote Bedrohung für den Handelshof zu beenden. Dabei zeigten sich Gewaltunternehmungen als eine schlechte Option. Zuerst endete ein Angriff auf die Vampirin im Kytorn 1383 TZ für die Merkantilergarde in einem Desaster, aus dem der Gardist Syrae' thros Vrae'rakoh tot und die Vampirin gestärkt hervorging. Einige Monate später, zu Beginn des Jahres 1384 TZ führten Oberflächenbewohner aus dem Umkreis der Roten Kameradschaft und des Elfenhauses Thaveruil eine erneute Expedition in die Krypta der Vampirin hinab. Obgleich es unklar bleibt ob die Vampirin bei dem folgenden Massaker direkt eingriff, oder ob die heftigen Ausbrüche untoter Präsenz auf eine seltsame "Kammer der Knochen" zurückzuführen war, stellte sich deutlich heraus, dass die Begegnung der untoten Bedrohung mit Gewalt auf dem Boden der Gebeinhöhlen eine Unmöglichkeit schien.

Dennoch verschwand kurz nach dem zweiten Angriff die untote Präsenz nachhaltig. Die Gebeinhöhlen wurden ruhiger und auch diesmal blieb unklar, ob dies die Folge des Wirkens der Oberflächenexpedition war, oder der Verdienst der Faeress Xazstra Arab'sek?. Letztere hatte nach verschiedenen Eklats am Handelshof die Gebeinhöhlen zum Ort eines selbstbestimmten Exils gewählt. Der Leichnam des ehemals getöteten Gardisten Syrae'thros wurde dort durch ihre Hände präpariert und aufgebahrt, bis er im frühen Kytorn 1384 TZ einfach verschwand.

Zahlreiche Knochen und Kampfspuren zeugen von der grausamen Geschichte des Ortes heute. die Wände sind zum Teil mit gebetsartigen Formeln und Texten übersäht, die dem Untod huldigen. Menschen, Zwerge, Elfen und Drow liessen auf dem Boden der Gebeinhölen ihr Blut, aber insgesamt bleibt Ursprung und Natur dieses Ortes unklar oder aber im Wissen der Beteiligten verborgen.

Die Geister des Hofes

Ungefähr zeitgleich mit den Geschehnissen in den Gebeinhöhlen kam es auch unmittelbar vor dem Handelshof zu erschreckenden, untoten Ereignissen. Im Monat Ches des Jahres 1383 TZ erhob sich ein Schatten aus der Vergangenheit des Handelshofes. Was zuerst als ein einfaches Bauvorhaben des verrückten Gardisten Kronas beginnen sollte, löste eine Reihe von Ereignissen und Schrecken aus, die den Hof über ein Jahr lang bedrängte.

Direkt am Vorplatz des Handelshofes wurden kurz nach dem Fall Ched Nasads, 1372 TZ einige Überlebende des Hauses Dena'athran scheinbar auf grausame Weise verfolgt und getötet. Die Brutalität des Mordens liess drei mächtige Geistergestalten dort gebunden ruhen, bis man versuchte den Ort, an welchem sie einst lebendig in Stein eingegossen wurden, für eine Baustelle zu erschliessen. Den Gerüchten nach wurde Kronas von einer besessenheit gepackt und riss mehrere Bewohner des Marktes in einen Verhängnisvollen Strudel aus Lügen, Schrecknissen und Konflikten. Die Betroffenen schienen durch Geisterhand dazu gebunden und bestimmt den Toten ihren Frieden zu beschehren. Ob mit oder gegen deren Willen.

Während sich der Kreis der Beteiligten über Kronas hinaus ausdehnte und auch die Faeress Arab'sek?, Faeress Tsamaris und den Gardisten Xun ergriff, begannen die Dinge zu verschwimmen. Die Unruhe der Toten wurde durch die Sterblichen des Postens zu einer Einheit geschmiedet, ohne dass sie es bemerkten. War man anfänglich noch daran interessiert den Geistern Ruhe zu vergönnen, brachte Wankelmut, Unsicherheit und Hass eine Wendung. Es war die Faeress Tsamaris, die den Geistern ihre Erlösung nicht gönnen wollte und einen von ihnen in noch tiefere Qualen stürzte. Es entzündeten sich Grundsatzfragen über das richtige Leben der Ilythiiri überhaupt, und insbesondere am Handelshof, daran. Durch Vergeltung, Kompromisse und undurchsichtiges Machtspiel am Handelshof konnte sich jedoch der Wille der Händlerloge durchsetzen und die Befriedung der Geister eingeleitet werden.

Am 16. Kytorn, 1384 TZ wurden die verbliebenen Hauszeichen des Hauses Dena'athran am großen Spalt beigesetzt und eine Mahnstele errichtet. Die Stele verkündet als Warnung und Andenken den Fall des Hauses Dena'athran:

Reisende, Kinder der dunklen Mutter, Diener des Chaos,

vernehmt die Geschichte vom Untergang des Hauses Dena'athran, von der Wahrheit unseres Strebens und der Unüberwindbarkeit des endlos tiefen Spalts zu Ched'Nasad, welcher von der Dunkelheit ergriffen wurde.

So begab es sich, dass die Herrin Rauvryn Dena'athran aus Ched'Nasad ihrem Schicksal nicht entgehen konnte und die Schatten ihr Ende besiegelten, als sie der verdammten Stadt den Rücken zukehren wollte. Ihre treuesten Diener selbst waren es, welche sich ein höheres Schicksal zugedachten und ihrer Herrin in der dringensten Stunde den Dienst versagten um vor dem Grauen das ihre Herrin verschlang zu entkommen.

Kasa'ath Dena'athran, der Diener Selvetarm's, dessen Schicksal es war, die Wahrheit unseres Wesens zu erkennen, dass wir niemals wahrhaft Dienen können. Er zahlte den Preis dafür, dass er sich dieser Erkenntnis widersetze und mit Hingabe seiner Herrin diente und am Ende nur Verdammnis fand.

Ilizras Dena'athran, der Faern des Hauses Dena'athran, welcher seine Fähigkeiten über seine Vernunft stellte und die Unüberwindbarkeit der schwarzen Tiefe herausforderte. Auch sein Preis sollte die Verdammnis sein. Der Schatten und seine Herrin selbst stiegen aus der Schwärze empor, um das Urteil zu vollstrecken. Selbst das Kind Lolth's an seiner Seite, sollte davon nicht verschont werden.

Eingeschlossen in Fels sollten sie hier an diesem Ort ihre Strafe erdulden, bis man ihr Klagen erhörte.

Der Name des Letzten jedoch soll unausgesprochen bleiben, wurde ihm doch ein anderes Schicksal zu Teil als er nach der Flucht durch eine Bestie fiel. Das Blut jedoch sollte Zeuge der Verdammnis sein und band ihn ebenso an die Ewigkeit. Als die Erlösung nahe war, verwehrte eine Dienerin des Chaos ihm diese, als Strafe für seine Schwäche. Sein Leiden wird andauern, bis er aus den Flammen emporsteigt um mit Stärke zurückzufordern was ihm zusteht.

Letztlich scheint sich die Unruhe der Toten gelegt zu haben. Mit der Befriedung der Geister und der nunmehr verlassen erscheinenden Krypta ist dies zumindestens dem Anschein nach so. Dennoch blieben viele Fragen offen. Insbesondere das geheimnis um die Gebeinhöhlen, das Verschwinden der Vampirin und die dunklen Geheimnisse der Faeress Arab'sek? lassen einen bitteren Nachgeschmack bestehen.


Autor: Letos


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